Türkei-Agenda (2017-11)

Die Strategien der Großmächte um die Zukunft von Syrien.

Türkei-Agenda (2017-11)

Als die Syrien-Gespräche in Astana und in Genf fortgesetzt wurden, ist mit diplomatischen Initiativen zwischen den Kräften des syrischen Regimes und der Opposition eine allgemeine Waffenruhe gewährleistet worden. Aber der im militärischen Bereich erzielte Teilerfolg konnte nicht in Politik, Verwaltung und Verfassung erzielt werden. Sowohl die politische Zukunft, als auch die Zukunft der Verwaltung hängt von einer neuen Verfassung ab. Bislang konnte in diesem Thema keine Einigung erzielt werden. Den größten Einfluss machen die Meinungsunterschiede zwischen den Großmächten aus. Sie konnten im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Terrormiliz DEASH noch keine gemeinsame Strategie entwickeln. Besonders die jüngsten politischen und militärischen Entwicklungen in Manbidsch deuten darauf hin, dass Russland, die USA und andere Mächte, anstelle einer gemeinsamen Operation auf Rakka, ihre geographischen und politischen Einflussgebiete ausbauen und sich somit Vorteile schaffen wollen.

Aus verschiedenen Aspekten betrachtet, spielt Manbidsch bei der Bestimmung der Zukunft von Syrien die Schlüsselrolle. Erstens ist Manbidsch der letzte Punkt, worüber DEASH den Kontakt mit Aleppo aufrechterhält. Zweitens verfügt Manbidsch auf der Landstraße nach Rakka über eine wichtige strategische Position. Drittens hat die Terrororganisation PKK-YPG trotz der Einwände der Türkei, seit der Obama-Ära Manbidsch nicht verlassen und sich nicht in den Osten des Euphrats zurückgezogen. Diese Lage beeinträchtigt weiterhin die Beziehungen zwischen der Türkei, den USA und Russland. Außerdem haben die von PYD/PKK angeführten Demokratischen Kräfte Syriens angekündigt, die Dörfer in der Nähe der in Manbidsch stationierten Freien Syrischen Armee, die von der Türkei unterstützt werden, syrischen Regimekräften zu überlassen.  Das macht die Lage noch komplexer.

Zwischen den Demokratischen Kräften Syriens und dem syrischen Regime wurde ein Abkommen unterzeichnet. Laut unabhängigen Nachrichtenquellen habe Russland bei diesem Abkommen vermittelt.

Obwohl US-Funktionäre es vorerst vermieden, Informationen zu diesem Thema zu geben, hat der Pentagon die Stationierung von 500 US-Soldaten in Manbidsch und Umgebung bekannt gegeben.

Die Erklärungen des Kommandeurs der US-Truppen in Irak und Syrien, Generalleutnant Stephen Townsend, wonach bei der Operation auf Rakka auch YPG-Kräfte zum Einsatz kommen würden, legen offen dar, dass es einen Machtkampf zwischen den dynamischen Kräften um Manbidsch geben wird.

Während die USA darum bemüht sind, mit PKK-YPG in Manbidsch die strategische Überlegenheit zu gewinnen, sind sie sich dessen bewusst, dass diese Strategie ohne die Türkei nicht zu einem Erfolg führen wird. Daher versuchen sie mit dem Einsatz von Perschmerga eine Zwischenformel zu entwickeln.

Eine andere Macht, die auch an feinen Plänen über PKK-YPG arbeitet, ist Russland. Moskau hat bei den Gesprächen in Genf, trotz der Einwände von Ankara, in den Entwurf einer neuen syrischen Verfassung die Bildung eines autonomen kurdischen Gebiets im Norden von Syrien zugefügt. Zudem betrachte Moskau PKK nicht als Terrororganisation und unterstützte die Bildung eines Kurden-Kongresses. Russland will neben dem syrischen Regime auch von PKK-YPG profitieren. Das erste russische Ziel ist die Wahrung und Ausweitung der Einflussgebiete in Syrien. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, Trümpfe wie YPG von den USA loszureißen und den Einfluss der USA in Syrien zu schwächen. Russland, das seinen Einflussbereich in Syrien ausweitet, wird zweifelsohne versuchen, seinen Einfluss auf den Nahen Osten zu erhöhen.

All diese Entwicklungen legen offen, dass die Großmächte, anstelle der Gewährleistung der Stabilität in Syrien, um ihre eigene Hegemonie bemüht sind. Dies macht die Operation auf Rakka noch komplexer. Aber eins ist Fakt, ohne eine Rolle der Türkei wird keine Strategie erfolgreich sein.



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