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Globale Perspektive (2018-32)

Evangelikalismus: Gott zum jüngsten Tag zwingen und die Menschheit in eine Katastrophe hineinreiten.

Globale Perspektive (2018-32)

In jüngster Zeit diskutieren wir in der türkischen Politik wegen des von FETÖ vermachten tödlichen Erbes intensiv die Beziehungen zwischen Staat und Religion. Des Öfteren denken wir, dass die Begriffe in den Ländern, in denen wir leben, nur für uns gelten, weshalb wir auch nörgeln. Die Sanktionen der USA wegen Pastor Brunson haben noch einmal gezeigt, dass dem nicht so ist.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Vor den Vorwürfen gegen den Pastor Andrew Brunson nach dem 15. Juli, wusste die türkische Öffentlichkeit nicht, dass dieser Geistliche in der Türkei seit Jahrzehnten Missionarsarbeiten führt. Die Sanktionen der USA gegen die Türkei wegen der mit dem Vorwurf der Unterstützung für PKK und FETÖ in Haft sitzenden Bruson haben dazu geführt, dass wir über die Beziehungen zwischen dem Staat und der Religion in den USA denken.  Wenn das seitens der USA im Zusammenhang mit der Glaubensfreiheit definiert wird, zwingt dieser Umstand, dass wir über die Beziehungen zwischen dem Staat und der Religion in den USA nachdenken. Ansonsten können wir die Gepflogenheiten und die Souveränitäten anderer Länder ignorierenden Erklärungen nicht nachvollziehen.

Eigentlich ist es nicht zu kritisieren, dass in einem Land die Beziehungen zwischen dem Staat und der Religion harmonisch sind. Ganz im Gegenteil kann dieser Umstand im Zusammenhang mit den Glaubensfreiheiten sehr positiv sein. Denn noch vor kurzem wurden die USA,  die von den vor den Guillotinen  in Europa, religiösem Fanatismus flüchtenden Menschen gegründet wurden, als ein Land gesehen, in dem der Glaube am freisten ausgelebt wurde. Über die harmonischen Beziehungen zwischen Staat und Religion hinaus kann auch nicht ein Staat nicht allein deswegen kritisiert werden, dass es ein Gottesstaat ist. Der Staat einer Religion, der die Unterschiede und die Religion als Pluralismus toleriert, kann hinsichtlich der Freiheiten und Menschenrechte kein Problem darstellen. So ein Umstand kann sogar die imperialistischen Intentionen von Ländern zügeln. Das konkreteste Beispiel dafür, wo die Religion Einfluss hatte, ist das osmanische Reich. Was abgelehnt werden sollte ist nicht, dass die Religionen mit den Staaten auf der Grundlage von Grundrechten und Freiheiten harmonische Beziehungen haben, sondern dass ein Staat die Religion für seine imperialistischen Interessen instrumentalisiert. Auch im Umkehrschluss, also dass eine Religion einen Staat, ohne ein Prinzip, Wert oder eine Einschränkung gemäß ihrer Interessen instrumentalisiert, sollte man ebenso ablehnen. Für die ganz verkehrte Positionierung bei den Beziehungen zwischen Staat und Religion, kann als ein Religionsstaat Israel oder als eine Staatsreligion der Zionismus als Beispiel gegeben werden. Die seit Jahrhunderten im Nahen Osten zusammenlebenden Muslime, Christen und Juden sind unter der israelischen Führung so weit gebracht worden, dass sie nicht mehr zusammenleben können. Wenn wir noch zu USA zurückkehren; es wird gesagt, dass US-Vizepräsident Mike Pence, der sich so stark dafür einsetzt, dass gegen die Türkei Sanktionen verhängt wird, der gleichen Religion wie Pastor Brunson angehört, also ein Evangelikale ist.

Es wird gesagt, dass die Evangelikalen in der Gesellschaft, Politik und Bürokratie der USA sehr einflussreich sind, in den USA sich etwa 90 Millionen Evangelikale befinden und die früheren Präsidenten Reagan und Sohn Bush auch Evangelikale waren. So wird offensichtlich, dass der Fall Brunson nicht mit der Türkei, sondern mit den USA und dem Evangelikalismus zu tun hat.

Nun, was ist Evangelikalismus?

