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Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-25)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-25)

 

Aufgrund des Bürgerkriegs im Libanon und der Instabilität in der Region ist es beim Stillstand bei den Beziehungen zwischen der Türkei und dem Libanon Anfang der Jahrhundertwende zu einem Wandel gekommen. Ein wichtiger Faktor bei sen bilateralen Beziehungen sind in dieser Hinsicht die Turkmenen im Libanon. Heute werden wir die türkisch-libanesischen Beziehungen bewerten und einen Blick auf die Turkmenen im Libanon werfen.

        Aufgrund des Bürgerkriegs im Libanon und der Instabilität in der Region ist es beim Stillstand bei den Beziehungen zwischen der Türkei und dem Libanon Anfang der Jahrhundertwende zu einem Wandel gekommen. Der verstorbene libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri hatte mit seinem Türkei-Besuch in 2004 den Ausbau der bilateralen Beziehungen beschleunigt und eine Stärkung vorangetrieben.

Nach dem Krieg zwischen Israel und dem Libanon in 2006 leistete die Türkei für einen schnellen Wiederaufbau des Landes eine Unterstützung. Außerdem übernahm die Türkei nach der Doha-Übereinkunft in 2008 eine konstruktive Rolle für das Ende der politischen Krise.  Ferner unterstütze Ankara die Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon UNIFIL. Für die Aufklärung des Mordanschlags auf Ministerpräsident Hariri leistete die Türkei einen finanziellen Beitrag an das libanesische Sondergericht, das im Zuge eines Beschlusses des UN-Sicherheitsrates gegründet wurde.

Die gegenseitige Aufhebung des Visapflicht zwischen beiden Ländern in 2010 ermöglichte ebenfalls eine Annäherung der Türken mit den Libanesen und umgekehrt. Das am 23. März 2012 in Beirut eröffnete Yunus Emre Kulturzentrum leistet indessen für die Bekanntmachung der türkischen Sprache und der kulturellen Werte der Türkei und der Turkmenen einen großen Beitrag in dem Land.

Ein wichtiger Faktor bei den bilateralen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Libanon sind die Türken im Libanon. Die Präsenz der Türken im Libanon geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Aber die Türkische Republik wurde offiziel über die Existenz der Türken im Libanon in 1989 in Kenntnis gesetzt. Der Kommandant des Turkmenen Halit Esad bemerkte während einer Mission in 1989, dass der Offizier in der libanesischen Armee Türkisch sprach. Mit der Kontaktaufnahme von Halit Esad mit der Türkischen Botschaft wurde der erste Schritt gesetzt. Bei dem Gespräch von Esad mit dem Türkischen Botschafter von Beirut Ibrahim Dicleli sagte er, er sei ein Turkmene aus dem Dorf Kavaşra. Daraufhin besuchte der Botschafter das Dorf. Aufgrund der Bürgerkriegs im Libanon zu jenen Zeiten erhält der Botschafter auf seiner Rückreise Schutz von Turkmenen, die ihn bis nach Tripolis begleitet.

Nach dieser ersten Bekanntschaft wurde es zur Tradition, dass der neu ernannte Botschafter in Beirut die zwei Turkmenen-Dörfer im Akkar-Gebiet besucht. Lange Zeit dachte man, dass die Libanon-Turkmenen lediglich im Akkar-Gebiet leben. Auf Hinweis der Bewohner von Kavasra wurde in 2007 auch Kontakt mit Turkmenen in Baalbek und in 2011 in Dinnije aufgenommen.       

Gegenwärtig können wir die türkische Präsenz und das osmanische Erbe im Libanon in acht Kapiteln untersuchen: die Akkar-Turkmenen, die Baalbek-Turkmenen, die Dinnije-Turkmenen, die Kreta-Turkmenen, die im Libanon lebenden Staatsbürger der Türkischen Republik, die Familien mit Wurzeln in Anatolien haben sowie die Syrien-Turkmenen und die Tscherkessen.

