Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-24)

Die Entscheidung der Türkei für die russischen Luftverteidigungssysteme S-400.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-24)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek, Lehrkraft an der Atatürk Universität.

Die Entscheidung der Türkei für den Erwerb von russischen S-400 Luftverteidigungssystemen zur Stärkung der Luftverteidigungskapazität der Türkischen Republik wird von der Öffentlichkeit im In- und Ausland diskutiert. In der heutigen Folge unserer Sendereihe wollen wir im Lichte dieser Diskussionen die Arbeiten der Türkei für Luftverteidigungssysteme erörtern.

Die Türkische Republik festigt mit militärischen und diplomatischen Zügen ihre Position als regionale Macht. Langfristig betrachtet, verzeichnet sie auf diesem Weg wichtige Fortschritte. Zur Beschleunigung dieser Fortschritte, Stärkung und Nationalisierung der Verteidigungsindustrie unternimmt die Türkei seit langen Jahren verschiedene Initiativen. Die Verwandlung des Chaos und der Unruhen in Syrien in einen Bürgerkrieg, die Existenz von Terrororganisationen wie DEASH und PKK im Irak und in Syrien, haben die Türkei dazu bewegt, diese Aktivitäten zu beschleunigen.

Wegen der hohen Risiken in den Nachbarländern hat die Türkei keine andere Chance, gegen Raketensysteme und chemische Waffen, Maßnahmen zu treffen. Besonders diese Bedenken spielen bei der Bestimmung der Irak- und Syrien-Politik der Türkei eine wichtige Rolle. Hinter dem Gedanken der Revidierung der Syrien-Politik, sowie der Einstellung gegenüber den USA im Thema PKK-YPG sowie der Zusammenarbeit mit Russland verbirgt sich dieselbe Sorge.

Die Obama-Verwaltung hat im Thema Syrien, gegenüber der Türkei eine Position an der Seite von PKK-PYD-YPG eingenommen. Die US-Administration unter Donald Trump hält an dieser Einstellung fest. Vorrangiger Grund für eine Zusammenarbeit der Türkei mit Russland in den Bereichen Militär und Wirtschaft ist die Einstellung der USA.

Obwohl die Türkei als NATO-Mitglied von Raketen bedroht wird, wurden die Raketenabwehrsysteme Patriot viel zu spät in der Türkei stationiert. Außer Spanien haben die anderen Länder bei erster Gelegenheit ihre Batterien aus der Türkei abgezogen. Heutzutage verfügt die Terrororganisation PKK-PYD-YPG über leichte und schwere Waffen, deren Herkunft die NATO ist. Terroristen haben Mitten in Istanbul Sprengsätze verwendet, die sich im Inventar der NATO befanden. Der Westen hat gegenüber dem blutigen Putschversuch vom 15. Juli nichts unternommen. All diese Ereignisse haben die Türkei zu neuen Alternativen bewegt.

Auf regionaler Ebene betrachtet, hat die Luftverteidigung der Türkei Risiken. Bis Anfang der 2000er Jahre hat die Türkei für ihre Luftverteidigung die Langstreckenrakete von Nice Hercules verwendet, die zwar gegenüber russischen Jagdbombern effektiv sein könnten. Daher war die Türkei gegenüber aktuellen Bedrohungen nicht gut ausgerüstet.  Dieser Nachteil hat die Türkei dazu bewegt, während der Ersten und Zweiten Irak Operation und der Syrien-Krise Unterstützung von der Nato zu fordern. Die NATO hat der Türkei zwar Patriot Batterien zur Verfügung gestellt, aber das war eine mangelnde und vorübergehende Lösung. Für eine Lösung hat die Türkei ein Projekt für die Luftverteidigung ausgeschrieben. An dieser Ausschreibung haben sich die USA mit den Luftverteidigungskonzernen, Raytheon-Lockheed Martin, die russische Föderation mit Rosoboroneksport, China mit CPMIEC und Frankreich und Italien mit den Verteidigungsfirmen EuroSAM beworben. Das günstigste Angebot wurde von China gemacht, womit die Kriterien der Türkei wie günstiger Preis, gemeinsame Produktion, Technologieaustausch und rasche Lieferung gedeckt werden sollten. An zweiter Stelle kam EuroSAM gefolgt von Raytheon-Lockheed Martin aus den USA. Die Kriterien gemeinsame Produktion und Technologieaustausch wurden von diesen Verteidigungsunternehmen nicht gedeckt. Es wurden Gespräche mit der chinesischen Firma geführt. Das löste aber Reaktion bei den USA und der NATO aus, weil sich dieses Verteidigungsunternehmen auf der Sanktionsliste befand.

Weil die Bedingungen der Türkei nicht erfüllt wurden, konnte nach Abschluss der Gespräche mit der chinesischen Firma kein Abkommen unterzeichnet werden. Nachdem Russland ein günstigeres Angebot machte, die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland verbessert wurden, sowie die Türkei keine Unterstützung von ihren westlichen Verbündeten erhielt, entschied sich Ankara für das russische Luftverteidigungssystem S-400. Diese Entscheidung stieß auf die Reaktion der Nato Staaten. Als Folge dieser Reaktionen wird die NATO möglicherweise es nicht akzeptieren, S-400 in sein Luftverteidigungssystem zu integrieren.  Somit wird die Türkei dieses System unabhängig vom NATO-Luftverteidigungssystem für ihre eigene Verteidigung stationieren.

Da aber alle Luftverteidigungssysteme der Türkei mit der Luftverteidigung der NATO integriert ist, können in erster Phase einige Probleme auftreten. Wenn die NATO und USA von diesem Vorgehen der Türkei beunruhigt sind, sollten sie für die Herstellung eines Machtgleichgewichts in der Region, die Bedenken der Türkei wahrnehmen und mit der Türkei zusammenarbeiten.

Letzten Endes besteht ein Luftverteidigungssystem aus verschiedenen komplexen Systemen. Daher wird ein System alleine keine Lösung sein und eine Luftverteidigung voll gewährleisten. Die Luftverteidigung besteht aus unbemannten Luftfahrzeugen, Helikoptern, Flugzeugen, Raketen, sowie Raketen gegen ballistische Raketen und Systeme, die all dies Steuern und wahrnehmen. Ein starkes und nationales Luftverteidigungssystem der Türkei für die Gewährleistung der Ruhe und Sicherheit in der Region ein wichtiger Zug werden.



Nachrichten zum Thema