Dossier Analyse (2019-06)

Muslimische Moros hoffen auf Frieden.

Dossier Analyse (2019-06)

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der an der Yıldırım Beyazıt Universität.

Moro ist eine Region, die möglicherweise über die längste Zeit Schmerzen und Leid der Menschheitsgeschichte ausgesetzt ist. Dieser in den 1500er Jahren mit Blut, Unterdrückung und Tod begonnener Prozess hat sich in der Gegenwart in eine Hoffnung verwandelt. Er herrscht ein Hoffnungsschimmer, um die Tränen der Kinder zu beenden und damit diese finsteren Tage zur Vergangenheit angehören und diese Kinder ihre Mütter und Väter nicht verlieren.

Moro ist eine türkischsprachige Region, die täglich in Gebeten mit Palästina, Eritrea, Kaschmir und anderen unterdrückten Geographien erwähnt wird. Viele kennen Moro möglicherweise aus dem Gedicht des Dichters Salih Mirzabeyoğlu unter dem Titel, “Aufklärungskämpfer-Moro Legende”.  Damit spricht er das am 21. Januar stattgefundene Referendum an.

Die Verbreitung des Islam auf den Philippinen erfolgte nicht anders als in den Regionen in Fernost. Die Moros begegneten dem Islam durch muslimische Händler, der sich mit der Zeit hier verbreitete. Muslime lebten über Jahrhunderte, bis zu den 1500er Jahren in ihren eigenen Staaten. In 1521 begannen in Moro Kämpfe zwischen Moros und Muslime. Mit dem Fall von Andalusien sprangen die Kämpfe auf die Philippinen über, die sozusagen in unterschiedlichen Formen seit etwa 500 Jahre anhalten.

In den 1900er Jahren waren die Muslime im Süden der Philippinnen in der Überzahl. Aber mit Assimilierung und Arbeiten zur Änderung der demographischen Struktur gerieten die Muslime in mehreren Regionen in die Minderheit.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Muslime von den Spaniern, danach von den USA und später durch Politiken des Philippinischen Staates entweder getötet oder zur Flucht gezwungen.

Während meines Besuchs in 2016 in Cotaboto wurde den Vertriebenen Menschen nicht erlaubt, sich auf dem Land niederzulassen. Dabei wurde ich Zeuge, wie diese Menschen ihr Leben auf Booten gründeten.

Moro Muslime starten ab den 1960er Jahren eine Widerstandsbewegung. Dieser Widerstand wurde zu verschiedenen Zeiten unter verschiedenen Organisationen fortgesetzt. Nach dem Tod des Anführers der Islamischen Befreiungsfront Selamet Haşim setzte Hac Murat die Gespräche mit den Philippinen fort. Für die Beendung des seit 40 Jahren anhaltenden Bürgerkriegs, wobei 120tausend Menschen starben und über 2 Millionen Menschen vertrieben wurden, ist in 2012 zwischen der philippinischen Regierung und der Islamischen Befreiungsfront der Moro ein Rahmenabkommen unterzeichnet worden. In 2014 wurde zur Beobachtung des Friedensprozesses eine unabhängige Beobachterdelegation gebildet. Präsident Rodrigo Duterte versprach bei seiner Wahlkampagne in 2014 die Bildung einer Autonomieregion.

Mit dem Referendum vom 21. Januar 2019 wurde die Autonomie der Moro Muslime mit 80% der Stimmen angenommen. Somit soll die aus 80 Mitgliedern bestehende Bangsamoro Übergangs-Autorität gebildet werden. Diese wie ein Parlament zu agierende Autorität wird bis 2022 die Verwaltung von Bangsomoro übernehmen. Mit dem Referendum werden die Steuern zu 75% an die örtlichen Verwaltungen und zu 25% an die Zentralregierung gehen. Die Einnahmen von natürlichen Ressourcen werden zu 75% den Regionalverwaltungen und 25% der Zentralregierung zur Verfügung stehen.

Die Muslime in Bangsomoro können unterschiedlich als auf den Philippinen, das Islam-Recht bilden. Die Christen in Moro können dem philippinischen Staatsrecht unterstehen. Moro-Muslime werden in der Innenpolitik völlig unabhängig und in der Außenpolitik und Sicherheitsthemen der philippinischen Regierung unterstellt sein.

Die Führung von Friedensprozessen ist unabhängig der geographischen Lage immer ein schwieriges Thema. Die Ereignisse in der Vergangenheit, beherbergen immer das Risiko, die Friedensverhandlungen wieder zum Anfangspunkt zu führen. Aus diesem Grund ist eine Unterstützung jener Kreise, die Frieden und Ruhe in der Region wollen, sowie der internationalen Staatengemeinschaft an den Prozess in den Philippinen von großer Bedeutung. Es ist eine große Chance für den Friedensprozess, dass Präsident Duterte aus einer Region nahe Bangsomoro stammt, in seiner Kindheit in engem Kontakt mit den Moros in der Region war. Daher ist es wichtig, dass Duterte dazu gefördert wird, diesen Prozess fortzusetzen. Man sollte vorsichtig sein, damit der Prozess durch die Terrormiliz DEASH nicht beeinträchtigt wird.

Man sollte sich nur mit humanitären Hilfen begnügen. Die Menschen, die den seit 500 Jahren anhaltenden Befreiungskampf führen und dabei schwere Verluste verzeichneten, sind zweifelsohne auf humanitäre Hilfen angewiesen.

Bei meinem Besuch in der Region habe ich erfahren, dass sich in der Region 26 internationale Hilfsorganisationen befinden. Aus der islamischen Welt ist nur die Türkei mit der Stiftung für humanitäre Hilfen IHH vertreten. Die Hilfen an die Region sollten unbedingt erhöht werden.

Wie ich bereits in einem Zeitungsartikel erwähnt habe, sind Moro Muslime bei diesem Prozess noch mehr auf humanitäre Hilfen angewiesen. Eine Gesellschaft, die seit Jahrhunderten für ihre Freiheit kämpft, wird zweifelsohne für die Bildung einer autonomen Verwaltung auf den Austausch von Erfahrungen in Verwaltungsthemen angewiesen sein. Diese Bereiche sind Politik, öffentliche Finanzen, örtliche Verwaltungen, Bürokratie, Hochschulbildung, Justiz und andere. Dazu sollte man den Bedarf an Fachkräften hinzufügen.

Der Beitrag der Türkei zum globalen Frieden: für die Friedensgespräche der Moro wurde eine internationale Kommission gebildet, in der sich auch die Türkei befindet. Neben dieser Kommission wurde eine fünf köpfige Beobachterdelegation gebildet. In dieser Kommission befindet sich auf Wunsch der Moro Muslime im Namen der Türkei, Hüseyin Oruç von der Hilfsorganisation IHH.

Auch wenn die Bürger es nicht merken, gehört die Türkei zu jenen Ländern, die mit ihren Erfahrungen und dem internationalen Ruhm, dem Frieden die meisten Beiträge leisten können. Dieser Beitrag wird nicht nur über den Staat sondern auch über NGOs und Universitäten gewährleistet werden. Daher ist der in Moro in 500 Jahren angelangte Punkt sehr wertvoll.



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