         Akkar befindet sich im Norden des Libanons. In der Region gibt es zwei Turkmenen-Dörfer, Kavasra und Aydamun. Kavasra kommt eine besondere Bedeutung bei, da die türkische Sprach in dem Dorf erhalten geblieben ist und es das erste Dorf war, welches den Kontakt mit der Türkei aufnahm. Hier leben rund 3.000 Einwohner und das sind ausschließlich Turkmenen. In Aydamun leben 5.000 Einwohner, darunter 3.500 Turkemen. In der angrenzenden Ortschaft Masta Hasan leben 350 Turkmenen von ingesamt 5.000 Einwohnern und in al-Dibbabiye leben 50 Turkmenen mit einer Einwohnerzahl von etwa 5.000.In Akkar leben mehr als 7.000 Turkmenen.

Die Bekanntschaft zwischen den Baalbek-Türkmenen mit der Türkei ist auf die Akkar-Turkmenen zurückzuführen, die in 2007 eine türkische Delegation in die Ortschaft führte. Die Turkemen in dem Gebiet leben in fünf Turkmenen-Dörfern und in einem Dorf in der Nähe von Hermel.   

In Duris leben etwa 700, in Şeymiye etwa 1.200, in Nananiye etwa 900, Hadidiye etwa 600,  in Maşari Al Kaa etwa 500 und in Baalbek etwa 4.000 Türkmenen.

Die Bekanntschaft mit den Turkmenen in Dinniye wurde nach der Bekanntschaft mit den Turkmenen in Baalbak in 2011 geschlossen. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste die Türkei von der Existenz der Dinnije-Turkmenen nichts. In Dinnije und Havvara leben etwa jeweils 600 Turkmenen und in Gurhayye ca. 100 Turkmenen.

Gegenwärtig leben schätzungsweise 10.000 Kreta-Türken im Libanon. Ferner leben etwa 50.000 türkische Staatsbürger in Beirut, die sich aus wirtschaftlichen Gründen dort niedergelassen haben. Zudem befinden zahlreiche Großfamilien in Tripolis und Akkar, die seit der osmanischen Herrschaftszeit dort leben. Allein in Tripolis gibt es 200 Familien mit dem Nachnamen „Türkmani“, die miteinander verwandt sind. Die von der Türkmani-Familie gegründete „Libanesische Türkmani-Gemeinschaft“ setzt auch heute noch ihre Aktivitäten fort. Auch die nach dem osmanisch-russischen Krieg (1877-1878) in den Nahen Osten umgesiedelten Tscherkessen haben ihre Bande zur Türkei nicht abgebrochen.   

Wegen dem Bürgerkrieg in Syrien sind zahlreiche syrische Turkmenen in den Libanon geflüchtet. Die Turkmenen in Aleppo und Latakia hingegen flüchteten in die nahe gelegene Türkei. Die Turkmenen in Homs und Tartus dagegen suchten Schutz bei den Turkmenen in Akkar und Baalbek, die geographisch in der Nähe liegen und mit denen auch Verwandtschaft besteht. Tausende Turkmenen flüchteten in die Turkmenen-Regionen Akkar und Baalbek. Außerdem flohen eine nennenswerte Anzahl von Turkmenen aus Damaskus nach Beirut und Tripolis.

            Der Wendepunkt der Anschauung gegenüber den Libanon-Turkmenen war die Rede in der Nähe von Kavasra am Rande des Libanon-Besuchs von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in 2010. Dabei wurde die Unterstützung der Türkei für die Turkmenen im Libanon bekräftigt, was die Position und das Ansehen der Turkmenen positiv beeinflusste. Das in 2013 in Beirut eröffnete Yunus Emre Kulturzentrum und das in 2014 eröffnete TIKA-Libanon-Büro spielten für das steigende Interesse und Hilfen für die Turkmenen ein wichtige Rolle. Auch wenn sich die Lage der Turkmenen im Libanon verbesserte, haben sie immer noch keinen politischen Vertreter oder eine einflussreiche Nichtregierungsorganisation. In naher Zukunft müssen diesbezügliche Arbeiten unbedingt fortgesetzt werden.  



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