Aus der Perspektive der Türkei (2017-28)

Ist Afrin im Kampf gegen den Terror das neue Ziel?

Aus der Perspektive der Türkei (2017-28)

           Die Operation Schutzschild Euphrat ist erfolgreich abgeschlossen worden, aber die Türkei hat ihre Ziele im Kampf gegen den Terror im Norden Syriens noch nicht erreicht. Die Mobilität der türkischen Streitkräfte und der Freien Syrischen Armee in der Nähe von Afrin hat in der Öffentlichkeit die Erwartung nach einer Operation gegen Afrin erweckt. In Afrin leben etwa 200.000 Kurden, Turkmenen und Araber. Die Mehrheit der Turkmenen und Araber wurde wegen der Diskriminierung der Terrororganisation PKK zur Flucht in die Türkei gezwungen. Afrin ist eine Hochburg der Terrororganisation PKK, aus der Terroristen und Selbstmordattentäter in die Türkei geschleust und Terroristen für die Aktionen an den Amanos Bergen ausgebildet werden. Auch Azez südlich von Kilis ist häufiges Ziel der Terrororganisation PKK/YPG. Dies ist auch ein Hindernis vor der Rückkehr der Syrer in ihre Heimat. Für die Türkei, die in der Region eine Sicherheitszone errichten will, ist die Lösung der Afrin-Angelegenheit ein Bedürfnis.

          Nach diesen Entwicklungen drohte die Terrororganisation PKK/YPG bei Beginn einer Operation mit Terroranschlägen in der Türkei. Allein diese Drohung zeigt, dass PKK und PYD/YPG nicht getrennte Terrororganisationen sind. Die Türkei will verhindern, dass nach DAESH sich keine andere Terrororganisation in der Region niederlässt. Aus diesem Grund ist Afrin ein kritisches Ziel, um die Errichtung einer von PKK/YPG kontrollierten Zone im Norden Syriens verhindern zu können. Im Kampf gegen die Terrororganisation PKK und die syrischen Ableger ist Afrin von großer Bedeutung. Nur wenn Afrin von der Terrororganisation PKK gesäubert wird, kann an der 240 Kilometer langen Linie die Verbindung der Terrororganisation abgebrochen werden.

          Natürlich ist in dieser Phase die Einstellung von Russland und den USA sehr kritisch, vor allem die Ansicht Moskaus ist sehr wichtig. Wie aus den Medien zu entnehmen ist, hat Russland diesbezüglich folgende Prioritäten: die Vertreibung der Damaskus Befreiungsorganisation aus Idlib, die Bestrafung der gemeinsam mit den USA agierenden Terrororganisation YPG sowie die Erfüllung der Forderungen der Türkei, mit der die Zusammenarbeit in Syrien weiter ausgebaut wird. In diesem Rahmen könnte Moskau eine mögliche Operation in Tal Rifat-Gebiet genehmigen. Vermutlich wird Moskau YPG nicht ganz abschreiben. Denn derzeit existiert in Afrin und Umgebung eine russische Militärpräsenz, die in Kontakt mit YPG steht. Aber ein vollständiges Engagement von YPG für die USA könnte Russland zu einer starken Botschaft verleiten.   

          Es wäre keine Überraschung, wenn die USA eine mögliche Operation nicht unterstützen. Natürlich können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, welche Strategien Washington einsetzen wird, um die Operation zu verhindern. In jüngster Zeit haben sich die Besuche hochrangiger US-Funktionäre in der Türkei intensiviert. Medienberichten zufolge versucht die US-Administration mit diplomatischen Methoden die annähernde Operation zu verhindern. Falls die Türkei trotz den USA die Operation einleiten sollte, wird sie gegen ihren Verbündeten, der sie in Syrien im Stich gelassen und eine von ihr als Terrororganisation bewertete Organisation unterstützt hat, einem Zug unternehmen. Nach der Operation Schutzschild Euphrat und der Katar-Krise würde diese der dritte spielverderbende Zug der Türkei gegen die USA bedeuten.

          Im Zusammenhang mit einer möglichen Afrin-Operation bestehen derzeit drei verschiedene Optionen. Erstens, eine großangelegte Operation, die auch Afrin selbst einschließt. Zweites, eine Operation mit beschränktem Ziel und Bereich. Drittens, die Operation geht über eine verbale Phase nicht hinaus. Diese aufgelisteten Optionen können nur unter unterschiedlichen Bedingungen zur Realität werden. Aber in Betracht auf die Daten auf dem Feld, den vorhandenen Vorbereitungen und den Entwicklungen der internationalen Lage ist die zweite die wahrscheinlichste Option. Die mögliche Operation könnte in diesem Fall von kurzer Dauer sein und nicht ganz Afrin, sondern lediglich die strategischen Regionen östlich und nördlich von Tal Rifat umfassen.

          Bei einer möglichen Afrin-Operation ist letztendlich eine Übereinstimmung zwischen der Türkei und Russland der kritischste Punkt. Sollten Ankara und Moskau eine Übereinstimmung über eine Afrin-Operation erzielen und diese Überstimmung bis zur Erreichung der Operationsziele wahren, dann werden die türkischen Streitkräfte und die Freie Syrische Armee gegen die Terrororganisation PKK eine erfolgreiche Operation durchführen.



Nachrichten zum Thema