Globale Perspektive (2018-48)

Globale Perspektive (2018-48)

Globale Perspektive (2018-48)

Vergangene Woche hatten wir darauf hingewiesen, dass der Orientalismus seine Form verändert hat und die zuvor von westlichen Wissenschaftlern Vorort geführten Forschungen nun von den Menschen aus nichtwestlichen Gesellschaften in den westlichen Staaten geführt werden, die darauf gewillt sind. Wir hatten auch darüber erzählt, dass die ins Ausland mit dem Ziel des Tradierens von Errungenschaften geschickten Menschen, die Errungenschaften ihrer eigenen Länder auch noch dazu mit den Fonds ihres eigenen Staates tradieren. Ferner wurde auf den Fehler hingewiesen, dass diese Menschen entgegen der Erwartungen, nicht der Experte des Landes werden, in das sie geschickt werden, sondern Experte ihres eigenen Landes im jeweiligen Staat werden.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Ihrer eigenen Gesellschaft Fremd gegenüber stehende Intellektuelle 

Da es nicht für das eigene Land gemacht wird, bereitet es seit 200 Jahren Probleme mit Arbeiten zurückzukehren, die dem eigenen Land kein Nutzen bringen. Dabei gehen insbesondere die mit Mühe und Not zusammengestellten Quellen zunichte, die für die ins Ausland geschickten Menschen bereitgestellt werden.

Dass die für eine Hoffnung, für eine Lösung ins Ausland geschickten Menschen nicht dieser dienen, beeinträchtigt die Entwicklung der Länder dieser Menschen und sorgt für Enttäuschung im Zusammenhang mit einer Lösung. Wenn sie mit den Arbeiten in das Land zurückkehren, werden diese qualifizierten Menschen für ihre Länder von den westlichen Ländern sozusagen eingesammelt.   Können wir aus Sicht der Türkei betrachtet sagen, dass die Intellektuellen-Verfremdung, mit der wir seit 200 Jahren konfrontiert werden, nicht einer der wichtigsten Gründe dafür ist? Es ist insbesondere ein großes Privileg aus den Entwicklungsländern in Ausland gehen zu dürfen. Diesen privilegierten Menschen werden bei ihrer Rückkehr große Bedeutungen beigemessen. Daher wird die negative Wirkung umso grösser, wenn diese Menschen in das eigene Land verfremdet zurückkehren. Von den Ausführungen des osmanischen Wesirs, Said Halim Pascha  vor etwa einem Jahrhundert entnehmen wir, dass dieser Umstand nicht neu ist. Der Pascha erzählt von der Zeit, in der er gelebt hat, von zwei Typen von Intellektuellen, und zwar von jenen, die den Westen nicht kennen und von jenen, die ihr eigenes Land nicht kennen. Anschließend fragt er, welcher Typ zerstörender ist. Für ihn sind beide zerstörend. Doch jene Intellektuelle, die den Westen kennen, aber ihr eigenes Land nicht, sind noch zerstörender. Der überwiegende Teil der lange Zeit sich im Ausland aufhaltenden Menschen kehren wegen Verfremdung zur eigenen Gesellschaft sozusagen mit Hass und Überheblichkeit zurück. Eigentlich haben ihre Gesellschaften in diesem Prozess vielmals wichtige Hürden überwunden. Was von den Zurückkehreden erwartet wird, ist, vielmals von der Gesellschaft bekannten  Sachen nicht noch schärfer und erniedrigender Weise zu wiederholen, sondern was sie bei der Rückkehr in das eigene Land für die Lösung mitbringen. Nicht die für das fremde Land hergestellte Literatur, Theorien mit großer Bewunderung seinem eigenen Land zu tradieren, sondern mit kritischer Betrachtung und Überprüfung und den Errungenschaften seines eigenen Landes das zu revidieren, wird erwartet.  

Sich selbt orientalisieren..

Wennn die im Namen von öffentlichen Einrichtungen im Ausland Forschungen betreibende und für akademische Institute im Ausland Forschungen betreibende Menschen von ihren eigenen Gesellschaften verfremdet werden, werden sie noch zerstörender sein, da sie die kommenden Generationen ausbilden.  Das in westlichen Staaten in Sozialwissenschaften gelehrte Wissen sowie die Theorien, Methoden und Indexe können zweifelsohne für diese Länder sehr nützlich sein. Dieses Wissen kann im gewissen Maβe für die anderen Staaten erklärend sein. Aber wenn die Akademiker soziale Wissenschaften wie Politik, Soziologie, Wirtschaft genau wie im Westen lehren, werden sie in ihre eigenen Länder auch die Wurzellosigkeit und Geschichtslosigkeit tradiert haben. Denn in der westlichen Wissenschaftsliteratur werden Informationen und Ansätze zu den nichtwestlichen Staaten vielmals nicht aufgeführt. Es wird erwartet, dass diese von den Akademikern aus nichtwestlichen Staaten gegeben werden. Wenn das nicht gemacht wird, dann wird die Geschichte, Errungenschaften nicht von den westlichen Staaten, sondern von Akademikern aus eigenen Reihen ignoriert und Abseits gestellt werden.

