Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-34)

Die Nutzung der öffentliche Diplomatie in der zentralasiatischen Region als ein wichtiges Instrument der Außenpolitik

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-34)

Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Öffentliche Diplomatie wird in der zentralasiatischen Region als ein wichtiges Instrument der Außenpolitik verwendet. China betrachtet Zentralasien als eines der historischen Einflussgebiete. Zentralasien ist für China, dessen Energiebedarf rasch ansteigt, gleichzeitig aus der Perspektive der Sicherheitspolitiken von Bedeutung.

Es sieht danach aus, dass China und Russland im Zusammenhang mit der Shanghaier Kooperationsorganisation eine gemeinsame Zentralasien-Politik verfolgen. Aber beide Länder befinden sich in einer ernsten wirtschaftlichen Konkurrenz. Die von der Türkei verfolgte allgemeine regionale Politik, unterstützt unabhängige, politische, wirtschaftliche und stabile Politiken der Länder in der Region, die mit den Nachbarländern kooperieren, sich mit der internationalen Gesellschaft integrieren und sich für demokratische Werte einsetzen.

Die Türkei ist mit ihrer Politik zu einem wichtigen Partner der Länder in der Region geworden. Die Türkei konzentriert sich in der öffentlichen Diplomatie auf Hilfen in Kultur, Bildung, Medien und Entwicklung. Als erster Schritt in diesem Bereich wurde in 1993 die Internationale Organisation für die türkische Kultur, TÜRKSOY gegründet. Die Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan und Turkmenistan sind Mitgliedsstaaten von TÜRKSOY. Die Türkische Republik Nordzypern, sechs Autonomiegebiete der Russischen Föderation sowie die autonome Region Gagausien in Moldawien haben den Beobachterstatus bei TÜRKSOY.

China versucht seine Soft-Power in der Region aufzubauen. Zur Wahrung seiner Interessen benutzt China politische Instrumente wie die Shanghaier Kooperationsorganisation, Militärmanöver, den gemeinsamen Kampf gegen den Terror, den Grenzhandel, die Freihandelszone in Zentralasien sowie die moderne Seidenstraße. Während die von den Chinesen gebauten Erdgaspipelines die regionale Integration von Zentralasien unterstützen, haben sie keine direkte Bedrohung für die Souveränität der Länder in der Region dargestellt. Kasachstan und Turkmenistan konnten durch die Erdgas- und Erdölpipelines von China ihre Abhängigkeit an Moskau verringern. Ab 2020 wird China voraussichtlich zum größten Abnehmer von Erdöl und Erdgas aus Zentralasien werden. Kirgisistan wird eventuell mit der durch chinesisches Kapital gegründeten Raffinerie, das russische Monopol brechen.

China, das sich dem Begriff Öffentliche Diplomatie aus der Perspektive von Propaganda annähert, verfügt über den amtlichen Rat für chinesische Sprache, HAMBAN. Die Aktivitäten von HAMBAN werden über die Konfuzius Institute geführt. Diese Zentren für chinesische Sprache und Kultur vergeben gleichzeitig Stipendien und versuchen Studenten nach China anzulocken. Durch Austauschprogramme wird das Studium von über 150tausend Studenten aus dem Ausland genutzt, davon 75 Prozent aus dem asiatischen Raum. Mit der Gründung der Universität für internationale Beziehungen wurden für ausländische Diplomaten dreimonatige Bildungsprogramme gestartet um ein positives China-Image zu verbreiten.

Die Türkei, die den Beziehungen mit den Ländern in der Region eine besondere Bedeutung beimisst, hat seit 1992 tausende Studenten aus den Turkstaaten aufgenommen.  Zudem wurden die Yunus Emre Institute in Astana und Baku zu einem wichtigen Instrument der öffentlichen Diplomatie verwandelt. Das türkische Bildungsministerium verfügt in der Region über verschiedene Bildungseinrichtungen. Zusätzlich wurde die kirgisisch-türkische Manas Universität in 1997 in Bischkek ins Leben gerufen. Als erste gemeinsame Universität der Turkstaaten setzt die Ahmet Yesevi Universität ihre Aktivitäten in Kasachstan fort.

Die Aktivitäten zur Unterdrückung der in der chinesischen Autonomieregion Uigur lebenden Uiguren beschäftigt immer wieder die Tagesordnung der internationalen Medien. Außerdem wird behauptet, dass China den in dieser Region lebenden kasachischen und kirgisischen Minderheiten verschiedene Privilegien gewährt und somit zur Förderung der ethnischen Diskriminierung neigt. Die mit verschiedenen Stipendium-Programmen nach China eingeladenen Studenten aus Zentralasien werden schwerwiegend von Universitäten in der Uiguren-Provinz aufgenommen. Laut Behauptungen versucht China damit die Uigurische Identität zu minimieren, die wirtschaftliche Integration mit Zentralasien zu gewährleisten und die Infrastruktur für das Seidenstraßen-Projekt vorzubereiten. Ferner verwendet China zu Propagandazwecken die Internetseite TianshanNet in Türkisch, Russisch und Uigurisch.

Die Türkische Agentur für Zusammenarbeit und Entwicklung, TIKA führt in Kirgisien, Kasachstan und Turkmenistan umfangreiche Bildungsprojekte in Gesundheit, Forstwesen, Landwirtschaft und Viehzucht. Seit dem 21. März 2009 versucht TRT-Avaz mit Sendungen, die gemeinsame Stimme der Türkenwelt zu werden, die zu den wichtigen Investitionen der Türkei in der Region gehört. Die von der Stimme der Türkei ausgestrahlten Sendungen in Aserbaidschanisch, Kasachisch, Kirgisisch, Turkmenisch, Usbekisch, Tatarisch, und Uigurisch sowie deren Internetseiten bilden ebenfalls wichtige Instrumente der öffentlichen Diplomatie.

China, das in Kirgisien 15, Kasachstan 4, Usbekistan 2, Tadschikistan 1, Konfuzius Institute eröffnete, will auch mit Sendungen von Radio China in einheimischen Sprachen, die Region beeinflussen.

Wenn wir die Erfahrungen der Volksrepublik China und der Türkei unter die Lupe nehmen, kann erkannt werden, dass China direkt mit staatlichen Instrumenten in Zentralasien eine öffentliche Diplomatie verfolgt. Die Türkei hingegen ist darum bemüht, sich von seiner historischen Tradition zu ernähren und ein für sich eigenes Modell zu bilden.



Nachrichten zum Thema