Was in diesem Thema als erstes gesagt werden sollte, ist, dass Evangelikalismus nicht Orthodox oder Katholisch sondern eine religiöse Auslegung oder eine Sekte innerhalb des Protestantismus ist. Weiterhin wird gesagt, dass er im 19. Jahrhundert begonnen hat, sich zu unterscheiden. Als Begriffsdefinition bedeutet Evangelikalismus sich „dem heiligen Buch wenden.“ Als heiliges Buch wird dabei nicht das Neue, sondern auch das Alte Testament bezeichnet. Laut der neuen Auslegung des Protestantismus wird beim Untergang der Welt, das Christentum über die ganze Welt herrschen und danach wird der jüngste Tag kommen. Jedoch kann dieser Umstand in seinem normalen Verlauf lange dauern. Daher sollte dieser Prozess den Evangelikalen zufolge beschleunigt werden. Der wichtigste Punkt, der die Evangelikalen von anderen Christen unterscheidet ist der, dass sie auch ein Anrecht auf die an Juden versprochenen Erden haben und für die Eroberung dieser Erden sie die Christen sie unterstützen müssen. Wie der Gast von der Stimme der Türkei in dieser Woche beim Programm „Çeşmi Cihan“ Doz. Dr. Özcan Güngör darauf hinweist, sollte in sieben Etappen der Prozess beschleunigt werden, damit die Evangelikalen über die Welt herrschen. Als erstes werden die Juden auf die palästinensische Territorien zurückkehren, was zum größten Teil geschehen ist. Die  zweite Etappe ist die Gründung des Staates „Groß Israel“, der auch einige Teile der Türkei miteinbezieht. Dass die USA im Nahen Osten Israel bedingungslos unterstützen, trotz Reaktionen aus der ganzen Welt und des auf sich allein lassens bei den Vereinten Nationen Jerusalem als Hauptstadt von Israel anerkennen, hat laut einigen Kreisen mit dem Einfluss der Evangelikalen in der Politik der USA zu tun. In der Tat scheint es unmöglich, diese Schritte auf eine rationale Grundlage zu bringen. Die dritte Etappe ist, dass die Botschaft des Neuen Testaments auf die ganze Welt verbreitet wird.

Es scheint so, dass Pastor Brunson sich seit mehr als 10 Jahren zu diesem Zweck in der Türkei aufhält. Nicht nur in der Türkei, es ist bekannt, dass die Evangelikalen in zahlreichen Ländern, darunter überwiegend in muslimischen Ländern intensive Missionarsarbeiten führen und insbesondere sie Millionen von Menschen in Afrika christianisiert haben. Die vierte Etappe ist die Katastrophen-Zeit, die sieben Jahre dauern soll. In der fünften Etappe wird Christus auferstehen. In der sechsten Etappe wird es unter der Herrschaft von Evangelikalen ein Armageddon stattfinden und auf der Welt wird es zwischen den Bösen und Guten ein tödlicher Weltkrieg sein. Am Ende werden die Guten gewinnen. Doch weil nach diesem Krieg die Evangelikalen herrschen werden, sollte dieser Krieg so schnell wie möglich ausbrechen und daher sollte Israel expandiert werden. In der letzten und siebten Etappe werden die Christen die Weltherrschaft erlangen und es wird zum jüngsten Tag kommen. Wie man sieht decken sich die Ziele des Evangelikalismus bis zur siebten Etappe mit denen des Zionismus. Daher werden die Evangelikalen als auch die „Zionistischen Christen“ bezeichnet. Im Grunde war im 19. Jahrhundert das Judentum, wie der Islam und das Christentum eine der monotheistischen Religionen. Die zionistischen Juden, vor allem Theodor Herlz haben erst das Judentum umgewandelt. Heute gibt es sehr viele Juden, die das zionistische Judentum ablehnen. Die Bemühungen für die Errichtung eines mit dem Zionismus harmonischen Islams in der Türkei und in einigen muslimischen Ländern sind bekannt. Begriffe wie „Dialog zwischen den Religionen“ deuten auf diese Bemühungen, die nicht mit dem Islam zu tun haben und abartig sind. Auch sie sagen wie die Evangelikalen, dass Israel das an  die  Juden versprochene Territorium ist. Davon auszugehen, dass aus dem Christen sich selbstständig ein mit dem Zionismus harmonische Glaube entwickelt hat, scheint wegen den religiösen Unterschieden und historischen Konflikten nicht möglich. Dass dieser Wandel eine zionistische Bemühung ist, scheint offensichtlich.

Es gibt sehr viele Christen, die gegen das zionistische Christentum (Evangelikalismus) sind. Die ablehnende Haltung des katholischen Oberhaupts gegen die Erklärung von Jerusalem zur Hauptstadt ist bekannt. In ähnlicher Weise denken auch die Orthodoxen nicht wie die Evangelikalen und stellen sich gar wegen des Drucks seitens Israels, an die Seite von Muslimen. Es steht nicht dem Menschen zu, Gott zum jüngsten Tag zu zwingen. Doch es ist offensichtlich, dass die Menschheit in den Abgrund geführt wird. Man sollte gegen jede zionistische Bemühung sein, die durch Veränderung der Gene der Religionen, die ganze Menschheit in eine Katastrophe hineinreiten kann. Das kann nur durch die Kooperation zwischen den Juden, Christen und Muslimen, deren Gene nicht verändert worden sind, möglich sein.


Keyword: USA , Bruson , Pastor , Evangelikale

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