Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-20)

Die kulturelle Diplomatie ist sowohl ein Mittel der gegenseitigen Interaktion als auch ein Katalysator der Wandlung in der Gesellschaft.

Türkische Außenpolitik im Fokus (2018-20)

Eine Bewertung von Dr. Cemil Doğaç Ipek von der Atatürk Universität.

Die kulturelle Diplomatie ist sowohl ein Mittel der gegenseitigen Interaktion als auch ein Katalysator der Wandlung in der Gesellschaft.

Wir werden in unserem heutigen Programm die kulturellen türkischen diplomatischen Aktivitäten betreffend der zentralasiatischen Staaten analysieren.

Kulturdiplomatie ist eine Art öffentlicher Diplomatie, die den Austausch von Ideen, Informationen, Kunst und anderen Aspekten der Kultur der Völker und ihrer Bevölkerung gewährleistet, um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Die seit Anfang der 2000er Jahre geführte Kulturdiplomatie hat bei der Wandlung der Türkei und der Türkei-Wahrnehmung eine Rolle gespielt.

Während den Zeiten des Kalten Kriegs wurde die Kulturdiplomatie von den polarisierten Parteien zu gegenseitigen Propagandazwecken benutzt. Sie führte dazu, dass das Risiko eines Atomkriegs sich auf die die ideologischen und kulturellen Bereiche auswirkten.

Man kann sagen, dass die Kulturdiplomatie des Westens bei der Auflösung des Ost-Blocks und des Zerfalls der Sowjetunion eine effektive Rolle gespielt hat. Das Ende des Kalten Kriegs und die darauf folgende Globalisierung haben zum Ausbau der Bedeutung der Kulturdiplomatie geführt.
Die Unabhängigkeit der Republiken in Zentralasien verlieh der türkischen Außenpolitik eine neue Dimension. Anhand der gemeinsamen Sprache und den kulturellen Banden baute die Türkei auf Basis der gemeinsamen Interessen ihre Zusammenarbeit mit diesen Ländern rasch aus. Die Türkei wurde mit ihrer Politik zu einem wichtigen Partner der Länder in der Region. Im Zuge des Ausbaus der Zusammenarbeit mit den türkischsprachigen Ländern in der Region wird seit 1992 das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Turkrepubliken veranstaltet. In 2009 wurde mit Teilnahme der Türkei, Aserbaidschans, Kasachstans und Kirgisistans der Türken-Rat gegründet. Die diplomatischen Aktivitäten der Türkei in der Region konzentrieren sich auf die Bereiche Kultur, Bildung, Medien und Entwicklungshilfen. Eine der in diesem Zusammenhang gesetzten Schritte ist die in 1993 gegründete Kulturorganisation TÜRKSOY, die die Wahrung der türkischen Kultur und Kunst vorsieht. Mitglieder von TÜRKSOY sind die Türkei, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan sowie das autonome Gebiet Gagausien der Republik Moldau. Die Türkei gewährte mit einem in 1992 gestarteten Projekt hunderten Studenten aus den Turkrepubliken Stipendien. Dieses Programm wird von der Behörde für Auslandstürken und verwandte Volksgruppen geführt. In diesem Rahmen werden jedes Jahr dutzende Studenten von türkischen Universitäten aufgenommen. Zudem wurden die Arbeiten des Yunus Emre Kulturzentrums zur Verbreitung der türkischen Sprache zu einem wichtigen Bestandteil der türkischen Kulturdiplomatie. Unter der Schirmherrschaft des türkischen Bildungsministeriums sind in Kirgisistan und Turkmenistan jeweils vier und in Kasachstan und Usbekistan jeweils drei Bildungsinstitutionen vorhanden. Die türkisch-kirgisische Manas Universität ist seit dem Bildungsjahr 1997-98 aktiv. Als gemeinsame Universität der Turkrepubiken setzt die Ahmet Yesevi Universität ihre Aktivitäten in Bildung und Forschung auf ihrem Campus in Kasachstan fort. Die Bildungssprache der Universität ist Türkisch, Kasachisch, Englisch und Russisch. Mit 880 Lehrkräften werden an der Universität, Fakultäten für Wirtschaft, Geschichte, Turkologie, Fremdsprachen, Jura, Medizin, Naturwissenschaften, Kunst, Ingenieurswesen und Informatik angeboten.    

Im Medienbereich ist eine Medienplattform der Türkisch sprechenden Länder und Gesellschaften vorhanden. Der im März 2009 gegründete Fernsehsender TRT-Avaz als Stimme der Turkrepubliken setzt ihre Sendungen fort. Es werden Sendungen in Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch, Turkmenisch, Aserbaidschanisch und Bosnisch ausgestrahlt. Die Nachrichtenagentur Anadolu sendet in russischer Sprache. Die mit Unterstützung der Türkei in 2005 ins Leben gerufene Allianz der Zivilisationen, die seit diesem Datum von der Türkei geleitet wird, führt auf globaler Ebene eine Kulturdiplomatie.

Auf der anderen Seite sind Nichtregierungsorganisationen wie die Türkische Agentur für Zusammenarbeit und Koordination, TIKA, der Türkische Rote Halbmond, die Behörde für Auslandstürken und Verwandte Volksgruppen, das Yunus Emre Institut, die Stiftung für Studien in den Turkrepubliken ebenfalls Institutionen der türkischen Kulturdiplomatie. Stadtverwaltungen und Universitäten leisten mit ihren Aktivitäten zwischen den Gesellschaften der Außenpolitik Beiträge. Seit Anfang der 2000er Jahre wird in der Türkei ein gesellschaftlicher Wandel erlebt. Faktoren wie die Intensivierung der Beziehungen tragen dem Ausbau der Bildung und des Wohlstands bei. Mit einer starken Türkei wird auch die Kulturdiplomatie gestärkt.



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