Aus der Perspektive der Türkei (2017-40)

Nach Astana: Aufmerksamkeit erneut auf Idlib gerichtet.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-40)

Bei der letzten Runde der Astana-Verhandlungen vom 15. September ist die Zusammenarbeit über die Gewährleistung der Deeskalation noch weiter definiert. Die Deeskalationszonen in Syrien umfassen vier Regionen in Syrien. Im Mittelpunkt der jüngsten Astana-Verhandlungen stand Idlib. Zum Vergleich zu anderen Regionen beherbergt Idlib noch mehr Gruppen und das Gleichgewicht zwischen diesen Gruppen ist sehr sensibel. Deshalb beinhaltet der Deeskalationsprozess auch das Risiko für neue Eskalation.

          Bei den Astana-Verhandlungen einigten sich die Türkei, Russland und der Iran über die Grenzen der Deeskalationszone in Idlib und darüber, wer für den Schutz dieser Grenzen verantwortlich sein wird. Wie aus den Medien zu entnehmen ist, werden aus den drei Staaten jeweils 500 Soldaten an die Kontrollpunkte an der Grenze der Deeskalationszone stationiert, um die Waffenruhe zu überwachen. Aber dieser Vorstoß wird im Kampf gegen die Terrororganisation Hai’at Tahrir asch Scham (Komitee zur Befreiung der Levante) nicht ausreichen. Eigentlich wird ist in erster Phase nicht direkt der Kampf gegen Hai’at Tahrir asch Scham vorgesehen. Zunächst wird geplant, die Terrororganisation außerhalb der Deeskalationszone zu drängen und Hai’at Tahrir asch Scham einzuschränken.

          In Idlib und Umgebung sollen Russland, die Türkei und der Iran die Deeskalationsatmosphäre herstellen und wahren. Dies birgt für die Türkei auch ein großes Risiko. Denn zur Koordinierung der Deeskalation wird die Türkei Soldaten entsenden und in einigen dieser Regionen ist die Terrororganisation Hai’at Tahrir asch Scham. Aber nach der Stationierung von türkischen Soldaten ist die Wahrscheinlichkeit für Gefechte zwischen der Freien Syrischen Armee und Hai’at Tahrir asch Scham, danach zwischen der Türkei und der Terrororganisation sehr groß. Die militärischen Vorbereitungen der Parteien bestätigen dies.

          Im Kampf gegen radikale Gruppen in Idlib verfolgt die Türkei eine Strategie mit mehreren Pfeilern. Der erste Pfeiler ist die Schwächung der unter Führung von Al Nusra gebildeten Dachstruktur Hai’at Tahrir asch Scham. In diesem Rahmen wird versucht, einige Gruppen von Hai’at Tahrir asch Scham zu lösen. Die intensiven Bemühungen der Türkei führten bereit zu ersten Erfolgen.  

          Der zweite Pfeiler der türkischen Idlib-Strategie ist die Vereinigung und Stärkung der gemäßigten Oppositionellen. In diesem Rahmen versucht die Türkei die verstreuten Gruppen der Freien Syrien Armee unter einem Dach zusammenzubringen. Mit Unterstützung der Türkei sind die Kräfte der Freien Syrien Armee in Idlib größtenteils  bereits erfolgreich zusammengekommen. Diese neue Formation soll nicht die Opposition gegen das Regime stärken, sondern vielmehr ein Gleichgewicht gegen Hai’at Tahrir asch Scham herstellen.

          Die Grundziele des Astana-Prozesses sind: 1) die radikalen und gemäßigten bewaffneten Gruppen in Syrien mit eindeutigen Linien von einander zu trennen. 2) die radikalen Gruppen zu beseitigen. 3) zwischen dem Regime und der gemäßigten Opposition zunächst eine Waffenruhe zu schaffen und dann eine politische Lösung herbeiführen. Das größte Hindernis vor der Umsetzung dieses Plans ist Idlib. Denn Idlib ist die größte Geographie, die von den Oppositionellen als Ganzes kontrolliert wird und die mächtigste bewaffnete Oppositionsgruppe ist Al Nusra. Außerdem sind einige Gruppen aus Idlib Teil des Astana-Prozesses. Deshalb ist es nicht möglich einen Gesamteingriff gegen Idlib durchzuführen. Aus diesem Grund müssen zwischen den radikalen und gemäßigten Gruppen in Idlib eindeutige Linie gezogen werden. Wenn die Türkei keine Initiative ergreifen sollte, könnten entweder in Idlib fremde Mächte ihren Einflussbereich ausweiten oder sogar die Kontrolle übernehmen oder sogar an Akteure gehen, die gegen die Türkei eine Bedrohung darstellen. Aus diesem Grund ist eine dringende Notwendigkeit, dass die Türkei in Idlib einen maßnahmeergreifenden Zug unternimmt.

          In der künftigen Periode kann die Türkei in kurzer Zeit in Idlib in einem tiefen Konflikt verwickelt werden. Die Gefechte in Idlib können wegen den geographischen und klimatischen Verhältnissen länger dauern als die Operation Schutzschild Euphrat. Deshalb könnte die Stationierung der türkischen Armee in Idlib zu einer Atmosphäre führen, die die Türkei in einen Konflikt hineinzieht. Die Operation, die in Idlib eine Deeskalation schaffen soll, könnte die Türkei mit einem neuen grenzüberschreitenden Problem konfrontieren. Wenn die Türkei das Risiko nach einem Konflikt in Kauf nehmen und militärisch erfolgreich sein sollte, dann könnte wie durch die Operation Schutzschild Euphrat eine sichere Zone hergestellt werden. Dies wiederum würde die Türkei in der Syrien-Akte noch mehr stärken. Somit wird die Türkei die Gelegenheit haben, die Risiken mit Idlib-Zentrum zu verringern. Darüber hinaus wird die Türkei, die in Syrien die Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran weiter ausbaut und ihre Verantwortung erfüllt den Weg für einige Zugeständnisse im Kampf gegen PKK/YPG ebnen. Der diesbezüglich erste Gedanke wäre dann, dass im Afrin-Gebiet, in dem eine russische Militärpräsenz vorhanden ist und das von der Terrororganisation PKK/YPG kontrolliert wird, die Türkei ebenfalls eine Antiterroroperation starten könnte.



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