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Globale Perspektive (2018-44)

Entweder Untergang oder globale Gerechtigkeit

Globale Perspektive (2018-44)

Das 20. Jahrhundert ist ein Jahrhundert, in dem die Menschheit am meisten mit Brulatität konfrontiert war. In diesem Jahrhundert haben die Menschen nicht nur die blutigsten Kriege der Geschichte erlebt; es wurden auch zwei Atombomben abgeworfen. Die nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffene Ordnung, ist keine Friedensordnung, die von den Vorfällen Lehren zieht und  Kriege unnötig macht. Das Bretton Wooods System drückt  das internationale Geldsystem aus und machte den US-Dollar zu einem grundlegenden Währungssystem.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Sowohl das in den Zeiten des Kalten Kriegs verhältnismäßig gut gelaufene Bretton Woods System als auch die UN-Ordnung sind gegenwärtig am krachen. Der Machtverteilung zwischen den fünf ständigen  Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates USA, Russland, Großbritannien,  Frankreich und China ändert sich. Nach dem die zweipolige Welt zu Ende gegangen ist, versuchen die globalen Akteure mit unterschiedlichen globalen Kombinationen oder mit Koalitionen die bestehende Ordnung weiterzuführen. Wir alle haben gesehen, wie die nicht auf Gerechtigkeit beruhenden globalen Koalitionen im Irak, in Bosnien, auf der Krim, in Syrien in Arakan gebildet oder nicht gebildet oder aber zu spät gebildet wurden.

Da mit den Globalisierungsprozessen alles sichtbar und bekannt geworden ist, wächst die Kritik gegen die globale Ordnung, die eine Verlängerung der Zeiten des Kalten Kriegs ist, von Tag zu Tag immer weiter. In diesem Zusammenhang bringt Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zum Ausdruck, dass die Welt grösser als die „Fünf“ ist. Die globale Kommunikation und Informatik steigern den Aufwand für die Fortsetzung von geschlossenen Gesellschaften und für jede Art von Ungerechtigkeit mit jedem zunehmenden Tag. In einem globalen Umstand, in dem jede Information sehr leicht zugänglich ist und jede Art von Ungerechtigkeit offen gesehen werden kann, kann die Ordnung des Kalten Kriegs nicht weiter geführt werden. Wir erleben heute eine Zeit, in der der „alte Zustand“ unbekannt ist. An dem heute gelangten Punkt erleben wir einen Umstand, der wie folgt bezeichnet wird; „alter Stand ist unbekannt, entweder neuer Stand oder Niedergang.“ Richtig, der Aufwand für die Aufrechterhaltung des alten Stands wird immer grösser. Doch die globalen Akteure besitzen so viele chemische Waffen und Wasserstoffbomben wie nie zuvor in ihrer Geschichte,  mit denen sie nicht nur die Menschen, sondern alle Lebewesen vernichten können. Wie es heute Anzeichen dafür beobachtet werden können, ist die Zukunft der Welt bedroht, wenn eine unsichere politische Führung im Gange ist. In einer Zeit, in der der Kalte Krieg hinterfragt wird, doch der neue Umstand nicht geschaffen wird, sollten wir, um nicht mit einer neuen Gefahr des Untergangs durch diese die ganze Menschheit bedrohenden Waffen  konfrontiert zu werden und auf der anderen Seite dafür Sorge tragen, dass  die neue Ordnung nach den Zeiten des Kalten Kriegs Frieden und Wohl bringt, in allen Bereichen globale Koalitionen bilden. Denn sowohl die Gerechtigkeit als auch die Ungerechtigkeit sind ansteckend.

Die Suche nach der globalen Gerechtigkeit sollte man sich nicht nur auf der Ebene der Staaten  vorstellen. In einer Zeit, in der die Welt nach ihrer Zukunft sucht, sollte man sich auf jedem Niveau für die globale Gerechtigkeit bemühen. Akademiker, Unternehmerwelt, Berufsorganisationen, Gewerkschaften, Anwaltskammern, Think Tanks, Nichtregierungsorganisationen, Kreise aus Sport, Kunst und Literatur, Intellektuelle, Studentenorganisationen können unter einander ein Teil der globalen Gerechtigkeitskoalitionen werden. In diesem Sinne können sie ihre Aktivitäten zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Zusammenarbeit erhöhen und danach gemeinsam ihre Stimmen erheben. Früher in den Zeiten des Kalten Kriegs war es vor den Medien des Kalten Kriegs, wo es keinen Pluralismus gab, nicht möglich, nach Unterschieden zu suchen. Gegenwärtig machen hoch entwickelte Kommunikationsmittel möglich, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern kooperieren können. Wenn wir Studenten sind, gibt es überall genügend ausländische Studenten.  Wenn wir Unternehmer sind, heißt es, dass wir ohnehin auf globaler Ebene zusammenarbeiten. Wir sollten in allen Bereichen auf solchen Suchen sein. Während die Gefahr sehr nah, brütend und global ist, kann man keine globalen Ergebnisse erzielen, indem man lokal bleibt. Moslem, Christ, Jude, Atheist, Buddhist oder zu welchem Glauben wir uns auch immer bekennen, sollten wir an das Ausmaß des Risikos, mit denen wir konfrontiert sind, denken und bei der Suche nach globalen Gerechtigkeitskoalitionen uns für unsere Zukunft einsetzen. Von Zeit zu Zeit kann dies geschafft werden. Die gemeinsame Haltung der Länder gegen die einseitige Jerusalem-Entscheidung der USA, wie es sich im UN-Sicherheitsrat reflektiert hat, die weltweite Reaktion gegen die brutale Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Ksashoggi zeigt uns, dass die gemeinsame Haltung der Menschheit möglich ist und macht Hoffnung.

In ähnlicher Weise können themenbezogene globale Gerechtigkeitskoalitionen gebildet werden. Jerusalem, Arakan, Syrien, Menschenrechte, Islamphobie, Zusammenarbeit gegen Diskriminierung, Neo-Nazismus,  Faschismus, gemeinsame Haltung gegen chemische Rüstung und gegen den globalen Monopolismus sind einige dieser Themen. Wir sollten auf allen Ebenen die globale Ungerechtigkeit aufdecken und dagegen die globale Gerechtigkeit erzwingen. Welcher Religion, Sprache, Rasse oder Ideologie wir auch immer angehören, ist der Untergang unausweichlich, wenn wir nicht auf globaler Ebene den Gräuel verdammen.  Denn es ist nicht möglich, dass ein Staat, ein Kreis oder eine Gesellschaft allein die globalen Angriffe stoppt. Gegenwärtig erleben wir eine Zeit, in der die neue globale Ordnung noch nicht hergestellt worden ist. Die Welt lebt sozusagen in der Schwebe. Wir haben Chancen, eine noch gerechte Weltordnung zu schaffen. Die Menschheit sollte sich bis zum äußersten anstrengen, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn morgen die neue nicht auf Gerechtigkeit beruhende Weltordnung, wie die alte falsch aufgebaut wird und mit Bomben den jüngsten Tag erzwingt, kann es schon zu spät sein.



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