Globale Perspektive (2018-04)

Syrien: Eine Bewährungsprobe für die Menschheit

Globale Perspektive (2018-04)

Manchmal zieht man daraus Lehren, wenn man sehr teuer bezahlen musste. Manchmal sagen sie, hätte ich nicht so teuer bezahlt und daraus nicht die Lehren gezogen. Dies ist vielleicht am meisten bei der Syrien-Krise der Fall, die sehr viele leidvolle Lehren hinterließ. Der arabische Frühling hat  wie die anderen geschlossenen Gesellschaften auch Syrien sehr stark beeinträchtigt. Als das syrische Volk nach Jahrzehnten versuchte sich gegen dem Druck des Regimes zu wehren, war, womit sie konfrontiert waren, kein Verständnis dafür, was sie wollen, sondern die Grundreaktion der Dikta-Regime, nämlich versuchen zu unterdrücken.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Kudret BÜLBÜL, dem Dekan der Fakultät für Politikwissenschaften an der Yıldırım Beyazıt Universität.

EU-Werte sind gestrandet..    

Dass der Iran mit seinen Soldaten in  den Krieg zog, Russland das Regime unterstützt hat und die westlichen Staaten keine Lösungsperspektive geboten haben, hat den Krieg in Syrien entfacht. Hundertausende Menschen sind ums Leben gekommen oder sind getötet worden. Millionen Menschen waren gezwungen, ihr Land zu verlassen.

Die EU-Staaten zeigten der Syrien-Krise kein Interesse, bis die Flüchtlinge vor ihren Grenzen standen. Ab diesem Zeitpunkt waren die Proteste im Westen beschämend für die Menschheit. Die meisten EU-Länder, die zuvor andere in Themen wie Pluralismus, Miteinanderleben, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Freiheit, Lebensrecht kritisierten, sind bei der ersten diesbezüglichen Prüfung durchgefallen. Es wurde ignoriert, dass auch die Flüchtlinge es verdienen, mit diesen Werten behandelt zu werden. Die einzige Sorge der meisten EU-Länder war, zu verhindern, dass die Flüchtlinge nicht ihr Land erreichten. Ab diesem Zeitpunkt an, war nicht mehr das syrische Kind Aylan, das strandete,  sondern die EU-Werte. 

Türkei ist ein Land, das den Demokratien von Europa beiträgt

Nehmen wir für einen Augenblick mal an, dass Länder wie Jordanien, der Libanon und die Türkei, die gleiche Politik wie die EU-Länder verfolgt hätten und der Menschheit bzw. den Flüchtlingen ihre Grenzen schließen würden. In so einem Fall würden Millionen von Flüchtlingen die Toren der EU-Länder erstürmen.  Wenn wir daran denken, dass sogar die wenigen Flüchtlinge, die die EU-Länder erreicht haben, in diesen Ländern mit unmenschlichen Reaktionen konfrontiert wurden,  den steigenden nazistischen und faschistischen Strömungen gestärkt haben, dann würde wohl in Europa die Krise bezüglich der  humanitären Werte der EU noch mehr vertieft werden.

Dass die Türkei alleine 3,5 Millionen Syrer aufgenommen hat und deklariert hat, Politik der offenen Toren zu verfolgen, erhöhte die Stimmen der Partei, die diese Politik verfolgt hat. Lediglich eine Stadt der Türkei, nämlich Kilis hat mehr Flüchtlinge aufgenommen als viele EU-Länder zusammen. Auf die Erklärung eines EU-Staates, 130 Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, war die Antwort des Präfekten von Kilis historisch: „Das Land sollte sich nicht anstrengen, so viele kann ich bei mir unterbringen.“

In Europa hingegen waren die Parteien indes bezüglich Flüchtlinge, Migranten sowie Islam- und Ausländerfeindlichkeit im Wettlauf. In Österreich ging die Partei, die „Null-Flüchtlinge“ versprach, aus den Wahlen als Erste heraus.  In den meisten EU-Staaten sind faschistische und nazistische Parteien im Aufmarsch. Damit die rechtsradikalen nicht noch mehr gestärkt werden, radikalisieren sich in vielen Ländern die zentralen Rechts- und Linksparteien. Zweifelsohne verbirgt die Krise in Europa, das sich immer weiter abschottet und die Zukunft trübt, ernsthafte Risiken für die Menschheit. Wenn gegenwärtig in Europa, jene Parteien, die sich nicht radikalisiert haben, an die Macht kommen können, spielen dabei die übermenschlichen Anstrengungen der Türkei und die der Länder in der Region eine erhebliche Rolle.  

