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Aus der Perspektive der Türkei (2018-09)

Ost-Ghouta: vom Paradies zur Hölle

Aus der Perspektive der Türkei (2018-09)

          Das Assad-Regime setzt die erbarmungslosen Angriffe auf die Ghouta-Region, einem Vorort von Damaskus, unvermindert vor, das einst in arabischen Geographiebüchern als „das Paradies auf Erden“ genannt wurde. Wie ist es für die Syrer in Zukunft möglich, mit diesen Mördern zusammenzuleben?

         Den aktuellen Meldungen zufolge wurden in den vergangenen Tagen bei den Angriffen mindestens 250 Menschen getötet und mehr als 800 weitere verletzt. Leider werden diese Zahlen noch weiter steigen. Vor den Augen der ganzen Welt werden die Angriffe fortgesetzt, obwohl der -Astana-Vereinbarung nach unter russischer Aufsicht in Ost-Ghouta eine Deeskalationszone errichtet wurde. Diejenigen, die mit der Lüge, dass bei der Afrin-Operation der Türkei „Zivilisten zu Schaden kommen“, laut protestieren, spielen die drei Affen, wenn es um Russland, das Assad-Regime und die USA geht. Wie schon zuvor in Bosnien und im Irak: wenn die Opfer Muslime sind, haben sie keinen Wert.

         Die Ghouta genannte Region ist eine Ebene, die die syrische Hauptstadt Damaskus vom Osten, Westen und Süden umgibt und seit der Vergangenheit für ihre grünen Nutzgärten bekannt ist. Ghouta gehört zu den landwirtschaftlich fruchtbarsten Regionen. In der arabischen Geographie ist diese Region mit ihren Flüssen, Fruchtbäumen und Nutzgärten bekannt. Die namhaften Familien aus Damaskus haben in der Region ihre Villen. Auch wenn Ghouta, das Thema in zahllosen Büchern geworden ist, heute stark besiedelt ist, war die Region vor dem Bürgerkrieg ein beliebtes Ziel für Picknicks. Der Barada-Fluss und die Kanäle, die Damaskus in zwei Teilen führen durch Ghouta. Die Bevölkerungszahl beträgt heute etwa 400.000. Einviertel der Bevölkerung flüchtete vor dem Bürgerkrieg, so dass gegenwärtig etwa 300.000 Menschen dort leben. Neben sehr wichtigen archäologischen Werken, befinden sich auch mehrere Gräber wichtiger historischer Persönlichkeiten in Ghouta.

          Ost-Ghouta war eines der wichtigen Zentren der Proteste gegen das Regime in 2011 und hatte angesichts der Nähe zur Hauptstadt Damaskus auch eine strategische Bedeutung. Seit April 2013 steht Ost-Ghouta unter der Belagerung der Assad-Kräfte. Sowohl mit Artillerie als auch Luftangriffen steht Ost-Ghouta unter ständigen Beschuss des Assad-Regimes. In das Gebiet wird nur beschränkt die Lieferung von Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfsgüter zugelassen. In Ost-Ghouta sind zwei oppositionelle Gruppen an der Macht, die zeitweise auch gegeneinander kämpfen. Davon ist die eine Gruppe, die Rahman-Einheit, an die Freie Syrische Armee angebunden. Der Kommandant ist der ehemalige Hauptmann der syrischen Armee, Abdunnasir Samir. Die modernste Waffe ist die US-Antipanzer-Rakete vom Typ BGM-71 TOW. Die zweite Gruppe ist die Islamische Armee, die die größte Widerstandsgruppe in Ost-Ghouta ist. Diese Gruppe gehört zur al-Cebhetül-Islamiyye, die von den Saudis unterstützt wird. Diese Gruppe ist im Besitz von verschiedenen Raketen. Die von dieser Gruppe nach Damaskus abgefeuerten Raketen sind Grund für den intensiven Artilleriebeschuss des Assad-Regimes gegen Ost-Ghouta. Das belagerte Ost-Ghouta hat nur zwei Verbindungen zur Außenwelt. Der Vafidin-Kontrollpunkt in Duma. An diesem Kontrollpunkt befinden sich auf einer Seite die Regimesoldaten, auf der anderen Seite Elemente der al-Ceysül-Islam. Genau wie zwischen Gaza und Ägypten existieren hier zwischen Damaskus und den anderen Vororten Tunnel. Diese Tunnel wurden in jüngster Zeit von Assad-Regime verschüttet.

            Seit September 2017 ist die Einreise in die Region für die UN-Hilfsorganisationen noch stärker eingeschränkt. Im November und Dezember konnten die Hilfsorganisationen jeweils einmal Hilfen liefern. Das hat zu einer vorübergehenden Entspannung gesorgt. Die Preise sind im Vergleich zu Damaskus in Ost-Ghouta sehr gestiegen und die Menschen können täglich nur eine Mahlzeit zu sich nehmen. In der Region benötigen etwa 300.000 Menschen dringend Nahrungsmittel, die Bevölkerung benötigt vor allem Brot und Reis. Die Kindersterblichkeit wegen Unterernährung hat dramatisch zugenommen. Kranke Menschen sterben, weil sie nicht ausreichend versorgt oder aus der Region evakuiert werden können.

            In Ost-Ghouta werden seit langer Zeit Fass- und Streubomben sowie C-Waffen eingesetzt. In den vergangenen Tagen wurden von den Vereinten Nationen aufgelistete sechs Krankenhäuser beschädigt.  Wegen der seit langer Zeit anhaltenden Belagerung fehlt es an Medikamenten und erforderlichen Nahrungsmitteln. Mit der langfristigen Belagerung der Region verwendet das Assad-Regime eine Mittelaltermethode und bietet nur zwei Alternativen: die vollständige Kapitulation der Gruppen oder den Tod der ganzen Bevölkerung durch Artilleriebeschuss, Hunger und Krankheiten. Und dies geschieht vor den Augen der modernen und zivilisierten internationalen Gemeinschaft. 

 



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