Aus der Perspektive der Türkei (2017-43)

Falsche Rechnung kommt aus Kirkuk zurück.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-43)

           Nach dem rechtswidrigen Referendum hat die irakische Regierung gegen die Regionalverwaltung im Norden Iraks einen Einsatz eingeleitet und die Regionalverwaltung im Norden Iraks in Grenzen von 2003 zurückgedrängt.

          Wie ist es dazu gekommen? Zur Erinnerung: Die Entstehung von DAESH hat die Bagdader Regierung geschwächt. Die Regionalverwaltung im Norden Iraks hat das Auftreten von DAESH als Gelegenheit betrachtet und die verfassungsmäßigen Grenzen überschritten. Die ethnischen Gruppen der Regionalverwaltung im Norden Iraks übernahmen die völlige Kontrolle über Kirkuk und festigen ihre Präsenz und Macht in den anderen umstrittenen Gebieten. Barsani nutze die Schwäche der irakischen Zentralregierung und die Autoritätslücke aus. Die Regionalverwaltung im Norden Iraks eroberte mit Luftunterstützung der internationalen Koalition in der Linie zwischen Sindschar bis Hanekin zahlreiche Orte von der Terrororganisation DAESH. Die Regionalverwaltung im Norden Iraks erklärte, die eroberten Gebiete nicht wieder zu verlassen. Das Referendum war der Schlusspunkt dieses Prozesses.

      Die Abhaltung des Referendums trotz internationaler Warnungen und Einwände wurde von Barsani-Reihen als ein großer Erfolg gesehen. Vor allem die Kurdisch Demokratische Partei und einige unterstützende westliche Staaten glaubten, dass dieser Erfolg zur Unabhängigkeit führen wird. Aber es gab sofort einige Gegenmaßnahmen. Die irakische Zentralregierung forderte die Regionalverwaltung im Norden Iraks auf, das Ergebnis des Referendums zu annullieren. Gleichzeitig wurden juristische Prozesse eingeleitet. In der Zwischenzeit fanden zwischen der Türkei und dem Iran hochrangige Gespräche statt. Dabei wurde die volle Unterstützung für die irakische Zentralregierung beschlossen. In diesem Rahmen setzte die irakische Regierung ihre verbalen Warnungen in Aktionen um. Der Einsatz führte schon nach kurzer Zeit zum Erfolg und die Regionalverwaltung im Norden Iraks wurde in die Grenzen von 2003 zurückgedrängt.

      Noch einen Tag vor dem Einsatz hatten die Peschmarga erklärt „bis zum letzten Tropfen Blut zu kämpfen“. Aber mit Beginn des Einsatzes entledigten sie sich den Uniformen und flüchteten. An die offiziellen Gebäude wurde die irakische Flagge gehisst. Barsani-Poster und Symbole der Regionalverwaltung im Norden Iraks wurden entfernt. Die Ereignisse waren ein schwerer Schlag für die Regionalverwaltung im Norden Iraks. Kirkuk kam in wenigen Stunden unter die Kontrolle der irakischen Zentralregierung. Dabei hatte Barsani davon geträumt, Kirkuk zur Hauptstadt zu erklären. Auch der Traum von der Unabhängigkeit war vorerst ausgeträumt.

      Mit dem Abkommen zwischen der irakische Regierung und der Kurdisch-Patriotischen Union wurde Kirkuk unter die Kontrolle der irakischen Armee und der Haschdi Schabi-Milizen gestellt. Danach kam es auch in den übrigen umstrittenen Regionen sehr rasch zur Umwandlung. Die irakische Armee eroberte die umstrittenen Regionen um Tuzhurmatu und Diyala östlich von Kirkuk. Westlich von Mossul setzten die Kräfte der irakischen Regierung ihren Vormarsch in den nördlichen und westlichen ländlichen Gebieten fort. Am 20. Oktober konnte die irakische Armee die kritische Turkmenen-Ortschaft Altinköprü auf der Hauptstraße zwischen Erbil und Kirkuk, die Erdölfelder in Zummar und Umgebung am Mossul Staudamm, den Rabia-Grenzübergang sowie die nördliche Landstraße zur Grenze zur Türkei erobern. Die irakische Armee hatte dabei drei Ziele: die wichtigen Erdölfelder zu kontrollieren, die Kontrolle über türkisch-irakische sowie syrisch-irakische Grenzen zu übernehmen, den Einflussbereich der Kurdisch-Demokratischen Partei zu begrenzen.

      Von der schweren Niederlage der Regionalverwaltung im Norden Iraks ist Barsani verantwortlich. Im Vorfeld des Referendums hat er die Warnungen der Türkei und des Iran ignoriert und seine militärische und politische Macht falsch eingeschätzt. Ferner hat er die westliche Unterstützung in seinen Augen übertrieben und zu sehr auf die Unterstützung gesetzt. Barsani hat nicht mit verstand, sondern Gefühlen gehandelt. Und diese falsche Rechnung ist aus Kirkuk zurückgekommen.  

      In diesem Prozess haben die Türkei und der Iran die irakische Regierung nicht kritisiert, ganz im Gegenteil Botschaften für Kooperationen gegeben. Derzeit gibt es auch keine Anzeichen dafür, dass die Unterstützung aus Ankara und Teheran an Bagdad beendet wird. Es ist sogar möglich, dass die militärische Zusammenarbeit zwischen der Türkei und dem Irak in naher Zukunft noch weiter ausgebaut werden könnte.    

          Das Resultat im Irak ist eigentlich das, das sich die Türkei gewünscht hat. Das Referendum ist ungültig, die Turkmenen-Stadt Kirkuk ist aus den Krallen der Regionalverwaltung im Norden Iraks befreit und die Kontrolle von Kirkuk durch die irakische Zentralregierung hat den Turkmenen Luft zum Atmen verschaffen. Derzeit hat die irakische Regierung eine eindeutige Vorherrschaft, aber noch ist nicht alles vorbei und die Gefechte könnten anhalten.

          Auf der anderen Seite hat die Türkei erklärt, an der gemeinsamen Grenze die irakische Zentralregierung als direkten Ansprechpartner zu sehen. Es sieht danach aus, dass ein neuer Grenzübergang eröffnet und der alte an die Regierung in Bagdad übergeben werden. Aber für die Türkei sind Kirkuk oder die umstrittenen Regionen die einzige Dimension des Problems. Die Türkei befürchtet, dass die durch die Schwächung der Kurdisch-Demokratischen Partei entstandene Lücke von der Terrororganisation PKK gefüllt werden könnte. Es ist offensichtig, dass die PKK das interne Chaos in der Regionalverwaltung im Norden Iraks zur Propagandazwecken ausnutzen will. Dieser Prozess könnte dazu führen, dass die Terrororganisation PKK nach dem Erstarken in Syrien auch im Irak den Einflussbereich ausweiten könnte. Eine starke PKK ist eine Instabilitätsquelle für den Irak. Deshalb ist die Türkei gezwungen, den Prozess aus der Nähe zu verfolgen. An diesem Punkt darf es nicht überraschen, wenn die derzeit mit dem Irak kooperierende Türkei in irakischen Territorien ihre Einsätze gegen den PKK-Terror intensiviert.     



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