Globale Perspektive (2018-47)

Einheimisch werdender Orientalismus

Globale Perspektive (2018-47)

Die Arbeiten zu den politischen, sozialen, kulturellen, religiösen, ethnischen anthropologischen u.a Seiten der von den westlichen Forschern einerseits in Verbindung mit dem Imperialismus und andererseits als exotisch gesehenen östlichen Gesellschaften werden als Orientalismus bezeichnet. Der Begriff trägt wegen der überheblichen, die östlichen Gesellschaften nicht als ein aktives Subjekt, sondern als ein passives Objekt betrachtenden Sichtweise eine negative Bedeutung.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Die orientalischen Forschungen haben in der Gegenwart nicht den Sinn verloren, doch erheblich die Form verändert. Wie in der Vergangenheit geführt, bedarf es nicht mehr wie früher, dass die westlichen Forscher nach Osten, persönlich in die Forschungsgebiete reisen und ihre Arbeiten Vorort führen. Denn die Forscher aus den östlichen Ländern sind gewillt, diese Arbeiten oder Informationen persönlich in den westlichen Ländern vorzutragen.

 Unsere 200-jährige tragische Geschichte

Die Länder wie Japan und die Türkei, die gegenüber der westlichen Zivilisation sich nicht ausreichend bewähren konnten, entsenden seit 200 Jahren in den Westen Experten, Studenten, Akademiker und Beamte. Auch heute verfolgen viele Länder aus Afrika, dem Balkan, Nahen Osten, Fernosten oder Lateinamerika den gleichen Weg. In diesen Ländern werden nicht nur aus den Universitäten, sondern aus fast allen Ministerien und Behörden die Angestellten für den Zweck der Bildung, Kultur und des Anstandes in westliche Länder geschickt. Damit die Errungenschaften des Westens, die Wissenschaft, Technologie und Methode Vorort gesehen und diese tradiert werden, verzichten diese Länder wegen ihren zur Verfügung stehenden knappen Quellen auf zwingende Ausgaben und betreiben diese mit hohem Kostenaufwand. Können sie jedoch das angepeilte Ziel erreichen? Da seit 200 Jahren für Bildungszwecke immer noch in den Westen Menschen geschickt werden, ist es dem nicht so. In den Jahren des Studiums sagte ein unserer Dozenten: „Die Japaner sind mit der Wissenschaft und Technologie in ihr Land zurückgekehrt, unsere hingegen als Dichter.“ Die tragische Geschichte des Gangs nach Westen und das Verlorengehen im Westen, erzählt Sezai Karakoç mit der Geschichte eines 7-fachen Vaters mit dem Gedicht „Märchen“ sehr gut.

Nach Westen gehen und sein eigenes Land forschen

Es ist eine bittere Wahrheit, dass viele mit dem Zweck der Aufnahme der wissenschaftlichen Errungenschaften, der Arbeitsmethode und für den Beitrag in sein eigenes Land nach Westen geschickten Studenten, Akademiker, Forscher, Beamte nicht in der Weise in ihre Länder zurückgekehrt sind. Wenn die Universitäten, Behörden der entsendenden Länder eine kurze Nachforschung zu den Arbeiten der Menschen machen, die sie geschickt haben, wird dieser Umstand zum Vorschein kommen.  Die von vielen Ländern nach Westen geschickten Wissenschaftler, Beamte, Studenten forschen insbesondere in Sozialwissenschaften nicht über die Themen zu dem Land, in das sie geschickt worden sind, sondern überwiegend Themen zum eigenen Land. Wann auch immer ich mit jenen zusammenkomme, die für akademische Zwecke in ein westliches Land gegangen  oder mit jenen, die aus dem Ausland in die Türkei zurückgekehrt sind, werde ich mit diesem tragischen Bild konfrontiert.

 

Nicht für sein eigenes Land Westen, sondern für den Westen Türkei-Experte sein

Dass die von den nichtwestlichen Gesellschaften für Bildungszwecke nach Westen gehenden Menschen aus unterschiedlichen Gründen überwiegend die Themen zu eigenem Land forschen, erzeugt ein völlig ganz unterschiedliches als bezweckt, manchmal aber auch das gegenteilige Ergebnis. Das heißt, dass in solchen Situationen diese Länder ihre eigenen Fonds und eigene Errungenschaften nach Westen tradieren. Wenn die nach Westen gehenden Menschen, nicht über ein Thema zum Westen, sondern eins über eigenes Land forschen und danach in ihr eigenes Land zurückkehren, decken sie damit nicht einen Bedarf. Da sie über ein Thema zum eigenen Land Forschungen betreiben, werden sie Experte eines Gebiets, das der Westen für ihre Länder benötigt. Wenn wir als Beispiel die Türkei nehmen würden; obwohl wir seit 200 Jahren Menschen schicken, gibt es in der Türkei sehr wenige Experten zu den Ländern wie die USA, Deutschland oder Frankreich, in die wir die meisten Menschen geschickt haben. Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen, die mit den Fonds der Türkei in die westlichen Länder gehen und dort zum Türkei-Experten werden. Während es schwierig ist, einen Experten in einem Thema im Zusammenhang mit den westlichen Ländern zu finden, werden sie Zeuge dessen, dass diese Experten bei Themen die die Türkei interessieren, in westlichen Medien und in der Presse erscheinen. Wenn die nach Westen gehenden Menschen, über die Themen wie Menschenrechtsverletzungen, ethnische Probleme, Minderheitenfragen, strategische Themen, religiöse Akten Forschungen betreiben, dann bedarf es keiner neuen orientalistischen Forschungen des Westens mehr.  Denn es wird noch mehr Zeit in Anspruch nehmen und viel aufwendiger sein, wenn ein westlicher Forscher nach dem Erlernen der Sprache und mit dem Wissen der Unterschiede zwischen den Gesellschaften ein Thema außerhalb des Westens analysiert.

Denn diese Arbeit über einen Forscher zu führen, der eine westliche Betrachtungsweise hat, mit den Fonds des eigenen Landes nach Westen geht und über westliche Theorien und Methoden in seine eigenes Land blickt, ist viel praktischer. Die mit den Fonds des eigenen Lands nach Westen kommenden Menschen in den Bereichen zu Experten zu verwandeln, die der Westen benötigt, ist sehr clever. Es ist im ersten Blick keine sichtbares Bemühen, sondern eine feine, spezielle Arbeit. Rührt dieses Problem nur aus dem Land, in das gegangen wird? Nächte Woche werden wir über die schweren Folgen des Selbstorientalisierens zu sprechen kommen. Dass  das Problem nicht nur aus dem gegangenen Land herrührt, gar nur ein Bruchteil von westlichen Ländern verursacht wird, sollte schon vorab gesagt werden.



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