Globale Perspektive (2018-06)

Wohin führen zerrissene Identitäten die Menschheit?

Globale Perspektive (2018-06)

Wohin führen zerrissene Identitäten die Menschheit?

Bei Betrachtung der Ereignisse in diesem  Jahrhundert, in dem wir Leben, sehen wir, dass sie sehr den Vorfällen vor dem Ersten Weltkrieg ähneln. Wenn wir keine Lehren aus den Geschehnissen ziehen, wiederholt sich die Geschichte. Genau vor mehr als einem Jahrhundert wüteten neue Identitäten und neue Zugehörigkeiten auf der ganzen Welt. Der Imperator hatte gegen Identitäten den Krieg erklärt. Aus jeder Geographie sprießten überwiegend ohne Wurzeln neue und geschichtslose Identitäten. Im Endeffekt gingen die osmanischen, britischen, österreichisch-ungarischen Reiche  unter.   

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret Bülbül, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften der Yıldırım Beyazıt Universität zu Ankara.

Die Welt wird leider das Unheil nicht los, das die Französische Revolution und der Nationalismus der Menschheit beschert haben. Dieses Unheil vergiftet die ganze Welt. Der Menschheit reicht der sehr hohe Preis nicht aus, den sie mit den beiden Weltkriegen bezahlen musste. Wenn wir uns in unserer Umgebung umschauen, sehen wir ähnliche Vorfälle wie vor dem Ersten Weltkrieg.

Geteilter Balkan, Osteuropa, Nahost und Spanien, das auf dem Weg einer Teilung ist. Es sind nicht nur die Staaten, die geteilt sind oder Kandidaten für eine Teilung sind. Mit den neu erfundenen tödlichen Identitäten sind alle Geographien sozusagen zu Brandherden verwandelt worden. Mit dem Untergang der Kaiserreiche geht es der Welt mit neuen Identitäten und neuen Staaten nicht wohler. Ganz im Gegenteil; alle sind mit noch mehr geteilten Ländern den Angriffen der globalen imperialistischen Akteure schutzlos ausgeliefert. Wohin führen die noch mehr zerrissenen Zugehörigkeiten die Welt hin? Wo macht die ethnische und konfessionelle Teilung einen Halt? Eigentlich ist dieser Umstand der Menschheit nicht unbekannt. Die Lage der versklavten Menschen, die während der Zeit des Feudalismus in Europa von den Feudalherren mit dem Feld zusammen verkauft oder gekauft wurden. Wie frei konnten sich Menschen während der Zeit der Fürstentümer in Anatolien vor dem osmanischen Staat bewegen? Welchen Nutzen können die weiteren Teilungen von Staaten, der Identitäten und Zugehörigkeiten der Menschheit bringen, als das alltägliche Leben hinsichtlich der Wirtschaft, des Handels, der Gesundheit, der Bildung und Reisen zu erschweren? Mit der Teilung von „Mega-Identitäten“, die den Menschen sozialisierten und ihnen das Gefühl gaben, ein Teil von großen Gesellschaften zu sein, werden die Menschen immer mehr auf sich allein gestellt werden.

Dieser Umstand wird neben vielen psychologischen, soziologischen und pathologischen Problemen, auch ernsthafte Sicherheitsrisiken mit sich bringen. Gegenwärtig sind die aus einer Person und aus kleineren Gruppen bestehenden kriminellen Banden und Terrororganisationen, die von den Staaten am schwersten festgestellt und bekämpft werden können. Was kann noch gefährlicher sein, als jene Menschen, die mit völlig auseinandergegangenen Identitäten und Zugehörigkeiten oder eigentlich mit Identitätslosigkeit sich von allen Werten abgekapselt und eigene Werte für sich geschaffen haben. Reicht der Preis nicht aus, den die Menschen in unserer Region und die Welt bezahlen musste? Welche Preise müssen die unterdrückten Völker und Geographien für noch mehr Teilung und ethnisch-konfessionellem Rassismus bezahlen? Wie lange wird man noch auf die Fallen der globalen Mächte tappen, dessen Maxime „divide et impare“ ist. Diese einfache Ethnizität und der konfessionelle Rassismus sind weder rationell, human, ethnisch noch islamisch. Daher sollten wir wie der Dichter Necip Fazıl meint, „Bleibt stehen ihr Massen! Dieser Weg führt in eine Sackgasse/Hebe meine Arme hoch und öffne sie wie eine Schere“ sagen und klagen. Wir sollten eine Vision schaffen, mit der noch mehr Teilung verhindert wird und die Menschen zueinander geführt werden können.  Wir brauchen keine weitere Teilung und keinen Egoismus, sondern gerechte Verteilung und eine prinzipielle Haltung.

Wir sollten den globalen, humanen, moralischen und islamischen Werten (die stimmen meist überein) und dem friedlichen Miteinander noch mehr Sinn verleihen. Es sollte eine Politik in diesem Sinne entwickelt werden.

Aber wie?

Eigentlich sind die Antworten nicht unbekannt, jedoch schwer umzusetzen. Man sollte darauf beharren, diese anzuwenden. Zuerst sollten alle Länder für verschiedene ethnische, ideologische, konfessionelle und religiöse Gruppen eine weit umfassende Politik verfolgen. Wenn sie das tun, sollten sie ungeachtet von falschen Beispielen und Verurteilungen auf diese Politik beharren. Wie der Dichter Yunus sagte, „Wir sollten den Geschaffenen dem Schöpfer zuliebe lieben. Es kann sein, dass man eine solche Politik verfolgt. Doch das reicht nicht aus. Was vielleicht noch wichtiger ist: Grundrechte und Freiheiten sollten nicht als ein Instrument der Außenpolitik genutzt werden. Jene Kreise in einigen Ländern, die alles als ein strategisches Mittel sehen, sollten die Unterschiede in anderen Ländern, nicht als eine Methode sehen, dem jeweiligen Land mit dem geringsten Aufwand zu schaden. Diese Unterschiede sollten nicht als ein Sturmbock gesehen werden, um dem Land zu schaden. Die Länder, die unterschiedliche Identitäten und Kulturen beherbergen, sollten gegen solche Ziele der imperialistischen Akteure sehr wachsam sein. Sie sollten ihre eigenen Bürger mit falschen Praktiken nicht solchen Akteuren ausliefern.

Ich weiß, das was ich sage wird für viele Menschen wegen der auf Interessen ausgerichteten Außenpolitik wie ein Wunschdenken vorkommen. So denkende Menschen sind hinsichtlich der Praktiken und Ziele globaler imperialistischer Akteure im Recht. Ja aber sollten wir deswegen keinen auf Werte  basierenden Appell richten? Sollten wir die Menschheit nicht dazu aufrufen, was für alle „gut“ ist. Es sollte nicht vergessen werden, dass  es in jedem Land innerhalb des Staates und außerhalb, wenn ihre Makropolitik nicht entscheidend ist, eine wichtige Gruppe mit gesundem Menschenverstand gibt. Und langfristig gewinnen immer die Guten.



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