Merwe aus dem Jemen

Die Gefahren, denen Merwe in ihrer Heimat ausgesetzt war.

Merwe aus dem Jemen

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften der Yıldırım Beyazıt Universität.

Manchmal übertreiben wir Menschen kleine Ereignisse… Wenn wir ein Problem nur aus einer Perspektive betrachten, können wir uns selbst das Leben, die Beziehungen mit anderen Menschen und der Umgebung erschweren. Wenn wir eine objektivere Bewertung machen wollen, sollten wir in solchen Situationen uns von den jeweiligen Problemen entfernen und das Land, indem wir Leben, von außen betrachten. In diesem Zusammenhang will ich eine wahre Geschichte mit ihnen Teilen, um zu sehen, welche Bedeutung die Türkei hat.

Trotz der außergewöhnlichen Ereignisse entwickelt sich die Türkei zu einen attraktiven Land für Studenten. Während meiner Zeit als Student war die Türkei nicht ein Land, indem man seine Zukunft aufbauen wollte. Aber heutzutage studieren etwa 150 Tausend Studenten aus verschiedenen Ländern in der Türkei. Es ist einfach von Zahlen zu sprechen, aber diese Zahlen verbergen verschiedene Geschichten in sich. Denn das Leben jedes einzelnen Studenten besteht aus verschiedenen Gefühlen wie Trauer, Enttäuschung, Mühe, Hoffnung und andere.

In diesem Zusammenhang möchte ich die Geschichte der jemenitischen Studentin aus dem Jemen mit ihnen teilen, um zu zeigen, welche Gefühle die Menschen für die Türkei haben, und mit welchen Gefühlen und Hoffnungen sie leben. Aber Merwe ist nur einer dieser Studenten.

Der Jemen ist Anrainer des Roten Meeres, des Golfs von Aden und des Arabischen Meeres. Wegen seiner geostrategischen Lage erlebte es in allen Perioden ernste Probleme. Aus unserer Perspektive betrachtet, handelt es sich um eine der Geographien, wo die meisten Soldaten gefallen sind, weil die Verteidigung von Mekka und Medina dort begann. Aus Sicht der gefallenen Soldaten und der Schmerzen können Jemen und Çanakkale miteinander verglichen werden.

Merwe ist eine Studentin, die aus Sana, der Hauptstadt des Jemen stammt. Im jungen Alter von Merwe, wo sie ihre Zukunft bestimmen will, brach in 2014 in ihrem Land ein Bürgerkrieg aus. Während eines Putsches denkt man weder an die Jugendlichen noch an ihre Zukunft.

Als Merwe in 2015 sich Gedanken über ihre Zukunft machte, erhält sie von der türkischen Behörde für Auslandstürken und Verwandte Volksgruppen YTB die Bestätigung für ihr Studium in der Türkei. Da die Büros der Stipendien Fulbright aus den USA, DAAD aus Deutschland, Chevening aus Großbritannien, wegen dem Bürgerkrieg geschlossen wurden, begann für Merwe und andere 150 Studenten aus dem Jemen eine neue Hoffnung. Sie alle waren sehr gespannt auf ihr Studium in der Türkei. Auf der einen Seite tragen sie Hoffnungen, auf der anderen Seite erleben sie die bittere Seite des Lebens.

Wegen dem Bürgerkrieg im Jemen waren die meisten Botschaften in Sana geschlossen und nach Dschidda verlegt worden. Aus Sicherheitsgründen wurden die Flüge in den Jemen eingestellt. Für die Einreise in der Türkei brauchte man ein Visum. Aber für ein Visum musste man zur türkischen Botschaft nach Dschidda fahren. Diese Fahrt nach Saudi-Arabien war aber wegen der Kämpfe zwischen unterschiedlichen Gruppen sehr gefährlich. Auch wenn man an der saudischen Grenze ankam, war die Einreise in Saudi-Arabien noch nicht garantiert. Einige hatten sich nicht getraut, um diese gefährliche Fahrt in Kauf zu nehmen und verzichten auf die Fahrt nach Dschidda. Als sie ihre Hoffnungen verloren hatten,  meldete sich Merwe freiwillig, um die Pässe nach Dschidda zu bringen und Visa zu beantragen.

Die Familie von Merwe machte sich große Sorgen über ihre Entscheidung. Wenn sie fahren sollte, dann nur für sich selbst, damit es weniger riskant wird. Aber Merwe hält an ihrer Entscheidung fest, um die Pässe aller Studenten mitzunehmen, die jeweils ein Stipendium erhalten haben. Insgesamt werden 90 Pässe gesammelt. Ein Teil der Studenten geht davon aus, dass Merwe diese Reise nicht schaffen wird. Auch wenn sie dort ankommen sollte, könnte sie mit so vielen Pässen in Saudi-Arabien nicht einreisen. Sie nahm Kontakt mit dem türkischen Botschafter auf, der die Entscheidung von Merwe respektierte und erklärte ihr, welches Risiko sie eingeht.

Merwe bricht mit den Pässen anderer Studenten auf die Reise. Nach zwei Tagen Fahrt erreicht sie die saudische Grenze. Sie hatte Glück, dass sie auf dem Weg keinen Kämpfen begegnete und nicht zum Ziel von Bomben wurde. Weil sie eine Dame ist, wurde sie an den Kontrollpunkten nicht detailliert durchsucht. Gegen zehn Uhr am Morgen erreicht sie den Grenzübergang. Vor ihr standen zahlreiche Menschen Schlange. Wenn sie keine Lösung findet, muss sie möglicherweise bis zum nächsten Tag warten. Sie spricht mit den jemenitischen Beamten und passiert die jemenitische Grenze. Mit 90 Pässen im Rucksack lief sie zum saudischen Grenzübergang.  Die saudischen Grenzbeamten wollten Merwe nicht glauben, weisen sie zurück und sagen ihr, dass sie am nächsten Tag kommen soll. Merwe nahm erneut Kontakt mit der türkischen Botschaft. Die Botschaft sendet ein Fax an saudische Behörden, indem geschildert wird, warum Merwe so viele Pässe mit sich trägt.

Dieses Mal hat Merwe ein weiteres Problem, denn die saudischen Beamten wollten Merwe ohne männliche Begleitung nicht einreisen lassen. Da Merwe nicht wegen der Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien gekommen ist, darf sie nicht länger als drei Tage bleiben. Nach 9 Stunden konnte Merwe die Beamten überzeugen und durfte einreisen. Sie wurde von den Mitarbeitern der türkischen Botschaft mit Freude empfangen. Nach intensiven Arbeiten wurden die Visa innerhalb von drei Tagen ausgestellt. Aber Merwe hatte noch eine lange und mühsame Rückfahrt vor sich. Auf der Heimfahrt entging sie mit ein paar Minuten einer Bombardierung einer Brücke. Der Bus nahm Abkürzungen und fuhr teilweise durch die Wüste und erreicht Sana.

Nun sind Merwe und zahlreiche andere Studenten aus dem Jemen und anderen Ländern meine Studenten an der Yıldırım Beyazıt Universität.

Ich habe diese Geschichte deshalb erzählt, weil es Menschen gibt, die alles Kritisieren, andere Menschen beleidigen und unhöflich sind. Wenn aber sie selbst einer Kritik gegenüber stehen, sagen sie, man kann in diesem Land nicht mehr Leben, obwohl sie hier weiterleben.

 



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