Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-47)

Kongress der syrischen Turkmenen.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-47)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Karatekin Universität.

Die Turkmenen in Syrien sind in den vergangenen Tagen in der syrischen Region Çobanbey bei einer wichtigen Versammlung zusammengetroffen. Heute wollen wir diesen Kongress und dessen Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik erörtern.

Der seit 2011 anhaltende Kampf der Turkmenen in Syrien um ihre Ehre und Freiheit hat eine neue Phase erreicht. Mit der Änderung des politischen und militärischen Gleichgewichts sind die Turkmenen im aktuellen regionalen Machtgleichgewicht, zu einem wichtigen Akteur in Nahost geworden. Die Turkmenen in Syrien und die Versammlung der syrischen Turkmenen setzen sich sowohl auf politische als auch auf diplomatische Wege  intensiv dafür ein, um am Verhandlungstisch mit dabei zu sein und die Rechte des turkmenischen Volkes in Syrien zu wahren sowie ihre Zukunft unter Garantie zu stellen.

Das wichtigste Ziel der Turkmenen in Syrien auf regionaler und internationaler Ebene ist es, im Rahmen der Wahrung der territorialen Einheit Syriens,dass sie in der neuen syrischen Verfassung einen rechtlichen Status erhalten, indem ihre Existenz anerkannt, geschützt und unter Garantie gestellt wird.

In den vergangenen Tagen haben die Turkmenen in Syrien der Öffentlichkeit offen bekundet, dass sie für die Gewährleistung der Stabilität bereit seien, mit jeglichen Parteien einen politischen Dialog aufzunehmen. Die einzige „Rote Linie“ der syrischen Turkmenen ist es, dass sie sich nicht auf der gleichen Plattform von Terrororganisation befinden, die eine Bedrohung für die Sicherheit von Syrien und der Türkei darstellt. Die Turkmenen haben offen verkündet, dass sie gegen die Spaltung des Landes sind, was auch richtig ist.

Denn es ist bereits eine Erfahrung vorhanden, zu welchen Ergebnissen die Erteilung eines föderalen oder autonomen Status für ethnische und religiöse Gruppen bedeutet. Das war auch der hauptsächliche Grund für die Entstehung von DEASH im Irak. Turkmenen stellen keine Forderung für eine föderale oder autonome Region, weil sie es als eine Spaltung des Landes betrachten. Die Turkmenen in Syrien, einschließlich die Turkmenen verteidigen ein unitares Staatsmodell, in dem alle Grundrechte und Freiheiten vorhanden sind.

Auf der anderen Seite kehren syrische Regionen, die mit Unterstützung der Türkei vom Terror befreit werden, rasch zur Normalität zurück. Die Zivilbevölkerung wird immer stärker. Ein Beispiel dazu wurde in den vergangenen Tagen erlebt, indem die Turkmenen in Syrien, unter der Vorreiterrolle der syrischen Turkmenen Versammlung in Çobanbaşı zu einer Sandschak-Versammlung zusammentrat. An dem Kongress beteiligten sich im Namen der Turkmenen aus Aleppo, Idlib, Rakka, Homs, Tartus, Dera, Golan und Damaskus etwa 250 Delegierte.

Die sich innerhalb der syrischen Opposition befindenden Turkmenen haben seit kurzer Zeit verschiedene Sandschaks verwendet. Das turkmenische Volk brachte seit einiger Zeit auf verschiedenen Plattformen zum Ausdruck, dass es innerhalb der syrischen Opposition stark vertreten sein will. Die syrische Turkmenen Versammlung als Dachorganisation der syrischen Turkmenen hat die Tagung der Versammlung beschlossen, um diesen Forderungen auf demokratische Weise entgegen zu wirken. An dem Kongress beteiligten sich Mitglieder der syrischen Turkmenen Versammlung, Meinungsführer der turkmenischen Gesellschaft in Syrien, Vertreter von syrisch-turkmenischen Nichtregierungsorganisationen,  sowie Vertreter aus den Turkmenen-Regionen in Syrien.

Unter den vorgeschlagenen 9 Sandschaks wurde mit Stimmenmehrheit der Sandschak der Syrien-Turkmenen auf den Mast gehisst. Die blaue Farbe auf dem Sandschak symbolisiert das Türkentum, rot das Blut der Märtyrer und weiß für universelle humanitäre Werte. Der Halbmond und der Stern symbolisieren den Islam. Man geht davon aus, dass nach dieser Versammlung, die die Ruhe und die Sicherheit in der Region wiederspiegelt, die Zahl der Turkmenen in Syrien ansteigt.

Die Turkmenen leben seit dem siebten Jahrhundert auf diesen Territorien. Sie haben sich in Syrien auf einer großen Fläche verbreitet. Sie sind in Aleppo, Idlib, Homs, Hama, Tartus, Rakka, Dera, Damaskus und Golan präsent. Die seit Jahrhunderten auf diesen Territorien lebenden syrischen Turkmenen versuchen ihre Territorien und Identität zu wahren. Etwa die Hälfte der in Syrien lebenden drei Millionen Turkmenen kann Türkisch sprechen. Die andere Hälfte hat die türkische Sprache vergessen. Turkmenen bilden nach den Arabern die zweitgrößte ethnische Gruppe in Syrien. Von dem Bürgerkrieg in Syrien sind am meisten die Turkmenen betroffen. Sie haben niemals eine Verbindung zu ethnischen oder religiösen Terrorgruppen gehabt und setzen sich immer für die Wahrung der territorialen Integrität Syriens ein.

Wenn den Turkmenen ihre Rechte voll gewährt werden, wird dies ein sehr wichtiger Schritt für die Gewährleistung eines dauerhaften Friedens in Syrien sein. Außerdem können Turkmenen bei der Bildung eines neuen demokratischen Syriens bei den Beziehungen mit der Türkei und den Turkrepubliken eine Brückenrolle übernehmen.



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