Aus der Perspektive der Türkei (2017-36)

Turkmenen im Libanon.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-36)

             Die türkische Existenz im Libanon reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Aber die Türkische Republik hat von den Libanon-Türken offiziell erst in 1989 erfahren. Der Kommandant des Turkmenen Halit Esad, der ein Soldat der libanesischen Armee war, bemerkt, dass der Soldat türkisch sprechen kann. Der Kommandant stellt ihn daraufhin dem türkischen Botschafter in Beirut, Ibrahim Dicleli vor. Halit Esad erzählt dem türkischen Botschafter, das er ein Turkmene aus dem Dorf Kacasra ist. Der Botschafter besucht das Dorf und stellt Kontakt mit den Bewohnern her. Beim Bürgerkrieg in 1989 im Libanon erhält der türkische Botschafter auf seiner Rückreise Schutz von den Turkmenen, die ihn bis nach Tripolis begleiten. Nach dieser ersten Bekanntschaft wurde es zur Tradition, dass der neu ernannte Botschafter in Beirut die zwei Turkmenen-Dörfer im Akkar-Gebiet besucht. Lange Zeit dachte man, dass die Libanon-Turkmenen lediglich im Akkar-Gebiet leben. Auf Hinweis der Bewohner von Kavasra wurde in 2007 auch Kontakt mit Turkmenen in Baalbek und in 2011 in Dinnije aufgenommen.

          Gegenwärtig können wir die türkische Präsenz und das osmanische Erbe im Libanon in acht Kapiteln untersuchen: die Akkar-Turkmenen, die Baalbek-Turkmenen, die Dinniye-Turkmenen, die Kreta-Turkmenen, die im Libanon lebenden Staatsbürger der Türkischen Republik, die Familien mit Wurzeln in Anatolien, die Syrien-Turkmenen und die Tscherkessen.

         Akkar befindet sich im Norden des Libanons. In der Region gibt es zwei Turkmenen-Dörfer, Kavasra und Aydamun. In der Region Akkar leben mehr als 7.000 Turkmenen, davon etwa 6.500 in den beiden genannten Dörfern und Umgebung.  

          In Baalbek gibt es fünf Turkmenen-Dörfer, Duris, Seymije, Nananije, Hadidije und Maschari al Kaa. Die gesamte turkmenische Bevölkerungszahl beträgt etwa 4.000.

          In Dinnije hingegen befinden sich zwei Dörfer mit turkmenischen Bewohnern, Havvara und Gurhajje. Die Zahl der Turkmenen liegt bei etwa 700.

          Gegenwärtig leben schätzungsweise 10.000 Kreta-Türken im Libanon. Ferner leben etwa 50.000 türkische Staatsbürger in Beirut, die sich aus wirtschaftlichen Gründen dort niedergelassen haben. Zudem befinden zahlreiche Großfamilien in Tripoli und Akkar, die seit der osmanischen Herrschaftszeit dort leben. Allein in Tripolis gibt es 200 Familien mit dem Nachnamen „Türkmani“, die mit einander verwandt sind. Die von der Türkmani-familie gegründete „Libanesische Türkmani-Gemeinschaft“ setzt auch heute noch ihre Aktivitäten fort. Auch die nach dem osmanisch-russischen Krieg (1877-1878) in den Nahen Osten umgesiedelten Tscherkessen haben ihre Bande zur Türkei nicht abgebrochen.   

           Wegen dem Bürgerkrieg in Syrien sind zahlreiche syrische Turkmenen in den Libanon geflüchtet. Die Turkmenen in Aleppo und Latakia hingegen flüchteten in die nahe gelegene Türkei. Die Turkmenen in Homs und Tartus dagegen suchten Schutz bei den Turkmenen in Akkar und Baalbek, die geographisch in der Nähe liegen und mit denen auch Verwandtschaft besteht. Tausende Turkmenen flüchteten in die Turkmenen-Regionen Akkar und Baalbek. Außerdem flohen eine nennenswerte Anzahl von Turkmenen aus Damaskus nach Beirut und Tripoli.

            Der Wendepunkt der Anschauung gegenüber den Libanon-Turkmenen war die Rede in der Nähe von Kavasra am Rande des Libanon-Besuchs von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in 2010. Dabei wurde die Unterstützung der Türkei für die Turkmenen im Libanon bekräftigt, was die Position und das Ansehen der Turkmenen positiv beeinflusste. Das in 2013 in Beirut eröffnete Yunus Emre Kulturzentrum und das in 2014 eröffnete TIKA-Libanon-Büro spielten für das steigende Interesse und Hilfen für die Turkmenen ein wichtige Rolle. Auch wenn sich die Lage der Turkmenen im Libanon verbesserte, haben sie immer noch keinen politischen Vertreter oder eine einflussreiche Nichtregierungsorganisation. In naher Zukunft müssen diesbezügliche Arbeiten unbedingt fortgesetzt werden.   



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