Globale Perspektive (2018-34)

Quo Vadis USA?

Globale Perspektive (2018-34)

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara

Quo Vadis USA?

Wir haben uns in jüngster Zeit auf die angespannte Lage zwischen den USA und der Türkei wegen des Pastors Brunson intensiviert, der wegen Terrorunterstützung in der Türkei unter Hausarrest steht. Es gibt eine starke Tendenz dafür, diese Krise im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA zu betrachten. Die Diskussionen werden zum größten Teil aus dieser Perspektive geführt. Zweifelsohne gibt es gerechtfertigte Gründe dafür. Wenn auch seitens der USA an diesen Punkt gebrachte Krise, mit dem Kauf von S-400 Raketen aus Russland, der Reaktion der Türkei auf die Erklärung von Jerusalem als Hauptstadt von Israel und mit dem jüngsten Pastor-Fall in Zusammenhang gebracht wird, sieht die Türkei die Sache anders. Und zwar, dass die USA über die von der Türkei als eine Terrororganisation gesehene PKK/YPG einen Terrorstaat gründen will, der Verantwortliche des 15. Juli, der als der 11. September der Türkei gesehen wird, in seinem Luxus-Anwesen in den USA wohnt und trotz der ganzen von der Türkei gelieferten Dokumente gegen ihn nichts unternommen wird. Wie die Haltung der USA von der türkischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird, kann anhand des folgenden Beispiels gesehen werden: „Wie auch von der Öffentlichkeit der USA wahrgenommen wäre, wenn Osama bin Laden in einem Land aufgenommen wäre  und dieses Land sich darum bemühen würde, durch die Terrororganisation Al-Qaida an der Grenze zwischen den USA und Mexiko einen Terrorkorridor zu bilden, wird auch die Haltung der USA von der türkischen Öffentlichkeit genauso empfunden. Trotz nachvollziehbarer Gründe die Krise im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen den USA und der Türkei zu bewerten, sind Fehlbewertungen. Denn die USA sind nicht nur mit der Türkei in einer Krisensituation. Washington hat mit China, Russland sowie der EU und insbesondere mit Deutschland größere Krisen. Die USA haben sogar mit Mexiko und Kanada Probleme, was in der Geschichte nicht so oft geschieht.  Ganz zu schweigen von den dauerhaften Krisen mit dem Iran und Nordkorea. Daher ist nicht richtig, die Krise zwischen den USA und der Türkei im Zusammenhang mit den Beziehungen zwischen beiden Ländern zu bewerten.

