Globale Perspektive (2018-35)

Reicht nur eine richtige Positionierung oder eine richtige Vision aus?

Globale Perspektive (2018-35)

In unseren vorherigen Artikeln hatten wir darauf hingewiesen, dass wir gegen die Fakten und Begriffen des Westens ohne in eine Niederlagen-Psychologie zu geraten, im Rahmen allgemeiner Prinzipien unserer Werte analytisch und selbstbewusst vorgehen müssen. Nun reichen eine richtige Positionierung und eine richtige Vision allein aus? Kann man mit einer richtigen Betrachtungsweise die Probleme lösen?

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Zweifelshone sind eine richtige Positionierung, eine Vision oder eine Perspektive bei der Lösung jedweden Problems und für das Erreichen von Zielen von grundsätzlicher Bedeutung. Wenn wir in die falsche Richtung gehen, ist es unmöglich, dass wir das richtige Ziel erreichen. Auf der anderen Seite ist ein verkehrtes Ziels genauso ein großes Problem wie eine Unkenntnis über das Ziel. Kein Wind hilft einem Schiff, wenn die Richtung nicht angegeben ist. Daher ist es unsinnig bei Prozessen, Fakten und Begriffen, mit denen wir im Leben konfrontiert sind, darüber zu diskutieren, dass man insbesondere eine richtige Positionierung und eine richtige Perspektive haben muss. Reicht aber eine richtige Positionierung allein aus? Das Thema sollte gesondert und detailliert behandelt werden.  Denn des Öfteren ist man der Annahme, dass nur gedankliche Diskussionen und intellektuelle Errungenschaften ausreichend sind.

Den intellektuellen Gesprächen in den Teehäusern innerhalb von kleinen Gruppen werden hohe Anforderungen gestellt. Können die Probleme der islamischen Welt nur mit einer richtigen Denkweise gelöst werden. Wie weit kann man mit dem Gedanken voranschreiten? Natürlich sind Gedanken wertvoll. Dass was die Geschichte der Menschheit mit der Zeit geändert hat, haben wir den Gedanken zu verdanken. Somit sind diese Gedanken nicht theoretischer Natur, sondern werden auch in die Praxis umgesetzt. Das was unser Leben verändert sind nicht unsere abstrakten Gedanken, sondern unsere in diesem Sinne gesetzten Schritte.

Wenn wir auch eine richtige Positionierung oder Vision haben, jedoch nicht darum bemüht sind mit dieser Vision etwas zu bewirken,  was kann denn alleine eine Vision ändern?  Wir können eine hervorragende Vision haben aber wenn wir faul sind, wird uns auch diese Vision nicht weiter helfen. Wenn wir denken, dass wir nur mit intellektuellen Diskussionen, mit nicht in die Tat umgesetzten und überheblichen Gedanken etwas verändern können, dann tun wir nichts weiter als uns selbst zu täuschen. Auf der anderen Seite ist es ein anderes Diskussionsthema, was wir für eine richtige Vision haben können, wenn wir vom Leben abgekapselt in Elfenbeintürmen leben.

Die von der Praxis fernen und auf Elfenbeintürmen erzeugten Gedanken führen des Öfteren zu Schäden. Leider ist die Geschichte überfüllt von diesen Beispielen. Eine vom Leben abgekapselte und alle Bereichen des Lebens in einem Zug erfassende Visionen können zu schrecklichen Ergebnissen führen. Daher kann eine richtige Positionierung oder Vision nur nach einer Lebenserfahrung hervorgebracht werden. Die Offenbarung des Islam ist auch so etwas. Der Islam kam nicht auf einmal, sondern hat sich meist mit konkreten Fällen innerhalb des Lebens entwickelt und vollendet.

Im Zusammenhang mit der zu zeigenden Haltung, der zu vollbringenden Leistung und des anzuschlagenden Weges sind wir trotz alledem nicht in einer sehr großen Ungewissheit. Die Grundprinzipien sind ohnehin bekannt. Gegenwärtig ist eines unserer größten Probleme, dass unsere Leistungen nicht im Einklang mit unseren Perspektiven und Diskursen sind. Zudem unsere Tatenlosigkeit trotz der Forderung unserer Diskurse. Wir sollten in Tätlichkeiten sein, die im Einklang damit sind, was wir sagen. Eigentlich besteht das Leben aus dem Glauben und dem Kampf (cehd). Als eine Ableitung vom „Cehd“ wird „Dschihad“ in unserem gegenwärtigen Leben selten gebraucht.

Auf der anderen Seite sollten wir was wir im Alltag auch machen, uns darum bemühen, für das noch Bessere zu kämpfen. Es reicht nicht aus, sich für das Beste auszusprechen. Dafür sollten wir mit unserer ganzen Kraft kämpfen. Wenn wir noch einmal zu der am Anfang gestellten Frage zurückkehren, ist eine richtige Perspektive die Grundvoraussetzung beim Erreichen eines Ziels. Denn eine falsche Vision oder eine falsche Positionierung kann uns vom Ziel ableiten und zu Katastrophe führen. Eine falsche Positionierung kann alle guten Absichten, wie gut sie auch sein mögen, zu Nichte machen. Jedoch kann eine richtige Vision oder eine Positionierung uns allein auch nicht weiter helfen. Wir sind der Annahme, dass die Vision selbst zum Ziel führt. Doch eine Vision führt nicht allein zum Ergebnis. Eine richtige Vision ist nur ein guter Anfang. Was zu einem Ergebnis führt, sind die mit einer richtigen Positionierung und einer zielgerichteten Perspektive gesetzten konkreten Schritte und die diesbezüglichen Leistungen. Nun, was ist unser Manko bei dieser Perspektive? Können wir unsere Probleme lösen, indem wir von unseren Fehlern absehen und uns nur auf die Fehler von anderen fixieren? Wenn wir nicht eine Kerze anzünden, kann dann infolgedessen eine Kritik an der Dunkelheit den Tag bringen? Es sind Themen eines anderen Artikels.



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