Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-29)

Die Türkische Republik hat im Kampf gegen den Terror nach der Operation in Afrin ihren Fokus auf die syrische Region Manbidsch gerichtet.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-29)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Die Türkische Republik hat im Kampf gegen den Terror nach der Operation in Afrin ihren Fokus auf die syrische Region Manbidsch gerichtet. Ankara und Washington verständigten sich auf eine Übereinkunft. Heute wollen wir die Entwicklungen in Manbidsch unter die Lupe nehmen.

Manbidsch, ist ein Ort im Gouvernement von Aleppo. Der Ort liegt 35 Kilometer vom Euphrat und 40 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Er ist das wichtigste Siedlungsgebiet im Osten Aleppos.  Sowohl in Hinblick auf die Bevölkerungszahl als auch auf die Flächengröße ist Manbidsch von großer Bedeutung. Außerdem kommt Manbidsch aus wirtschaftlicher Hinsicht mit Blick auf die Bodenschätze und Produktion als Handelszentrum zwischen Rakka und Aleppo eine große Bedeutung bei. Der Wasser- und Strombedarf der Region wird über Manbidsch gedeckt. Wer Manbidsch kontrolliert, kontrolliert auch die Wirtschaft, Bodenschätze und den Handel zwischen Rakka und Aleppo.

Manbidsch unterstützte die Volksausschreitungen in Syrien seit ihrem Ausbruch in 2011. Am 17. Juli 2012 fiel die Region unter oppositionelle Kontrolle. Die DAESH fasste im April 2013 Fuss in der Region.  Zu Beginn zeichneten sich kleinere Zusammenstöße zwischen den Oppositionellen in Manbidsch und der DAESH ab. Mit der Zunahme der Reaktionen der Bevölkerung gegen die DAESH einigten sich Gruppen in Manbidsch Anfang 2014 auf eine Bekämpfung der DAESH. Die Opposition vertrieb im Januar 2014 die Terrormiliz DAESH aus Manbidsch. Für 15 Tage blieb die Region unter oppositioneller Kontrolle. Anschließend griff die DAESH Manbidsch erneut an und rieß am 21. Januar 2014 die Kontrolle über die Region an sich. Danach wurde Manbidsch von der US-unterstützten YPG/SDG erobert.

Bei einem Blick auf die demographische Struktur von Manbidsch im historischen Sinne ist eine heterogene Eigenschaft der Region festzuhalten. Aber mit den Änderungen in der Bevölkerungsstruktur in den letzten 50 Jahren fällt die Region mit ihrer sunnitisch-arabische Identität auf. Die Bevölkerungszahl gegen Ende 2017 lag Schätzungen zufolge bei 600.000. Laut den Zahlen von Einheimischen, die derzeit nicht mehr in der Region leben, wird Manbidsch derzeit zu 90 Prozent von Arabern, zu fünf Prozent von Kurden, zu vier Prozent von Turkmenen und zu einem Prozent von Tscherkessen bewohnt.  

Die Turkmenen-Dörfer liegen nördlich des Stadtzentrums von Manbidsch. Hier befinden sich acht turkmenische Dörfer. Im Stadtzentrum machen die Turkmenen einen Anteil von vier bis fünf Prozent aus. Die Turkmenen in Manbidsch leben als Großfamilien, aber die Araber betrachten sie als Volkstamm.

Unter der Besatzung der Terrormiliz strebte das Volk eine Befreiung von der DAESH an. Aus diesem Grund war die PKK/YPG bei einem Vormarsch in die Region mit einem ernsten Widerstand konfrontiert. Aber mit der Zeit kam es zu einem Wandel bei der Bevölkerung bezüglich der PKK. Dazu führten der zunehmende Druck der PKK und die Bevorzugung der kurdischen Bevölkerung. Ein weiterer Grund indessen waren die Probleme bei der Gewährleistung grundlegender Dienstleistungen.

Die PKK/YPG führte an strategischen Punkten in Manbidsch eine Zwangsumsiedlung durch und in diesem Zusammenhang wurden Viertel durch die PKK belagert. Vor allem der arabische und turkmenische Teil der Bevölkerung war Problemen ausgesetzt. Bewohnern von Manbidsch, die die politischen Interessen der Türkei und das Gebiet der Operation „Schutzschild Euphrat“ unterstützten, wurde das Eigentum von Verwandten beschlagnahmt. Zum Beispiel wurde das Eigentum des Präsidenten des Parlaments der Turkmenen in Syrien, Dr. Vecih Cuma, der aus einer einflussreichen Familie stammt, und seiner Familie von der PKK/YPG beschlagnahmt. 

Tatsache ist, dass sich die PKK aus Manbidsch nicht abziehen möchte. In diesem Sinne wurde auch der Name von Manbidsch in Mabuk unbenannt. Allerdings ist sich die PKK auch bewusst, dass sie ohne den Schutz der USA nicht in Manbidsch bleiben kann. So erhöhte auch die Türkei den Druck auf Manbidsch. Dieser Druck führte dazu, dass Washington im Thema Manbidsch eine Vereinbarung mit Ankara, als ein Partner der Nato, treffen muss. Diese Bemühungen führten im Juni 2018 zu ersten Ergebnissen. Die Türkei und die USA verständigten sich auf einen Fahrplan bezüglich Manbidsch. Dieser sieht einen Abzug der PKK/YPG aus Manbidsch, eine gemeinsame Kontrolle durch amerikanische und türkische Soldaten, die Errichtung eines zivilen Rates für Manbidsch und eine Rückkehr der Vertriebenen vor.

Außerdem verständigten sich die Türkei und die USA auf die Anwendung des Manbidsch-Modells auf das Gebiet östlich des Euphrats.

Die Türkei ist sich dessen bewusst, dass die Übereinkunft mit den USA und die Lage Vorort ernste Unterschiede vorweisen. Aber die in der Gegenwart gesetzten begrenzten Schritte werden vorübergehend als ein Teil des Übergangsprozess betrachtet. Das ist ein richtiger Zug, da auch diese begrenzten Schritte ihre Wirkung zeigen.  

Ganz gleich, was die Zukunft bringen wird, ein vorzeitiges Ende der Türkei im Kampf gegen die separatistische Terrororganisation ist nicht zu erwarten. Bei Konflikten während der Umsetzung des Plans in Manbidsch und im östlichen Teil des Euphrats könnten die Türkei und die USA miteinander konfrontiert werden. In solch einem Fall wird die Türkei selbst eine Lösung finden müssen. Die Türkei könnte für die Befreiung Manbidschs und des östlichen Euphrats von der PKK gezwungen sein noch mehr Energie, Zeit und Quellen zu nutzen. Aber dieser Umstand wird höchstwahrscheinlich keinen Einfluss auf die Entschlossenheit der Türkei im Kampf gegen Terror haben. So hatte das die Türkei der ganzen Welt mit der Operation „Olivenzweig“ in der syrischen Afrin-Region gezeigt.  



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