Aus der Perspektive der Türkei (2017-44)

DAESH-Bedrohung in Zentralasien.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-44)

            In der Silvesternacht auf das Jahr 2017 hatte der DAESH-Anschlag auf den berühmten Istanbuler Nachtclub Reina mit 39 Todesopfern die internationale Aufmerksamkeit in den Nahen Osten und nach Eurasien gerichtet. Auch heute werden die Diskussionen über die Gründe und Folgen der DAESH-Existenz im Nahen Osten und Zentralasien fortgesetzt. Im Gegensatz zu den Diskussionen nach den Anschlägen in anderen Gebieten der Welt geht es dieses Mal mehrheitlich um die Frage: Verlegt sich DAESH vom Nahen Osten in Richtung Zentralasien?

          Obwohl die Attentäter der DAESH-Anschläge von ethnischer Hinsicht ein sehr unterschiedliches Bild darlegen, werden die Diskussionen hauptsächlich über die türkischstämmigen Völker geführt. In den meisten Diskussionen wird als neue Basis von DAESH Zentralasien genannt. Aber stimmt das auch? Wir wollen versuchen, dies in dieser Folge der Sendereihe zu klären.

          DAESH hat bisher hunderte Terroranschläge verübt. Aber in jüngster Zeit stehen die ethnische Abstammung und Nationalität des Attentäters mehr im Vordergrund. Warum? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir zwei Studien veröffentlichen, die uns Informationen über die Herkunftsländer der DAESH-Terroristen geben

          In der im März 2016 veröffentlichten Studie werden die Top 10 Länder aufgelistet, aus den die ausländischen DAES-Terroristen stammen:

Tunesien

6500

Saudi-Arabien

2500

Russland

2400

Jordanien

2250

Türkei

2100

Frankreich

1700

Marokko

1350

Libanon

900

Ägypten

800

Deutschland

760

 

          (Quelle: The Telegraph, Iraq and Syria: How many foreign fighters are fighting for Isil?)

          In einer in 2015 veröffentlichten Studie werden die Top-Länder aufgelistet, aus denen pro ein Million Personen wie viele an DAESH teilgenommen haben:

Jordanien

315

Tunesien

280

Saudi-Arabien

107

Bosnien-Herzegowina

92

Kosovo

83

Turkmenistan

72

Albanien

46

Belgien

46

Usbekistan

33

Schweden

32

Palästina

28

Dänemark

27

Tadschikistan

24

Frankreich

18

Österreich

17

Holland

15

Finnland

13

Russland

12

Kasachstan

8

Türkei

6

Kirgisistan

5

 

(Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty, Foreign Fighters In Iraq & Syria: Where do they come from?)

          Diesbezüglich sind unzählige Studien vorhanden. Wir haben nur zwei als Beispiel genommen. Zum Thema liegen keine eindeutigen Daten vor. Aber an Hand der vorhandenen Studien können wir uns ein generelles Bild machen. Im Internet wurden auch zahlreiche weitere Statistiken veröffentlicht. Mit einer sehr einfachen Onlinesuche kann jeder diese Daten finden.

          Aus den Studien können wir entnehmen, dass wie aus allen Ländern der Welt auch Menschen aus dem Nahen Osten an DAESH teilnehmen. Aber obwohl die Teilnahme an DAESH aus Ländern des  Nahen Ostens und Nordafrika wie Jordanien oder Tunesien nicht höher ist aus Ländern vom Balkan und von Europas wie Bosnien, Kosovo, Albanien ist, wird in der regionalen und globalen Öffentlichkeit immer über die DAESH-Terroristen aus Zentralasien gesprochen. Die Hauptgründe dafür sind: Einige Regime im zentralasiatischen Gebiet gewährleisten ihre Legitimität durch die Angst vor den radikalislamischen Diskursen und Terrorismus. Diese Propaganda nutzt den besagten Regimen. An der Spitze der Propaganda, die dies verbreiten, stehen die Regime selbst. Nach den Anschlägen vom 11. September in den USA hat die Volksrepublik China die Welt über die Uiguren-Frage über den Radikalislam und Al-Kaida, gegenwärtig über DAESH informiert. Aber vor dem 11. September hat China die Uiguren und den Radikalislam nicht zusammen erwähnt. Deshalb bevorzugt China diese Propaganda und gehört auch zu denen, die sie international verbreiten. Russland fördert diesen Diskurs ebenfalls. Denn dieser Diskurs stärkt die Rolle Russlands in Zentralasien als Akteur, der die Sicherheit gewährleistet. Gleichzeitig legitimiert dies die russische Zentralasien-Politik. Ausländische Experten, die das zentralasiatische Gebiet nicht sehr gut kennen, akzeptieren diese Propaganda als wahr und tragen der Verbreitung bei. Ein weiterer Faktor sind Gruppen, die diese Propaganda aus verschiedenen politischen und ideologischen Zwecken verbreiten. Dies können wir vor allem in der Türkei sehen. Verschiedene Gruppen, die von der multidimensionalen, unabhängigen Außenpolitik der Türkei und der Ausrichtung nach Zentralasien besorgt sind, verbreiten diese Propaganda.    

          Also können wir die Frage „gibt es in Zentralasien eine DAESH-Bedrohung?“ mit „Ja“ beantworten. Aber die Frage „aber gibt es eine wie in der türkischen und internationalen Öffentlichkeit übertrieben große DAESH-Bedrohung?“ können wir mit „Nein“ beantworten.   

          Die wichtigste Rolle im Kampf gegen die vorhandene DAESH-bedrohung in Zentralasien werden die Hanafiten/Maturidiya Sufi türkisch-islamische Schulen spielen. Das gemeinsame Foto mit der offiziellen Delegation vor der Türbe Imam Maturidi bei dem Usbekistan-Besuch vom Staatspräsidenten der Türkischen Republik, Recep Tayyip Erdogan ist in dieser Hinsicht eine wichtige Botschaft gewesen.



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