Putin wirbt bei Treffen mit saudischem König für Kooperation

Es geht um Öl und um Einfluss. Das Treffen von Kremlchef Putin mit dem saudischen König Salman gilt als Versuch Russlands, sein Image als mächtiger Akteur im Nahen Osten aufzuwerten.

Putin wirbt bei Treffen mit saudischem König für Kooperation

Moskau (dpa) - Kremlchef Wladimir Putin hat bei einem historischen Staatsbesuch des saudi-arabischen Königs Salman bin Abdelasis al-Saud in Russland seinen Willen zur Zusammenarbeit in Nahost bekräftigt. Das Treffen gebe den bilateralen Beziehungen einen starken Impuls, sagte Putin am Donnerstag im Kreml. Mit Blick auf Moskaus Rolle im Syrienkrieg werteten Experten die Gespräche als klare Untermauerung von Russlands Anspruch als Gestaltungsmacht im Nahen Osten.

König Salman ist der erste saudische Monarch, der Russland besucht. «Dies allein ist ein sehr gewichtiges Ereignis», sagte Putin. Beobachter sehen die Bedeutung indes vor allem darin, dass Saudi-Arabien zwar traditionell mit den USA zusammenarbeitet, sich nun aber Russland zuwendet. Der steigende Einfluss Moskaus in der Arabischen Welt lässt Riad nach alternativen Partnern suchen.

In den Gesprächen sollte es vor allem um die Lage auf dem Ölmarkt und um den Bürgerkrieg in Syrien gehen. Russischen Agenturen zufolge unterschrieben die Delegationen ein Memorandum über den möglichen Verkauf russischer Waffen an Riad. König Salman betonte, dass Saudi-Arabiens und Russlands Sicht auf regionale Fragen in vielem übereinstimmten. Dass es aber auch Probleme gibt, verdeutlichte eine scharfe Warnung an den Iran. Die Führung in Teheran dürfe die Lage im Bürgerkriegsland Jemen nicht destabilisieren, sagte Salman.

Der Iran ist ein enger Verbündeter Russlands und unterstützt gemeinsam mit Moskau die syrische Führung im Bürgerkrieg militärisch. Das sunnitisch dominierte Saudi-Arabien und der schiitisch geprägte Iran ringen um die Vorherrschaft in der Region.

Der russische Experte Juri Barmin brachte den Besuch Salmans daher auch mit dem wachsenden Einfluss Russlands und des Irans in Nahost sowie dem sinkenden Engagement der USA in Verbindung. «Die Amerikaner haben ihren Rückzug aus dem Nahen Osten begonnen, und das ist spürbar», sagte er der Zeitung «Nesawissimaja Gaseta». Im Gegenzug gewinne der Iran an Einfluss in der Region. «Die Führung in Saudi-Arabien ist sich im Klaren, dass niemand außer Russland ihr helfen kann, den Einfluss des Irans auszugleichen», sagte er.

Kremlsprecher Dmitri Peskow machte aber deutlich, dass der Besuch des Königs keinen Einfluss auf die Beziehungen Russlands zum Iran haben werde. Die Politologin Marianna Belenkaja hält die Kooperation mit Saudi-Arabien daher zwar für pragmatisch, aber auch für fragil. «Die Annäherung zwischen Moskau und Riad resultiert vor allem aus der Überschneidung politischer Interessen. Wenn diese Interessen wieder auseinandergehen, kann sie sofort wieder beendet sein», schrieb sie.

Als pragmatisch wurde auch die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Riad im Ölsektor bewertet. Saudi-Arabien als größter Produzent in der Organisation erdölfördernder Länder (Opec) und Russland als wichtigstes Nicht-Opec-Mitglied hatten Anfang des Jahres eine Drosselung der Förderung beschlossen, um die Preise zu stabilisieren.

König Salman lobte die Einigung mit Russland. Sie helfe auch der Weltwirtschaft, sagte er. Zusammen sind Russland und Saudi-Arabien für 25 Prozent der weltweiten Ölproduktion verantwortlich. Eine große Wirtschaftsdelegation begleitete den König nach Russland.



Nachrichten zum Thema