Aus der Perspektive der Türkei (2017-32)

Idlib, kurz vor einem Scheideweg.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-32)

             Die Gefechte der oppositionellen Gruppen in Idlib, die Meldung über eine mögliche Entsendung von türkischen Soldaten nach Idlib sowie die Erklärungen der USA im Zusammenhang mit Idlib haben die internationale Aufmerksamkeit nach Idlib gerichtet. Für die seit einiger Zeit zwischen den oppositionellen Gruppen anhaltenden Gefechte gibt es drei Gründe: alle wollen die Kontrolle der Stadt für sich, die als letzte Hochburg der syrischen Oppositionellen gilt. Die gegenseitige Empfindung einer Bedrohung der oppositionellen Gruppen untereinander als Folge des Astana-Prozesses. Und die lebenswichtige Bedeutung der Verwaltung und Kontrolle der Ressourcen, die wegen der immer geringeren Hilfen aus dem Ausland sehr knapp geworden sind.  

          Der Astana-Prozess war eine wichtige Entwicklung für Idlib. Seit Januar existiert in Iblib eine Dreierstruktur. Die Damaskus Befreiungsdelegation, die sich von Al-Nusra ablöste, die Organisation zur Befreiung der Levante sowie die neuformierte Freie Syrische Armee. Die Damaskus Befreiungsdelegation und Organisation zur Befreiung der Levante waren schon einflussreiche Akteure in der Region. Dann kam die neuformierte Freie Syrische Armee hinzu, die als führende Gruppe an den Astana-Verhandlungen teilnahm. Die Freie Syrische Armee hat im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen weniger Mitglieder, kann aber auf die Unterstützung der Türkei und einigen anderen Regionsländern zählen. Ziel der Freien Syrischen Armee ist es, Idlib von Al-Kaida zu säubern. Dies ist auch für die Türkei ein sehr wichtiges Ziel. Denn sollte die Damaskus Befreiungsdelegation Idlib kontrollieren wird die in Verbindung zu Al-Kaida stehende Gruppe eine direkte Bedrohung für die Syrien-Politik und innere Sicherheit der Türkei darstellen.

          In diesem Zusammenhang ist die Idlib-Erklärung des US-Sondergesandten im Kampf gegen DAESH, Brett McGurk von Bedeutung. Demnach verwandelte sich Idlib für Al-Kaida zu einem Unterschlupf und die USA hätten sich auf diese Gefahr fixiert. Diese Aussage deutet daraufhin, dass Idlib das Ziel einer neuen Operation sein wird. An diesem Punkt kommt folgendes Szenario in den Sinn: Die USA werden in Iblid die Rakka-Formell einsetzen. Das heißt also eine Operation gemeinsam mit PKK/PYD. Dieses Szenario wird den Afrin-Eingriff der Türkei verhindern, den Einflussbereich von YPG ausweiten und den Einfluss der USA in Syrien in diese Region verbreiten. Ein mögliche Operation der USA mit PKK/PYD wird den Zweck haben, die Bemühungen der Türkei entlang der Grenze eine Sicherheitszone zu errichten aufzulösen, die Formierung einer gemäßigten  oppositionellen Gruppe westlich des Euphrat zu verhindern, den russischen Humeymim-Stützpunkt zu stören und für YPG neuen Raum zu schaffen. Es wird nicht leicht sein, dass die Türkei und Russland diese Operation akzeptieren.

          Eine weitere Dimension der Idlib-Angelegenheit ist der Zusammenhang mit der Golf-Krise. Saudi-Arabien und seine Verbündeten, die die Blockade gegen Katar eingeleitet haben, wollen auch den katarischen Einfluss in Syrien einschränken. Es ist bekannt, dass die während der Gefechte in Iblib im Juli veröffentlichen Audiodaten von führenden Namen der Damaskus Befreiungsdelegation sich mit Aussagen und der Tagesordnung von Saudi-Arabien und seinen Verbündete decken.

          Der Sprecher des Staatspräsidiums der Türkischen Republik, Ibrahim Kalin erklärte, dass türkische und russische Soldaten in Idlib stationiert werden könnten. Die eventuelle Stationierung von Soldaten einiger Länder als Beobachter der kampffreien Schutzzonen ist schon seit einiger Zeit eine vereinbarte Tatsache. Ferner ist bekannt, dass Russland schon seit langem die Bedingung stellt, gegen die Gruppen mit Al-Kaida-Verbindung in Idlib hart vorzugehen.

          Um eine vorrückende Krise wegen Idlib abzuwenden, ist es wichtig, dass die Türkei und Russland die Zusammenarbeit fortsetzen und ihre Initiative für die Schutzzonen wahren. An diesem Punkt haben die von der Türkei unterstützten gemäßigten Oppositionsgruppen eine große Verantwortung.

          Die von der Türkei gegen die Terrororganisationen im Gebiet und vor allem DAESH eingeleitete Operation Schutzschild Euphrat hat zu wichtigen Resultaten geführt. Dadurch wurde der PKK/PYD-Korridor entlang der südlichen Grenze unterbrochen und in die Region gemäßigte Oppositionelle stationiert. Durch die Kontrolle einer wichtigen Gebiets ausschließlich Münbidsch westlich des Euphrat wurde die Grenzsicherheit hergestellt. Wenn die Türkei und die gemäßigten Oppositionellen die absolute Kontrolle in Idlib übernehmen sollten, dann werden die PKK/PYD-Illusionen nach einem Korridor, die Pläne zur Verweisung der Türkei aus Syrien und zur Trennung der Verbindungen zwischen der Türkei und arabischen Welt scheitern.



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