Die Ursprünge dieses Problems

Zweifelsohne gibt es auch jene Forscher, die im Land, in das sie gehen, für das eigene Land sehr nützliche Arbeiten führen. Wenn sie diese außen vor lassen, kann gesagt werden, dass das Problem aus folgenden Problemen herrührt:  

Dass das Land, das diese Menschen schickt, zum Thema keine lenkenden oder einschränkenden Regelungen aufstellt:

Seien sie von den öffentlichen Einrichtungen oder von den Universitäten geschickt worden, wird den Personen, die ins Ausland geschickt werden, im Grunde keine Einschränkungen gemacht.

Dass die geschickten Personen das Einfache wählen:

Dass die ins Ausland gehenden Menschen, überwiegend die Themen zum Land machen, in das sie geschickt werden, erfordert, dass sie die Sprache des jeweiligen Landes sehr gut kennen. Denn die akademischen Kreise, mit denen sie in diesen Themen in Kontakt kommen, verfügen über mehr Wissen. Wenn sie jedoch ein Thema zum eigenen Land behandeln, müssen sie sich nicht so sehr anstrengen. Wegen des Wählens des Einfachen oder wegen falscher Richtungsweisung wurde ich Zeuge von sehr vielen Promotionsarbeiten, die nicht viel Bedeutung für das eigene Land haben. Ein Student in Österreich hatte gesagt, dass er die EU-Politik der Türkei erforscht hat. Ein anderer in Deutschland sagte, dass er als Promotionsthema die AK-Partei gewählt hat. Beide hatten den Wunsch geäußert, in die Türkei zurückzukehren. Ich hingegen sagte, dass in der Türkei der Bedarf an Menschen mit Promotion sehr groß ist, doch die Themen, über die sie forschen, sogar in der Türkei die Menschen auf der Straße ein „Fachwissen“ haben. Ich hatte sie danach gefragt, welchen Beitrag sie der Türkei leisten können. Weiter sagte ich, dass die Arbeit in Europa über solche Themen für die Europäer äußert bedeutend ist und sie darauf angesprochen, dass es für sie vielleicht besser wäre, ihr Glück in Europa zu suchen. Zwei Promotionsarbeiten, die ich im Jahre 2017 in den USA zu Gesicht bekam, waren ähnlich: „Die islamischen Bewegungen in der Türkei“, „Wirkung von Sufismus auf die kurdische Bewegung.“ Wenn ich sie auch nicht überzeugen konnte, hatte ich ihnen folgendes gesagt: „Was gedenken Sie, welche Beiträge sie mit diesen Arbeiten ihrem Land nach der Rückkehr geben können? Wenn sie über die Beziehungen zwischen Staat-Religion in den USA oder Evangelikalismus geforscht hätten, würden sie nach ihrer Rückkehr noch mehr gebraucht werden.

Die Staaten von Akademikern mit imperialistischen Visionen im Land, in das man geht:

In einigen Situationen zeigen diese Art von Steuerungen Wirkung. Doch diese Eingebungen sind nicht zu überwindbare Hürden, wenn die ins Ausland gehenden Menschen darauf beharren und wissen was sie machen. Als ich während meiner Suche nach Promotion an einer britischen Universität zu einem Vorstellungsgespräch ging, sagte ich, dass ich ein Thema  über „Großbritannien“ bearbeiten möchte. Sie waren verwundert erstmals mit einer Arbeit über Okzident begegnet zu sein und hatten meinen Vorschlag akzeptiert. Zweifelsohne können in einigen Situationen Arbeiten über die Türkei notwendig sein und können gar gefördert werden. Es ist sehr wertvoll, dass die osmanische Geschichte und das Erbe, die die Geschichte vieler  Länder interessiert, von unseren Akademikern der ganzen Welt richtig übertragen wird. Mit der Erlaubnis solcher Türkei-Arbeiten, außer solchen Themen des schickenden Instituts könnte das 200 Jahre alte Problem in etwa gelöst werden. Wenn die Institute, beim Schicken ins Ausland die Regel einführen, nicht über die Türkei zu arbeiten, könnte dieser der Überwindung des Problems großen Beitrag leisten. Ansonsten werden die  für Forschungen ins Ausland geschickten Wissenschaftler, wie es Sezai Karakoç in seinem Gedicht aufführt, in den Arbeiten, die sie für den Westen fertigen, verlorengehen.



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