Öko-Politik (2018-34)

Abkommen zum Status des Kaspischen Meers

Öko-Politik (2018-34)

Eine Bewertung von Prof. Dr. Erdal Tanas KARAGÖL Lehrkraft der Wirtschaftswissenschaften an der politischen Fakultät der Yıldırım Beyazıt Universität.

 

Fast drei Jahrzehnte dauerte der Streit um das größte Binnengewässer der Erde. Nun einigten sich die fünf Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres darauf wie das kaspische Meer aufgeteilt werden soll. Das Abkommen gilt als historisch, da es dabei nicht nur um die Ausbeutung wertvoller Bodenschätze sondern auch um Einflusssphären geht. Was für ein Nachteil haben die Anrainerstaaten von diesen jahrelangen Streit gehabt und wie wird die zukünftige Energiepolitik am kaspischen Meer aussehen?

Die Anrainer des Kaspischen Meers mit einer Fläche von 371.000 km² sind im Norden Russland und Kasachstan, im Süden Iran, im Osten Turkmenistan und im Westen Aserbaidschan. Die Region ist vor allem wegen seiner Energiequellen von Bedeutung.

Die Energiereserven belaufen sich auf 50 Milliarden Fässer Erdöl und 9 Trillionen Kubikmeter Erdgas. Doch die Förderung dieser Quellen und der entsprechende Handel wurden wegen der Status-Frage behindert. Jedes Anrainerland hatte wegen der Status-Frage unterschiedliche Interpretationen bei der Bestimmung der Hoheitsgewässer. Denn eine Ankerkennung als Meer bringt andere juristische Bestimmungen und eine als See ganz andere, wodurch verschiedene Grenzverläufe im Gewässer entstanden.

Entsprechend hat jedes Land verständlicherweise den Ansatz beansprucht, der ihm die meisten Energiereserven versprach. Entsprechend konnte dieses Status-Problem jahrzehntelang nicht gelöst werden. In diesen Zeitraum haben die Anrainer mehr verloren als nur Zeit.     

Wie sieht die Lösung des Problems aus?

Laut Abkommen gehört zu jedem Anrainerstaat ein Hoheitsgewässer, das ab einer festgesetzten Basislinie 15 Seemeilen beträgt. Hinzu kommt eine Zone von weiteren zehn Seemeilen, die für die Fischerei bestimmt ist.  Zudem geht es um den Bau von Pipelines. So soll die geplante 700 Kilometer lange Trans-Caspian Oil Pipeline von Kuryk in der Nähe Aktaus nach Baku unter dem Seeboden verlaufen. Auch Turkmenistan will seine Energierohstoffe über Aserbaidschan nach Südeuropa liefern.

Kommen wir nun zu der Rolle der Türkei in der Region.

Die Türkei pflegt aus Gründen der Sicherung des Energiebedarfs mit den Anrainerstaaten des Kaspischen Meers positive Beziehungen. Auch wenn derzeit nur Aserbaidschan seine Energie-Reserven aus dem Kaspischen Meer exportiert so werden sich wohl in Zukunft in der Region neue Partnerschaften bilden. Der Erdgasförderung von Aserbaidschan nach Europa durch TANAP wird sich schon sehr bald Erdgas aus Turkmenistan anschließen. Die aktuelle Entwicklung dürfte den Wettbewerb in der kaspischen Region beflügeln.  

 

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