Aus der Wirtschaftswelt (2017-37)

Aus der Wirtschaftswelt (2017-37)

Aus der Wirtschaftswelt (2017-37)

Einer der wichtigsten Schritte, die im Zuge des EU-Beitrittsprozesses gesetzt wurde, war die Zollunion, die gegenwärtig intensiv die Tagesordnung beschäftigt. Die im Jahre 1995 in Kraft getretene Zollunion ist von kritischer Bedeutung bei den Beziehungen zwischen der Türkei und EU. Die Beziehungen zwischen der Europäischen und der Türkei haben mit der Zollunion eine andere Gestalt angenommen. Dass die Türkei gegenwärtig 48,5 Prozent ihrer Exporte in die EU-Länder tätigt, ist eines der Anzeichen dafür, dass die Beziehungen positiv verlaufen. Im Umkehrschluss exportieren viele EU-Länder in die Türkei. Im vergangenen Jahr exportierten die EU-Länder in die Türkei Waren im Wert von 77,5 Milliarden Dollar.

Dass die Türkei als einer der wichtigsten Handelspartner der EU-Mitgliedsstaaten im Jahre 2016 das Handelsvolumen mit diesen Ländern auf 145 Milliarden Dollar erhöht, ist ein anderer auffallender Punkt. Nach den USA, China, Russland und der Schweiz ist die Türkei der fünftgrößte Handelspartner der EU. Aus diesem Aspekt betrachtet, ist die Türkei für die Wirtschaft der EU-Mitgliedsstaaten von kritischer Bedeutung. Die Basis der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der sich seit 22  Jahren innerhalb der Zollunion befindenden Türkei und den EU-Staaten beruht auf gegenseitiges Verständnis. Da die gegenwärtige Fassung der Zollunion nicht ausreicht,  eine Lösung für die Probleme zu finden, ist eine Novellierung und Ausweitung zwingend erforderlich. Die Türkei setzt für den Ausbau der Beziehungen mit den EU-Staaten, der Beseitigung von gegenwärtigen Probleme und  zur Ausweitung der Zollunion jeden konstruktiven Schritt, was sich auch ganz offen zum Ausdruck bringt. In diesem Zusammenhang ist das Protokoll vom Jahr 2015 mit der EU zur Novellierung der Zollunion von Bedeutung.

Das Ziel der Ausweitung der Zollunion ist, mit einer noch umfangreichen Integration die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Türkei und EU auf eine andere Dimension zu verleiten. Die gültige Zollunion sieht für die türkischen Staatsbürger weiterhin Visapflicht vor. Eines der wichtigsten Ziele der Revidierung ist es, solche und ähnliche Probleme zu lösen. Wenn es im weitesten Sinne ausgelegt werden sollte, ist ersichtlich, dass mit der Ausweitung der Zollunion darauf abgezielt wird, den Beitritt der Türkei in den Binnenmarkt zu schaffen, der umfangreicher als die Zollunion ist. Bei der Errichtung der Zollunion im Jahre 1995 bezog sich der Handel zwischen der Türkei und EU nur auf die Industrieprodukte und verarbeitete Agrarprodukte. Doch mit der Ausweitung der Zollunion wird neben Waren auch die Freizügigkeit von Personen und Dienstleistungen vorgesehen. Mit der Freizügigkeit von Dienstleistungen wird bezweckt, den Dienstleistungssektor der Türkei mit der EU konkurrieren zu lassen.

Wir können sagen, dass dieses Thema für die Türkei, deren Wirtschaft zu 70 Prozent aus Dienstleistungen besteht, von kritischer Bedeutung ist.

Mit der Erlangung der Freizügigkeit für Personen wird auch die Visapflicht für türkische Staatsbürger im Schengen-Raum aufgehoben werden. Es wird erwartet, dass dies für beide Seiten auf die Einnahmen aus dem Tourismus positive Wirkungen haben wird. In einer Zeit, wo über die Ausweitung der Zollunion gesprochen wird, fallen die politischen Erklärungen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf. Es ist offensichtlich, dass diese Erklärungen sowohl für den internationalen Handel als auch für die globale Wirtschaft nicht von Nutzen sind. In einer Zeit, wo Großbritannien sich entschieden hat, aus der EU auszutreten, sollte die EU bei der Bestimmung ihrer Partner sowie bei der Stärkung der vorhandenen Beziehungen noch klüger handeln. Wenn auch die seit Jahrzehnten anhaltende EU-Beitrittsprozess der Türkei politisch noch ungewiss ist, ist ersichtlich, dass die Reflexionen in der Wirtschaft nicht die Gleichen sind. 

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und EU blicken verglichen mit den politischen Beziehungen auf eine längere Geschichte zurück.

Dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und EU weiter gestärkt werden, ist sowohl für die Zukunft der EU-Länder als auch für die wirtschaftlichen Beziehungen, die die Türkei zustande bringen möchte, von Bedeutung. Daher sollten die Diskussionen über die Ausweitung der Zollunion anstatt aus politischer Sicht aus wirtschaftlicher Hinsicht bewertet werden.  


Keyword: Beitritt , EU , Türkei

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