Türkei Agenda (2018-38)

Letzte Burg Idlib

Türkei Agenda (2018-38)

Eine Bewertung von Can Acun, Forscher der Stiftung für Politik, Wirtschaft und Gesellschaftsforschungen (SETA).

Das Assad-Regime hat mit russischer und syrischer Unterstützung viele Gebiete in Syrien mit militärischen Mitteln zurückerobert. Nach dem das syrische Militär die Opposition und Zivilbürger der Region aus Homs, Ghuta, Dara und anderen Regionen nach Idlib umgesiedelt hat ist Idlib die letzte Burg der militärischen und zivilen Opposition geworden. Vor dem Krieg zählte Idlib 700 Tausend Einwohner, nun wird diese Zahl auf 3 Millionen geschätzt. Idlib ist die letzte der vier Regionen, die im Rahmen des Astana-Prozesses als Deeskalations-Zone eingestuft wurde. Im Rahmen des Astana-Prozesses haben die türkischen Streitkräfte am Front-Verlauf 12 Beobachtungspunkte eingerichtet.  

Eine Militäroperation auf Idlib unter russischer und iranischer Mitwirkung beschäftigte seit geraumer Zeit die Agenda. Im Falle einer Militäroperation wird ein neuer Flüchtlingsstrom aus Idlib befürchtet. Millionen von Zivilbürger werden in die Türkei fliehen. Die Türkei, die ohnehin weltweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen hat, könnte eine neue Flüchtlingswelle nicht verkraften. Enstprechend sind die Anstrengungen der Türkei sehr groß, um eine neue Katastrophe zu verhindern. 

Das letzte Gipfeltreffen im Rahmen des Astana-Prozesses zwischen der Türkei, Russland und Iran fand in Teheran statt. Mit der Live-Sendung vom Teheraner-Gipfel konnte die ganze Welt die außergewöhnliche Anstrengung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan für ein Waffenstillstand und zur Verhinderung einer humanitären Katastrophe in Syrien live miterleben. Auch wenn beim Teheraner-Gipfel wegen der Einwände Russlands und des Irans kein Waffenstillstand erzielt werden konnte, wurde ein Aufruf zur Waffenniederlegung bewirkt. Dank der entschlossenen Haltung der Türkei konnte eine Militäroperation auf Idlib vorerst verhindert werden.

Für die Zukunft Idlibs gibt es alternative Szenarien. Russland und seine Verbündete drängen auf den Abzug der Türkei von den Beobachtungspunkten, damit die Türkei einer umfangreichen Operation auf Idlib zustimmt. Die Türkei jedoch bemüht sich um alternative Szenarien. Einer davon ist die Ausweitung des Einflusses der Türkei und der ihr nahestehenden militärischen Opposition sowie dem Abzug der Heyet Tahrir uş Şam und nahestehender Gruppen vom Norden in den Süden sowie der Eliminierung von Gruppen wie der Türkistan Islam Partei und der Hurasch ed Den.

Das beste Szenarium wird der Vorstoß der Türkei mit den ihr nahestehenden Gruppen ins Feld und die Bildung einer Sicherheitszone, einschließlich Idlib-Zentrum, um eine humanitäre Krise zu verhindern. Die Verhinderung der vollständigen Territoriumsenteignung der Opposition sowie einer humanitären Krise und Verhinderung einer Profitierung der Terrororganisation PKK/YPG  wird ein großer Erfolg sein. Im Rahmen einer Operation auf Idlib spielt der syrische Ableger der PKK eine aktive Rolle. Bekannt ist, dass die dem Iran angeschlossenen Milizen und die Hisbollah im Feld die Syrischen Demokratischen Kräfte ausbilden, die sich ebenfalls an einer Operation beteiligen wollen. Wenn sie ein Teil der Operation sein sollten, werden sie versuchen Afrin zurückzuerobern. Bekannt ist auch, dass bezüglich Tel Rıfat Truppen gebildet werden. In Anbetracht dieser Risiken muss die Türkei proaktiv handeln und darf vollendete Tatsachen keinesfalls akzeptieren.                    

 

 

 

 

 


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