Eigentlich scheint nicht richtig, diese Krisen nur mit der Trump-Führung in Verbindung zu setzen. Zweifelsohne gibt es Dinge, die auf Trump zurückzuführen sind. Doch den Grund für die Krisen der USA fast mit der ganzen Welt sollte man noch weiter in der Tiefe suchen. Diese können wie folgt erläutert werden: Einer der wichtigsten Gründe, vielleicht auch der wichtigste Grund für von den USA auf globaler Ebene verursachten Krise ist der, dass dieses Land von der Globalisierung nicht zu Genüge profitiert hat. Und weil die USA und ihre Firmen im globalen Wettbewerb hinterherhinken. Vom globalen Wettbewerb haben am meisten nicht die USA und EU, sondern China, Indien, Brasilien und die Türkei profitiert. Während im Zuge dieses Prozesses die US-Wirtschaft ein paar Mal kriselte, haben die oben erwähnten Länder ihr Bruttoinlandsprodukt um das Vielfache gesteigert. Es wird darüber heftig debattiert, dass die US-Hegemonie am Ende ist. Während ganz offensichtlich ist, dass die USA vom globalen Wettbewerb und freien Mart nicht genügend profitiert haben und der wichtigste Grund für den Zorn der USA das ist, sollten unsere Intellektuellen und Funktionäre ihre Gedanken in Bezug auf Globalisierung beenden. Sie sollten noch einmal die intellektuelle Bequemlichkeit, wonach die Globalisierungsprozesse den Industriestaaten noch mehr Beiträge leisten, die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer machen, überdenken. Da das Land von der Globalisierung nicht genug gewonnen hat, steuert die Trump-Führung auf den Gegensatz der freien Marktwirtschaft, auf die Politik vor der Globalisierung zu. Steigende Steuern, erhöhten Zölle und der Rückruf des ins Ausland geflüchteten Kapitals und der Firmen sind Reflexionen dieser Politik. Während diese den Welthandel einengen, sind es Schritte die mit anderen Ländern auch die USA zu Verlusten führen werden. Den meisten Schaden wird der Endverbraucher tragen. Denn mit hohen Steuern und Zöllen werden auch die Warenpreise steigen. Der zweite Grund ist wie wir vergangene Woche erwähnt haben der steigende Einfluss von religiösen Gruppen, Gemeinden und Sekten in der US-Führung. Wie bei der Entscheidung im Zusammenhang mit Jerusalem und Pastor Brunson können einige irrationale Beschlüsse der US-Führung nicht anders erklärt werden. Wir sollten noch einmal in Erinnerung rufen, dass Vizepräsident Mike Pence und Sohn-Bush Evangelikale waren. Als ein weiterer Grund kann die Führungskrise genannt werden, in die die USA geraten sind. Es kommt vor, dass in vielen Fällen Pentagon, das Weiße Haus und das Auswärtige Amt anders denken. Die Reaktionen und Erwartungen unterschiedlicher Koalitionen in der US-Gesellschaft fordern die US-Führung heraus.

Es wird gesagt, dass der Grund für das bockige Verhalten der Trump-Führung, die im Zusammenhang mit diesen Koalitionen zur Sprache gebrachte Amtsenthebung von Trump ist. Wie sollte im Zusammenhang mit der Krise zwischen den USA und der Türkei über den Beziehungen zwischen den beiden Ländern hinaus vorgegangen werden?  Zweifelsohne hat die Sache die Türkei, USA, und andere Länder und die ganze Menschheit interessierende Dimensionen. Aus der Perspektive der von den USA angewandten Politik betrachtet,  wird es wieder zu geschlossen Wirtschaften führen, die Zölle erhöhen und die freie Marktwirtschaft einengen, was allen Ländern und Individuen schaden wird. Die von den USA gegen den Aufstieg Pekings entwickelte Politik kann teilweise nachvollzogen werden. Doch die Welthandelsorganisation (WTO), Weltbank sowie die sich für Freihandel, Freizügigkeit einsetzenden internationalen Institution sollten gegen diese Politik sich gemeinsam widersetzen, die jedem schaden würden. Dass die USA die Spielregeln nicht beachten, bedroht alle Länder. Wohin im 2.Weltkrieg radikale Strömungen wie Nazismus und Faschismus und heute im Nahen Osten radikale religiöse Gruppierungen ihre Ländern und die Welt führen ist offensichtlich.

Dass in ähnlicher Weise die US-Führung, unter den Einfluss des auch als zionistisches Christentum bekannten Evangelikalismus gerät, wird der Menschheit nichts Gutes bringen. Den freiheitlichen, pluralistischen und liberalen Kreisen in den USA ist die Gefahr bewusst. Der Kampf dieser Kreise für Rationalität, Freiheit und Pluralismus ist für die Menschheit von großer Bedeutung. Die Länder können zeitweise in gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische oder kulturelle Krisen geraten. In diesen Situationen braucht man visionäre Staatsmänner, die die Länder aus diesen Situationen retten.  Die Trump-Führung macht in diesem Thema nicht allzu große Hoffnungen. Was noch schlimmer ist, dass die Trump-Führung nicht dabei allein ist. Viele europäische Länder werden von visionslosen Staats- und Regierungschefs geführt. Verlieren wir nicht unsere Hoffnung. Doch die Welt und die globale Politik verspricht leider keine sonnigen Tage.



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