Aus der Perspektive der Türkei (2017-27)

Das Drama in Talafar nimmt kein Ende.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-27)

           

             In den vergangenen Jahren sind die syrischen und irakischen Gebiete, in der Turkmenen leben, zum Großteil zerstört worden. Die Turkmenen waren Unterdrückung, Gewalt und Massakern ausgesetzt. Die größte irakische Kreisstadt Talafar ist eines der wichtigsten Beispiele. Die Mehrheit der Bevölkerung der Kreisstadt Talafar, die 63 Kilometer von Mossul entfernt liegt, sind Turkmenen. Deshalb ist Talafar das wichtigste Zentrum der irakischen Turkmenen.

            Nach der Eroberung von Mossul durch DAESH flohen mehr als 300.000 Turkmenen in verschiedene Regionen im Irak und in die Türkei. Mehr als 15.000 Turkmenen, die nicht flüchten konnten, leben immer noch in Talafar, unter DAESH-Bedrohung.           

            Die Turkmenen, die in verschiedene Regionen im Irak geflüchtet sind, müssen gegen schwere Probleme kämpfen. Die Turkmenen wurden in diesen Regionen von der einheimischen Bevölkerung nicht willkommen. Für die Turkmenen wurde die Anpassung sehr schwierig. Den Turkmenen aus Talafar wurde zudem zunächst die Einreise in Kirkuk verweigert. Erst nach mehreren Aktionen und Vorstößen der Irakisch-Turkmenischen Front wurde die Erlaubnis erteilt. Aber auch dort sind die Möglichkeiten für die Talafar-Turkmenen sehr beschränkt.    

            Die Gefechte zwischen der irakischen Armee und DAESH in Mossul werden wahrscheinlich in kürze beendet. Vermutlich werden die DAESH-Terroristen in den Untergrund und die Wüste untertauchen. Nach der Eroberung des Zentrums von Mossul wird Talafar noch mehr an die Tagesordnung rücken. Derzeit werden in Talafar etwa 2000 DAESH-Terroristen vermutet. Ferner sitzen mehr als 15.000 Turkmenen in Talafar fest und können nicht fliehen. Deshalb werden auch in Talafar, wenn auch nicht so blutig wie in Mossul, schwere Gefechte erwartet.

            Die Operation in Talafar muss sehr detailliert geplant werden. Ein Einmarsch einer anderen Streitmacht als die irakische Armee wird in Talafar zu großen Problemen führen. Die Bewohner von Talafar befürchten zu Recht, dass Mitglieder von Hashdi Schabi und PKK in die Kreisstadt einmarschieren. Davor haben sie große Angst. Denn beim Einmarsch von Hashdi Schabi könnte es zu neuen konfessionellen Ausschreitungen kommen. Die Terrororganisation PKK hingegen plant eine ethnische Säuberung gegen die Turkmenen. Um die Zivilisten zu schützen und ein Blutvergießen in Talafar zu vermeiden, müssen Hashdi Schabi und PKK von Talafar fern gehalten werden.

            Die in verschiedene irakische Gebiete geflüchteten Turkmenen wollen auch keine ausländischen Mächte in Talafar. Denn die Turkmenen denken, dass die konfessionellen Konflikte in Talafar von ausländischen Mächten provoziert werden. Ein Kompromiss in der Kreisstadt kann den Turkmenen zufolge nur von den Bewohnern von Talafar erzielt werden und ein Eingriff von außen werde die Schaffung und Wahrung von Frieden unmöglich machen.

            Talafar ist sehr strategisch gelegen, vielleicht sogar die strategisch wichtigste Lokation. Talafar ist auch für die Türkei von großer Bedeutung. Die Türkei, für die die Zukunft von Mossul von großem Interesse ist, verfolgt auch die Entwicklung in Talafar aus der Nähe. Talafar ist die letzte verbliebene Hochburg der Turkmenen in der Region. Gleichzeitig ist die Kreisstadt für die Kontrolle der Straße in die Turkmenen-Dörfer im Sindschar-Gebiet von strategischer Bedeutung. Deshalb ist das Schicksal von Talafar nicht nur für die turkmenische Bevölkerung, sondern auch im Kampf gegen die Terrororganisation PKK von äußerster Bedeutung, die das Sindschar-Gebiet zum neuen Stützpunkt machen will. Deshalb ist es sehr wichtig, dass nach der DAESH-Ära die Rückkehr nach Talafar mit einem Kompromiss umgesetzt wird. Sollte der turkmenische Charakter von Talafar nicht gewahrt werden, könnte es zu erneutem Chaos und Blutvergießen kommen. 

        Talafar war schon zu Zeiten des osmanischen Imperiums eine sehr bedeutende Lokation. Talafar war der wichtigste Stützpunkt in der Region. Nach dem Sturz des Osmanischen Imperiums wurde Talafar in 1920 an den Irak angebunden. Die Turkmenen im Irak leisteten harten Widerstand gegen England, das damals den Irak kontrollierte. Die Hochburg dieses Widerstands war Talafar. Deshalb ist Talafar nicht nur eine Angelegenheit der Turkmenen oder innere Angelegenheit Iraks, sondern auch eine lebenswichtige Sicherheitsfrage für die Türkische Republik.



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