Globale Perspektive (2018-10)

​​​​​​​Der Bedarf an einem mäßigen Europa

Globale Perspektive (2018-10)

Der Bedarf an einem mäßigen Europa

Wenn man aus der Geschichte lernen könnte, dann würde man sehen können  wie lehrreich diese Wissenschaft ist. Doch leider lernen die Menschen daraus nicht. Wie schnell doch die Leiden, Tode und Gräuel vergessen werden.

Eine Bewertung von Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Vom wilden Westen zum mäßigen Westen

Im vergangenen Jahrhundert hat der Westen für nicht weiter als noch mehr auszubeuten, zwei Kriege verursacht, die vielleicht zu vielmehr Tode, Blut und Tränen als alle anderen Kriege geführt haben. Doch nach dem Krieg hat Europa aus den beiden Weltkriegen Lehren gezogen und einen Prozess eingeleitet, in der es auf Werte beruhende Politiken geschaffen hat. Die in der EU geformten und die Zusammenarbeit, Teilung, Freiheiten, Menschenrechte und Demokratie vorziehenden Politiken in Europa haben dem Kontinent ein relatives Wohl gebracht.

Vom mäßigen zum wilden Europa

Doch der heute angelangte Punkt führt die Welt wieder zu einem auf eine von Bedrohungen umgebene Achse hin. 

Die jüngsten Erklärungen von den USA, Nordkorea und Russland weisen sozusagen auf ein Wettrennen hin, wer am schnellsten auf den Knopf drücken und mit den chemischen und nuklearen Waffen die andere Seite vernichten kann.

Die Lage in Europa im Zusammenhang mit den Menschenrechten, Freiheiten, Pluralismus, Religionsfreiheit sowie Respekt gegenüber anderen Lebensweisen verschlechtert sich mit jedem zunehmenden Tag.

Die Islam- und Migrantenfeindlichkeit steigt von Tag zu Tag. Laut Information des deutschen Innenministeriums wurden im Jahre 2017 in Deutschland gegen Muslime 950 Angriffe verübt (http://www.spiegel.de). So viele Angriffe in einem Jahr! Wenn in einem östlichen, lateinischen oder muslimischen Land nur ein Bruchteil dieser Angriffe gegen Christen oder Juden verübt worden wäre, können sie sich die Reaktion der Welt vorstellen. Natürlich wünscht man sich sowas nicht. Dieser Umstand im Westen sollte für andere Geographien auf keinen Fall als Beispiel dienen. Die Angriffe gegen Muslime im Westen sind leider nicht nur mit Deutschland begrenzt. Wenn es im Westen geschieht, wird es überhört. In der jüngsten Geschichte von Europa und den USA fühlen sich die Menschen mit anderen Lebensweisen so bedroht wie nie zuvor.

Während viele westliche Länder sich damit sehr schwer tun, den Unterdrückten, Einsamen und Flüchtlingen Asyl zu gewähren, schicken sie blutrünstigen Terrororganisationen wie FETÖ, PKK, DHKPC, die in ihren eigenen Ländern jeden Mord begangen haben, förmlich eine Einladung. Gibt es außer einigen Ländern im Westen einen anderen Staat, der zum Zufluchtsort für zahlreiche Terroristen geworden ist. Auf der anderen Seite werden die Stimmen der Kreise, die sich für Freiheiten, Pluralismus und Demokratie einsetzen, unterdrückt. 

Nicht nur die Parteien, die sich für Freiheiten, Pluralismus und Demokratie einsetzen, erhöhen ihre Stimmen,  sondern die rassistischen, faschistischen und nazistischen Parteien.  In einigen Ländern werden sie gar zu Koalitionspartnern. Nun gibt es in Europa jene Staats- und Regierungschefs, die weniger besonnen sind und die Unterschiede in ihrer Gesellschaft missachten sowie ihre Nachbarn, die Region und andere Länder bedrohen.

 Wilder Westen oder Ende der Geschichte

Stellen sie sich für einen Augenblick mal vor, dass die nuklearen und chemischen Waffen, die das Ende der Menschheit bereiten könnten, in die Hände dieser radikalen Strömungen geraten.

Was könnten dann diese fanatischen Politiker, die nicht für Frieden, Zusammenarbeit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenrechte, sondern auf Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und Vernichtung ausgerichtet sind, mit diesen Waffen tun. Sogar diese Vorstellung ist schon beängstigend.

Die Zerstörung dieser Waffen beim Ersten und Zweiten Weltkrieg, die zur damaligen Zeit nicht so sehr entwickelt waren, ist offensichtlich. Wenn man sich die Vernichtungskapazität dieser heutigen Waffen vorstellt, wird so etwas vermutlich den jüngsten Tag bringen, wenn diese in die Hände der radikalen Strömungen geraten.

Die Futuristen haben jetzt schon damit begonnen zu schreiben, dass einige den Job von Gott übernehmen wollen. Werden jene Kreise ruhig bleiben, wenn sie heute die Unterschiede in ihren Ländern vernichten wollen und ihnen gegenüber jede die Menschenrechte, Freiheiten und globale Werte verletzende Praxis zufügen.  Die Geschichte ist nicht so. Es ist offensichtlich, wie diese Menschen mit dieser Gesinnung nach dem Völkermord gegen Juden ihre Länder und die Region in Brand gesetzt haben.

Der Bedarf nach mäßigem Westen …

Während diese Bedrohung im Westen so offensichtlich und nah ist, werden die Diskussionen nicht nach “mäßigem Westen” sondern “nach mäßigem Islam” entfacht. Der mäßige Islam ist das Thema eines anderen Artikels. Das geschieht, obwohl die radikalen Entwicklungen in Europa und in Amerika Jedem Sorge bereiten. Diese bedrohen nicht nur ihre eigenen Ländern, sondern die ganze Welt. In diesem Sinne ist der Stimmverlust von konservativen und linken Parteien in Europa sowie Unterdrückung der Stimme der  nach Freiheiten, Pluralismus und Demokratie ausgerichteten Kreise, nicht nur eine Bedrohung für die Zukunft von Europa.

Wir wurden im vergangenen Jahrhundert Zeuge dessen, wohin diese radikalen Strömungen Europa geführt haben. Daher sollten die nach Freiheiten und Frieden suchenden Kreise, für den Weltfrieden gemeinsam für ein mäßiges Europa arbeiten. 

 



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