Kolumne von Staatspräsidiumssprecher in Daily Sabah

Das Opferfest: Annäherung an Gott und unseren Mitmenschen

Kolumne von Staatspräsidiumssprecher in Daily Sabah

 

Das Opferfest stellt eine Gelegenheit dar sich an das Wesentliche im Leben zu besinnen und und unsere Prioritäten richtig zu setzen. Es ist ein Segen um Gott und unseren Mitmenschen näher zu kommen.

In der Gegenwart begehen die Muslimen das Opferfest als Tag der Pilgerfahrt Hadsch, Opferbereitschaft und der Hingabe. An diesem Tag bewies der Prophet Ibrahim (Abraham) seine Hingabe zu Gott und wurde Vorbild für die kommenden Generationen. Es ist ein Tag der Freude, Feier und Besinnug.Allerdings müssen wir bei einem Blick auf die aktuelle Lage der islamischen Welt uns selbst fragen, ob wir den Herausforderungen gewachsen sind, denen sich einst der Prophet Ibrahim stellte.  

Der Hadsch (Pilgerfahrt) ist der höchste Akt der Hingabe, bei der die Gläubigen die Kaaba umkreisen, um über alles Kleinliche, Grundsätzliche und Selbstsüchtige hinauszugehen. Der Hadsch selbst stellt von Anfang bis Ende eine Prüfung dar. Beim Besteigen des Arafats durch die Pilger wird der Tag des Gerichts insziniert, wenn die gesamte Menschheit für ihre Handlungen auf dieser Welt Rechenschaft ablegen muss. Muslime beten fünf Mal am Tag und wenden sich in völliger Hingabe zu Gott in Richtung Kaaba zu. Aber die Besteigung des Arafats stellt eine noch größere Unterwerfung dar.

Das Eid al-Adha ist auch unter dem Namen Opferfest bekannt. Als der Prophet Ibrahim sich in seiner Hingabe zu Gott bereiterklärte seinen eignen Sohn zu opfern, sandte ihm Gott einen Widder.

Das Wort “Opfer” (Qurban) bedeutet aus dem Arabischen wörtlich übersetzt “nahe sein”, “näher kommen”. Mit der Aufopferung unserer Begierden sowie der Bekehrung vom Bösen und Unsittlichen gewinnen wir Gottes Nähe. Dies ist ein Zustand jenseits und über allen irdischen Begierden und Bereicherungen. Unser Geist wird damit tugenhafter und schöner, was wiederum den Schlüssel für eine lebenswertere Welt für die gesamte Menschheit darstellt.

Außerdem ist das Opferfest auch ein Anlass um sich zu sozialisieren. An den Festtagen erinnern sich die Menschen wieder daran, dass sie ganz gleich welcher sozialer Herkunft, Rasse und Hautfarbe, ob reich oder arm, vor Gott gleich sind. An diesen Tagen kommen die Menschen zusammen in dem sie ihr ganzes Hab und Gut teilen. Der Besuch von Verwandten und Nachbarn, die Vergabe von Speisen an Arme, der Besuch der Älteren und die Hilfe an Waise und bedürfigte Menschen sind vorbildhafte Verhalten während des Opferfests. Die spirtuelle Nähe zu Gott bringt die Menschen auf sozialer Ebene einander näher.  

So sollte es prinzipiell sein, aber wie es in der Wirklichkeit heute auf der islamische Welt umgesetzt wird, ist eine ganz andere Geschichte. Kriege, Konflikte, Armut, Unwissen, Korruption, Gewalt, regionale Rivalitäten, Ressourcenmissbrauch, plagen muslimische Gesellschaften von Ost nach West, von den Reichen zu den Armen. Um die islamische Welt ist es in der Gegenwart leider nicht so gut bestellt. Und wir müssen dieser Wahrheit unparteiisch und offen entgegenblicken.

Die Uneinigkeit der Herzen und des Verstands ist Hauptursache für soziale und politische Konflikte in vielen muslimischen Ländern. Externe Eingriffe und Manipulationen führen ebenfalls zu Schäden und zur Instabilität. Das kann niemand leugnen. Aber all diese Mächte haben nur soweit die muslimischen Gemeinden diese geduldet haben eine Rolle gespielt. Die muslimischen Gesellschaften sind gezwungen gegen Störensfriede von innen und von außen Maßnahmen zu ergreifen. Dabei dürfen sich mit der Schuldzuweisung ihrer Versäumnisse auf andere nicht genugtuen. Das führt lediglich zu einer intellektuellen Trägheit und zu moralischem Konformismus.

Der Mangel eines starken und weisen politischen Führers macht die islamische Welt gegen jegliche Angriffe und Manipulationen anfällig. Die Folgen sind unausweichliche Kriege und Gefecht, die sich vor unseren Augen ereignen. Die Jugend verliert ihre Hoffnung in die Zukunft und das wiederum bietet für gewalttätige radikale Organisationen eine hervorragende Grundlage, um diese für sich zu gewinnen. Bei einem Misserfolg von muslimischen Ländern, sei es im einzelnen oder im kollektiven Sinne, profitieren vor allem Terrororganisationen wie die Al Kaida oder DAESH davon. Solange muslimische Länder unfähig bleiben politische, wirtschaftliche und/oder gesellschaftliche Probleme zu überwinden, kann kein Erfolg gegen Terror und gewalttätige radikale Gruppierungen verbucht werden.

Trotz sämtlicher Herausforderungen bietet das Opferfest ein Anlass zum Feiern und der Besinnnung. Es ist eine Gelegenheit für uns, sich auf das Wesentliche im Leben zurückzubesinnen und unsere Prioritäten richtig zu setzen. Es ist ein Segen um Gott und unseren Mitmenschen näher zu kommen.



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