Türkei Agenda (2018-47)

Turk Stream - Erdgaspipeline

Türkei Agenda (2018-47)

In den vergangenen Tagen ist unter Teilnahme des russischen Staatspräsidenten Putin und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan der Bau des Unterseeabschnitts der TurkStream-Erdgaspipeline zeremoniell abgeschlossen worden. Bei der Zeremonie in Istanbul betonten beide Staatschefs in ihren Reden den Ausbau der Kooperation zwischen beiden Ländern. Das TurkStream-Projekt hat im Rahmen der Pläne zur Entwicklung der Türkei zu einem Energie-Zentrum eine besondere Bedeutung. Entsprechend stärkt die Türkei ihre diesbezügliche Stellung mit Projekten wie TANAP, mit dem Erdgas aus Aserbaidschan über die Türkei nach Europa befördert werden soll oder mit der Ceyhan-Pipeline zum Transport vom irakischen Erdöl in die Welt. 

 

Sie hören eine Bewertung von Can Acun, Forscher der Stiftung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaftsforschungen (SETA).

 

Bei der TurkStream-Pipeline, die im Jahre 2014 vom russischen Staatspräsident Putin vorgeschlagen wurde, beginnt der Meeresabschnitt der Pipeline an der russischen Schwarzmeerküste, an der Stadt Anapa, und überquert das Schwarzmeer 930 Kilometer lang bis an den türkischen Küstenort Kıyıköy im Westen von Istanbul. Die von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan als TurkStream benannte Pipeline weist eine Gesamtlänge von 1100 Kilometer auf. Turkstream besteht aus zwei parallel verlaufenden unterschiedlichen Pipeline-Verbindungen. In der ersten Pipeline sollen jährlich 15,75 Milliarden Kubikmeter Erdgas transportiert werden, um den Energiebedarf der Türkei zu decken. Die zweite Pipeline soll sich bis nach Europa erstrecken, um so insgesamt 31,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas zu transportieren. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskov sagte, dass weitere Länder sich der TurkStream-Pipeline anschließen wollen, womit die Erdgas-Pipeline über 5 Verbindungen 5 unterschiedliche europäische Staaten mit Erdgas versorgen könnte. So erklärte beispielsweise der serbische Energieminister Antic, dass mit den Anschluss Serbiens an die Pipeline die Energiesicherheit Europas gesichert werden könnte. Antic zufolge sei der Transport von 10 bis 15 Milliarden Kubikmeter russischen Erdgases über die Türkei nach Bulgarien, Serbien, Ungarn und sogar bis nach Österreich eine große Chance, die diesen Ländern auch wichtige Profite bringen könnte. 

Auf der anderen Seite steht noch nicht fest, über welche Strecke das TurkStream-Projekt über die Türkei nach Europa verlaufen soll. Vor allem Griechenland und Bulgarien stehen diesbezüglich gegeneinander im Wettbewerb. Griechenlands Premier, Alexis Tsipras, sagte, Griechenland bemühe sich in Brüssel aktiv um einen Verlauf über Griechenland. Während TurkStream die Türkei zu einem Energiezentrum entwickelt, ermöglicht es auf der anderen Seite Russland einen Erdgas-Export über die Balkan-Staaten. In der nahen Vergangenheit haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern in vielen Bereichen entwickelt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan unterstrich die wirtschaftliche Zusammenarbeit und gab als Ziel ein Handelsvolumen von 100 Milliarden Dollar an. Auch die russische Presse hob den verstärkten Kontakt zwischen Putin und Erdoğan hervor und betonte die intensiven Beziehungen zwischen beiden Ländern. Auch wenn sich die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland vor allem im Rahmen der Energiepolitiken verstärken, gibt es hinsichtlich der bilateralen Beziehungen auch Probleme. Die Annexion der Krim durch Russland, der in der Ukraine andauernde Krieg, die russische Politik gegenüber den Krim-Tataren und die unterschiedlichen Positionen in Syrien sind wichtige Knoten, die es zu lösen gilt. Vor allem hinsichtlich Syrien gibt es trotz einer koordinierten Handlung im Rahmen des Astana-Prozesses und des Sotchi-Protokolls grundliegende Meinungsunterschiede, die Probleme bereiten.                    



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