Globale Perspektive (2018-22)

Für wen oder wofür “mäßigen Islam.”

Globale Perspektive (2018-22)

Von zu Zeit zu Zeit geraten Geheimdienste einiger Länder in Versuchung mit falschen Diskussionen die Tatsachen zu verdrehen. Doch die Geschichte zeigt uns, dass man die Tatsachen nicht verdrehen kann. Wenn es soweit ist, kommt die tatsächliche Agenda sehr bitter zum Vorschein.      

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.  

Ein konkretes Beispiel dafür, das gegeben werden kann, sind die Diskussionen über den “mäßigen Islam.” Während die Entwicklungen im Westen in jüngster Zeit schreckliche Risiken für den Westen und für die Menschheit verbergen, werden immer wieder Diskussionen über den „mäßigen Islam“ auf die Tagesordnung gebracht. Wie der Westen vor dem Zweiten Weltkrieg nicht die Gefahr für sich selbst und die Menschheit erkannte und immer wieder das Judentum diskutierte, sieht er gegenwärtig die Stockdunkelheit, den Neo-Nazismus und Neo-Faschismus nicht, sondern diskutiert immer wieder über den „mäßigen Islam.“

300 Franzosen unterzeichnen eine Deklaration zur Streichung einiger Suren aus dem Koran. Nach ihrer Ansicht würden diese Suren die Gewalt und den Judenhass, der eigentlich eine Krankheit des Westens ist, schüren.

Die gleichen Intellektuellen sehen dem jedoch tatenlos zu, wie Israel das Recht, die internationale Gemeinschaft und das Gewissen der Menschheit missachtend gegen die palästinensische Zivilisten, die die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem protestierten, vorgeht und dabei Dutzende Zivilisten tötet und weitere Tausende verletzt. Kann es eine größere Gewalt, einen größeren Rassismus und Islam- und Menschenfeindlichkeit als dies geben. Wenn mit dem „mäßigen Islam“ beabsichtigt wird, jene Organisationen zu bekämpfen, die im Namen der Religion auf den Terror zurückgreifen und auf Geographien, auf denen sie leben keine menschliche, moralische oder islamische Grenzen kennen und jede Art von Terror anwenden, dann kann so ein Kampf von keinem vernünftigen Menschen abgelehnt werden.  Doch dabei sollte dieser Bedarf nicht als „mäßiger Islam“ sondern als Antiterrorkampf definiert werden. Wofür es auch sein mag, Terror ist Terror. So werden terroristische Aktivitäten in Verbindung mit Christentum, nicht als „mäßiger Christentum“ diskutiert. Hinzu kommt, dass die Gewalt Israels trotz der UN-Resolutionen seit Jahrzehnten gegen die Palästinenser nicht im Zusammenhang mit dem Bedarf an „mäßigem Judentum“  bewertet wird. Die Praxis zeigt uns, dass mit dem „mäßigen Islam“ nicht der Kampf gegen den Terror beabsichtigt wird. Wenn es dem so wäre, so wäre es nicht schwierig gegen den Terror eine gemeinsame Haltung einzunehmen. Wenn es nach der Praxis geschaut wird und danach, wie Länder oder Geheimdienste vorgehen und wen sie unterstützen, wird klar, dass der „mäßige Islam“ für die Vertuschung von imperialistischen Interessen, für den Raub von irdischen und unterirdischen Quellen unterdrückter Länder sowie für die Tarnung von Besatzungen, Toden, Gräueln, Vertreibung aus eigenen Ländern  genutzt wird. 

Während die imperialistischen Mächte für ihre Interessen im Nahen Osten herumreiten, werden auf der anderen Seite die Menschen und Ideologien dieser Geographie als Schuldige dargestellt. Zweifelsohne sollte bewertet werden, warum die Menschen dieser Geographie zulassen, dass sie ausgeraubt werden und welche Probleme aus ihnen hervorgeht. Es sollte auch aufgedeckt werden, welche globalen Interessen über diese Menschen verfolgt werden. Bei Betrachtung von Beziehungen und Waffenbesitzen der Terrororganisationen wie FETÖ, DAESH, PKK, PYD wird klar, dass diese Organisationen mit einigen westlichen Geheimdiensten Hand in Hand sind. Einige westliche Länder schrecken nicht davor ab, mit despotischen Regimen in muslimischen Ländern gemeinsame Sache zu machen. Viele westliche Länder unterstützen außer in Israel, im Nahen Osten keine demokratische Entwicklung. Sie kommen mit Monarchien sehr gut zurecht, die gegen das eigene Volk ihre Macht fortsetzen. Während ein Land wegen Fahrerlaubnis für Frauen gelobt wird, wird die Türkei, die ihre erste demokratische Wahl im Jahre 1876 durchgeführt und im Jahre 1934 lange vor vielen westlichen Ländern den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zuerkannt hat, unfair kritisiert.  Bei Betrachtung der Nahost-Politik einiger westlicher Länder entsteht die Wahrnehmung, dass im Nahen Osten nicht Hauptströmungen gewollt sind, die mit ihrem Volk, ihrer Geschichte und Geographie klarkommen, sondern marginale und bodenlose Kreise bevorzugt werden, die gegen ihre eigenen Völker kämpfen.  Während vielleicht aus diesem Grund wie in Ägypten und einigen Golfemiraten gegen den Willen ihres Volkes regierenden Personen und Regime  gelobt werden, werden die demokratischen Regime wie die Türkei und Personen wie Recep Tayyip Erdogan unfair kritisiert.

In Anbetracht der Praxis erwarten anscheinend einiger westlicher Länder und Zentren vom mäßigen Islam, dass er despotisch gegen die eigenen Völker und mäßig zu ihnen ist.  Jene Führungen, die gegen die westlichen Operationen im eigenen Land und ihrer eigenen Region schweigen und gegenüber den imperialistischen Interessen unbekümmert sind, werden als mäßig und die sich dagegen wehrenden Personen und Regime als „hart“ und „diktatorisch“ bezeichnet. Es kann sein, dass einige interanationale Zentren im Nahen Osten von ihren eigenen Völker nicht als legal anerkannte Führungen und neu entstandene Terrororganisationen für sich profitabler sehen. Doch langfristig ist es sowohl für die freiheitlichen und pluralistischen Schichten im Westen als auch für die Völker im Nahen Osten und für die Menschheit das Richtige und Nützliche demokratische, pluralistische und freiheitliche Methoden und Führungen mit tiefen Wurzeln zu unterstützen. Die sich nicht auf diese Zivilisation beruhenden neu entstandenen und vielmehr von den westlichen Zentren unterstützten terroristischen Bewegungen sind keine Bemühungen, um die Länder mit langer Zivilisationsgeschichte zu beseitigen.  Wenn es so betrachtet wird, hat die Türkei, die jahrhundertelang mit „pax ottomana“ ein friedliches Zusammenleben zwischen den heute auf dem Balkan und im Nahen Osten in Konflikt stehenden Parteien gewährleistete, viele Beiträge zu bieten.



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