Aus der Perspektive der Türkei (2017-35)

Die Besuche in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von Sadr.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-35)

           Alle Akteure im Irak bereiten sich auf die neue politische Periode vor. In den letzten Tagen werden im Irak einige politische Schritte unternommen, die die Türkei und die übrigen Regionsländer sehr interessieren. In diesem Zusammenhang sind die Besuche in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von Mukteda Sadr, einem der einflussreichsten schiitischen Führer im Irak, eine sehr Aufmerksamkeit erweckende Entwicklung. Der Besuch kann in Bezug auf die saudi-arabische Politik zur regionalen Isolierung des Irans   als wichtiger Vorstoß bewertet werden.

          Von der Atmosphäre nach der Besatzung des Iraks in 2003 hat am meisten der Iran profitiert. Nach der Entstehung von DAESH hat der Iran im Kampf gegen die Terrormiliz die Regierung in Bagdad unterstützt und dadurch den iranischen Einfluss innerhalb Iraks ausgebaut. In dieser Zeit sprachen sich einige religiöse und politische Figuren im Irak dafür aus, dass der iranische Einfluss im Irak eingeschränkt werden muss. Diese Entwicklungen werden in Regionsländern wie Saudi-Arabien, die unzufrieden vom iranischen Einfluss im Irak sind, aus der Nähe verfolgt und in gewisser Weise sogar gefördert.

          Die irakische Verwaltung konnte seit 2003 keine stabile Sicherheitsstruktur errichten und diese Sicherheitsschwäche trat im Sommer 2014 gänzlich zum Vorschein. Im Kampf gegen DAESH waren die irakische Armee und Polizei machtlos. Diese Schwäche der irakischen Sicherheitskräfte wurde von den freiwilligen Kämpfern unter dem Namen Hashdi Schabi genutzt. Bei der Ausbildung und Ausrüstung dieser Gruppe ist die Rolle des Irans jedem bekannt. Somit wurde der iranische Einfluss im Irak noch effektiver und noch legitimer.  

          Sadr, der eigene Milizen und Einfluss auf einige Gruppen innerhalb Hashdi Schabi hat, ist ein Führer, der in der irakischen Politik immer wieder unerwartete Vorstöße unternimmt. Die Familie Sadr hat eine hohe Stellung unter den schiitischen Gelehrten im Irak und dadurch eine sehr große Anhängerschaft in der Bevölkerung. Sadr hatte in den vergangenen Jahren schon verschiedene Spannungen und Konflikte mit den USA und der Maliki-Regierung erlebt. In dem Sadr-Diskurs tritt stets der irakische Nationalismus in den Vordergrund, was ihn von den anderen schiitischen Persönlichkeiten unterscheidet. Sadr betont in der schiitischen Welt die Bedeutung des Nadschef-Beckens und die arabische Identität. Er verfolgt eine Linie, die sich manchmal dem Iran annähert und manchmal vom Iran entfernt.   

          Die Besuche in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von Mukteda Sadr erweckten in der Öffentlichkeit großes Interesse. Um das seit Jahren schlechte Verhältnis zwischen dem Irak und Saudi-Arabien auszubauen, wurden in diesem Jahr einige Schritte unternommen. Vom iranischen Einfluss im Irak ist Saudi-Arabien unzufrieden. Nach langer Zeit fand aus Saudi-Arabien auf Außenministerebene ein Besuch im Irak statt. Das Treffen von Sadr mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Muhammed bin Salman zeigt, dass es in der Region noch weitere Überraschungen geben kann.

          Im Rahmen der Isolierungspolitik des Iran wird der nächste Schritt von Saudi-Arabien voraussichtlich sein, dass es den iranischen Einfluss im Irak akzeptiert, aber gleichzeitig Kontakte mit schiitischen Figuren aufnimmt, die vom dem iranischen Einfluss unzufrieden sind und sie bis auf ein bestimmtes Maß auf die eigene Seite zieht.

          Saudi-Arabien wird eine neue Botschaft in Bagdad eröffnen. Zudem steht die Öffnung eines Konsulats in Nadschef an der Tagesordnung. Der während der Hadsch-Zeit seit Jahren geschlossene Arar-Grenzübergang wird nun für die irakischen Mekka-Pilger geöffnet. Außerdem soll Saudi-Arabien eine große finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau der von DAESH befreiten Gebiete leisten. Alle diese Entwicklungen zeigen, dass Saudi-Arabien zur Schwächung des iranischen Einflusses im Irak einerseits mit den sunnitischen Gruppen Kontakt aufnehmen und andererseits auch die Kontakte mit der unter dem Einfluss der schiitischen Parteien stehenden Bagdader-Regierung intensivieren wird.

          Die Besuche in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten von Sadr          wurden größtenteils auch von der schiitischen Bevölkerung im Irak befürwortet. Bei seiner Rückkehr aus Saudi-Arabien wurde Sadr im Irak von einer großen Menschenmenge empfangen. Dies kann als Bestätigung und Erfolg des Besuchs in Saudi-Arabien bewertet werden.



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