Dass in den Iran und in die Golfstaaten fast gar keine syrischen Flüchtlinge gegangen sind, muss vielleicht gesondert erörtert werden.

Schwarze Propaganda gegen Olivenzweig

Obwohl an dem angelangten Punkt DAESH besiegt worden ist, fällt auf, dass die globalen Akteure nicht für die Lösung, sondern für die Vertiefung des Syrien-Problems arbeiten. Leider ist es nicht nur bei Syrien der Fall. In Afghanistan, im Iran, in Libyen oder in Syrien nirgendswo hat die „internationale Koalition“ Stabilität geschaffen, wo sie auch interveniert hat. Ganz im Gegenteil kann dadurch in diesen Ländern wegen des Todes, der Tränen und den Massenabwanderungen nicht mehr gelebt werden. Den ganzen Aufwand mussten oder müssen immer noch die Länder in der Region übernehmen.  Daher sollten bei solchen Krisen für die Lösung, nicht nach internationalen, sondern nach regionalen Koalitionen gesucht werden. Obwohl DAESH besiegt wurde und der Krieg fast am Ende ist, die USA der PYD/YPG Waffen mit tausenden LKWs entsenden und Erklärungen machen, wonach YPG zu einer Grenzsicherheit umgewandelt werden soll, stößt zu Recht auf heftige Kritik seitens der Türkei und der Länder der Region.  PKK/ PYD ist eine Terrororganisation, die in der Türkei und in den Ländern der Region, tausende Menschen getötet hat.

Wie es verstanden werden würde, wenn Al-Qaida an der Grenze zu USA eine “Grenzsicherheitseinheit” bilden würde, ist es genau das Gleiche, wenn PYD mit Waffen beliefert und eine Grenzsicherheit-Erklärung abgegeben wird. Die Türkei hat zu Recht, um sich zu verteidigen, für die regionale Stabilität und um die Menschen von der Gefangenschaft des Terrors zu befreien und eine neue Flüchtlingswelle zu verhindern, die Operation „Olivenzweig“ gestartet.  Diese legale Offensive der Türkei wird von einigen Kreisen bewusst verdreht. Einer der wichtigsten Gründe für die Operation „Olivenzweig“ ist, die territoriale Unversehrtheit von Syrien zu wahren. Denn die von den USA unterstützte Terrororganisation PYD/YPG etabliert sich Schritt für Schritt in die Region vom Irak bis zum Mittelmeer und teilt Syrien. Es wird versucht so darzustellen, als ob die Offensive der Türkei gegen die Kurden wäre. Wie die Operation gegen Osama bin Laden nicht gegen die Araber, sondern gegen den Terror ist, ist was die Türkei macht, das Gleiche. Zudem nicht zulassen, dass die Jahrzehnten Terror produzierende Organisation an den Grenzen eine Terrorregion bildet. Hinzu kommt, dass die in der Türkei und in der Region lebenden Menschen wissen, wie die PKK oder  mit dem Namen in Syrien PYD/YPG gegen jene vorgeht, die sie nicht unterstützen. PYD/YPG führt gegen Kurden, Araber, Turkmenen und gegen nichtmuslimische Gruppen eine ethnische Säuberung durch. Die aus diesen Regionen geflüchteten Millionen von Menschen, suchen Zuflucht in der Türkei und in den Ländern der Region. Hierbei sollte folgende Frage gestellt werden; und zwar warum die von den USA unterstützte Terrororganisation den eigentlichen Besitzern der Region nicht die Rückkehr erlaubt.  Die Operation der Türkei ebnet mit der Säuberung der Region vom Terror,  für alle allen ethnischen und religiösen Gruppen den Weg für die Rückkehr. Natürlich wird wie alle Kriege auch eines Tages dieser Krieg zu Ende gehen. Was wichtig ist, welche Werte wir beim Rückblick, wenn wir auch viele verloren haben, an die nächste Generation überlassen können.



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