Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-50)

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-50)

 

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hat vergangene Woche Venezuela einen offiziellen Besuch abgestattet. Ziel des Besuchs sind der Ausbau der Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela sowie die Stärkung der Banden.

In unserem heutigen Programm werden wir die jüngsten Entwicklungen in den Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela sowie die Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik erörtern.

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Karatekin Universität.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan ist nach Abschluss des G20-Gipfels in Argentinien weiter nach Paraguay und Venezuela gereist. Es waren in diese beiden Länder die ersten Besuche aus der Türkei auf Staatspräsidentenebene. Diese Besuche sind von symbolischer Bedeutung und bieten tiefe Kooperationsmöglichkeiten. Sie bieten zahlreiche wirtschaftliche, strategische und politische Vorteile. Venezuela gehört zu jenen Ländern in Lateinamerika und in der Karibik-Region, mit denen die Türkei diplomatische Beziehungen unterhält. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela wurden in 1950 aufgenommen. Wegen der großen Entfernung zwischen beiden Ländern blieben die bilateralen Beziehungen begrenzt. Mit den jüngsten Entwicklungen und gegenseitigen Besuchen begann in den Beziehungen zwischen der Türkei und Venezuela eine neue Ära.

Am 19. August 2016 hat die damalige venezolanische Außenministerin Delcy Rodriguez der Türkei einen offiziellen Besuch abgestattet und Staatspräsident Erdoğan eine Einladung des venezolanischen Staatspräsidenten Nicolas Madura für die Teilnahme am Gipfel der  Unabhängigen Staaten vom 17.-18. September 2016 auf der venezolanischen Insel Margarita übermittelt. An diesem Gipfel wurde die Türkei von Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu vertreten.

Der venezolanische Staatspräsident Nicolas Madura hat zwischen dem 9.-13. Oktober 2016 der Türkei einen offiziellen Besuch abgestattet und am 23. Welt-Energie-Kongress teilgenommen. Staatspräsident Erdoğan führte am Rande des 1. Wissenschafts- und Technologie-Gipfels  der Organisation für Islamische Zusammenarbeit IOC am 10. September 2017 in Astana mit seinem venezolanischen Amtskollegen Maduro ein Gespräch.  Maduro stattete vom 5.-6. Oktober 2017 als erster venezolanischer Staatspräsident der Türkei einen Besuch ab. Im Rahmen dieses Besuchs wurde in Co-Präsidentschaft der Außenminister beider Länder die zweite Tagung der Kommission für Zusammenarbeit verwirklicht.

Dabei wurden das Abkommen für Zusammenarbeit in Wirtschaft und Handel, der Vertrag für Kooperation in Sicherheitsthemen, Abkommen für Lufttransport, sowie ein Übereinstimmungsprotokoll für landwirtschaftliche Zusammenarbeit signiert. Dabei wurden auch das türkisch-venezolanische Arbeitsforum und die Ausstellung von venezolanischen Exportgütern veranstaltet. Im Juli 2018 nahm Maduro an der Vereidigung von Staatspräsident Erdoğan teil. Nach den Zahlen der statistischen Behörde TÜIK hat in den ersten zehn Monaten von 2018 das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern eine Milliarde Dollar überschritten. Die türkische Exportsumme nach Venezuela beträgt etwa 91 Millionen Dollar. Die Türkei importierte aus Venezuela Güter im Wert von 984 Millionen Dollar.

Zu den wichtigsten Exportgütern der Türkei gehören Weizenmehl, Nudeln, Seife, Windeln, Hygieneartikel, Produkte für Mund und Zahnpflege, Marmor, Sonnenblumenöl, sowie Rasierprodukte. Unter den wichtigsten Importgütern aus Venezuela befinden sich Edelsteine, Edelmetalle, Perlen, Schmuck-Imitate, Münzen, Mineraltreibstoffe- und Öle, sowie Mineralölprodukte, Mineral Kerzen, sowie Eisen- und Stahlprodukte. Die Türkei hat sich zum Ziel gesetzt, die Handelsbeziehungen mit dem von den US-Sanktionen betroffenen Venezuela auszubauen. Das von staatlichen venezolanischen Bergbaufirmen und kleinen Firmen geförderte Gold wird wegen der US-Sanktionen anstelle der Schweiz, nun in der Türkei verarbeitet und in Goldmünzen verwandelt. Venezuela ist nicht in der Lage, seine reichen Bodenschätze zu bearbeiten. Deshalb kooperiert Venezuela mit China, Russland und der Türkei.

Im Bergbau werden besonders türkische Unternehmer von der venezolanischen Regierung gefördert, damit sie Goldminen betreiben und 30% des gewonnenen Goldes an Venezuela übergeben. Bislang sind einige türkische Firmen nach Venezuela gegangen, um einen Vertrag zu unterschreiben. Venezuela befindet sich derzeit in einer ernsten Wirtschaftskrise. Auf der anderen Seite bietet Venezuela mit seinen reichen Erdölreserven wichtige Chancen für türkische Unternehmer. Das Land verfügt über große ungenutzte landwirtschaftliche Flächen die sowohl für Anbau als auch für Viehzucht geeignet sind. Der beste Kakao der Welt wird in Venezuela geerntet. Die Türkei kann als Gegenleistung für den Import von Erdöl- und Erdölprodukten, Dienstleistungen anbieten und Bauaufträge übernehmen. Somit können die Risiken minimiert werden.

Obwohl Venezuela von einer Wirtschaftskrise betroffen ist, gehört es zu den Ländern mit den reichsten natürlichen Ressourcen. Daher kann Venezuela türkischen Firmen großen Chancen bieten, weil die in diesem Land vorhandenen Bodenschätze in der Türkei nicht vorhanden sind. Auf der anderen Seite verfügt Venezuela nicht über die Erfahrung der Türkei in Produktion, Industrie, Bauwesen und Dienstleistungen. Wegen des Embargos gegen den Iran kann sich die Türkei für den Ölimport aus dem Iran mit Venezuela eine Alternative bilden.



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