Türkei-Agenda (2017-20)

Die türkisch-russischen Beziehungen.

Türkei-Agenda (2017-20)

Heute wollen wir den Beziehungen zwischen den türkisch-russischen Beziehungen Platz ein räumen.

Eine Bewertung von Prof. Dr. Musa Sıtkı Bilgin, Direktor des Instituts für internationale Beziehungen und strategische Studien, der Yıldırım Beyazıt Universität.

Mit dem Gipfeltreffen zwischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am 3. Mai in Sotchi ist in den türkisch-russischen Beziehungen eine neue Seite aufgeschlagen worden. Bei dem Treffen wurden Themen von Energie bis zur Verteidigungsindustrie, von der Landwirtschaft bis zu Weltraumtechnologien, von Strategie bis Sicherheit, von Tourismus bis zu zahlreichen weiteren Themen auf den Tisch gelegt. Dabei wurde bis auf einige kleine Details, in allen Themen Einigung erzielt. Nach dem Gipfel haben sowohl Erdoğan als auch Putin darauf hingewiesen, dass die Normalisierung in den Beziehungen abgeschlossen und nun auf das Niveau der gemeinsamen Beziehungen übergegangen wurde. Für die Erreichung dieses Ziels wurden in den bilateralen Beziehungen schwierige Phasen und große Herausforderungen überwunden.

Wenn man das Thema aus der historischen Perspektive betrachtet, beobachtet man in den türkischen-russischen Beziehungen Höhen und Tiefen. Beide Länder sind mächtige Staaten, die über eine Tiefe in der Geschichte und Geographie von Eurasien verfügen. Während der eine Staat, eine globale Macht ist, versucht der andere, der eine regionale Macht ist, globale Macht zu werden. Eine Reihe von Ereignissen in der nahen Vergangenheit reichte aus, um die türkisch-russischen Beziehungen auf die oberen Ränge der internationalen Tagesordnung zu setzen. Der Abschuss eines russischen Kampfjets am 24. November 2015 an der türkisch-syrischen Grenze von türkischen Kampfflugzeugen hatte eine große Krise zwischen beiden Staaten ausgelöst. Die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara, Andrej Karlow am 19. Dezember 2016, sowie die Militäroperationen Schutzschild Euphrat und Schutzschild Tigris hatten zeitweise politische und strategische Probleme verursacht. EU-Länder und die USA leiteten wegen der Krim-Krise wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen Russland ein. Deswegen kehrte die NATO wieder zurück zu ihrer allgemeinen Strategie. Im Gegenzug entsandte Russland in sein benachbartes Polen und in die baltischen Staaten Soldaten und Waffen. Auf der einen Seite nahm Russland erneut die Führung des Eurasien Blocks ein, andererseits versuchte Moskau zur Stärkung dieses Blocks die Zusammenarbeit mit der Türkei auszubauen.

Ankara, das ähnlichem Druck des westlichen Blocks und den EU-Staaten ausgesetzt worden war, hat es nicht vermieden, von seinem Moskau-Trumpf Gebrauch zu machen, um Washington und Brüssel auszugleichen. Die Republik Türkei hat mit dem Entschuldigungsschreiben von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan vom 27. Juni 2016 die Beziehungen zwischen Ankara und Moskau aufgetaut.

In der folgenden Zeit bis zum Gipfel am 3. Mai sind Putin und Erdoğan insgesamt fünf Mal zusammengekommen. Dieser intensive Diplomatie Verkehr wurde zwischen beiden Ländern  mit zahlreichen Tagungen auf Ministerebene fortgesetzt. Zusätzlich trafen die Generalstabschefs beider Länder zusammen. Mit Tagungen in der Außenpolitik, im Militärbereich, sowie in politischen und soziokulturellen Themen wurden alle gesetzten Ziele erreicht. Militärische, strategische und Sicherheitsthemen bilden die sensibelsten Themen zwischen beiden Ländern. Das macht sich besonders in den Syrien-Politiken bemerkbar. Während Russland den sich auf der Terrorliste der Türkei befinden PKK-PYD und YPG, Waffen liefert und logistische Unterstützung leistet, ist Russland von den Operation der türkischen Streitkräfte, „Schutzschild Tigris“ im Norden des Irak und im Norden von Syrien beunruhigt. Aber allgemein im militärischen, strategischen Bereich sowie in  Sicherheitsthemen auftretenden Meinungsunterschiede verhindert auch eine mögliche Zusammenarbeit in allen anderen Bereichen.

Auf der anderen Seite funktioniert zwischen der Türkei und Russland das Kompartimentalisierungs-Modell gut. In diesem Modell konzentriert man sich anstelle von schwer zu überwindbaren Themen auf jene Themen, die im Verhältnis einfacher zu lösen sind oder auf die positiven Bereiche.

Letzten Endes ist Russland ein Staat mit einer sehr starken diplomatischen Tradition. Russland ist eine Macht, die die Beziehungen mit großen und kleinen Staaten rationell und auch hart führt. Daher ist in der politischen Beziehung mit so einem Land, eine auf Ausgeglichenheit, multidimensionale Funktion beruhendes politisches Paradigma notwendig.

Bei einer Störung des Gleichgewichts wird Russland nicht zögern, seine Strategie zu seinem Interesse und gegen seinen Verbündeten einzusetzen.



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