Aus der Perspektive der Türkei (2017-09)

Die aktuelle Lage der Irak-Turkmenen.

Aus der Perspektive der Türkei (2017-09)

         Die Turkmenen leben südlich von Basra bis nördlich von Duhok in einer verstreuten Geographie. Die meisten Turkmenen leben in Kirkuk, Arbil, Mossul, Selahaddin und Diyala.

          Vor allem in den Vororten von Kirkuk also Merkez, Dibis und Tavuk gibt es eine turkmenische Bevölkerungsdichte. Ferner leben in der Ortschaft Tazehurmatu mehrheitlich Turkmenen. In Mossul leben in den Vororten Merkez, Telkefy und Hamdaniye zahlreiche Turkmenen. In der Provinz Diyala lebt eine Mehrheit von Arabern, aber auch hier gibt eine turkmenische Bevölkerung. Weitere Regionen mit turkmenischer Bevölkerung sind Kifri, Bakuba, Beledruz, Hanekin, Mukdadiye, Tuzhurmatu, Amirli und Süleyman Bei.

          In der Hauptstadt Bagdad leben in fast allen Gebieten turkmenische Großfamilien. Den Zahlen aus den Wahlen von 2010 zufolge erhielten die turkmenischen Kandidaten in Bagdad etwa 20.000 Stimmen. In Arbil dagegen wird die turkmenische Bevölkerung auf 300.000 vermutet. 

          Nach der Golf-krise in 1991 entstand im Norden Iraks ein Machtvakuum und die politischen Bewegungen der Turkmenen gewannen einen Ausgangspunkt. Deshalb wurden die politischen Organisationen der Turkmenen zur Zielscheibe. Bis 2003 waren die politischen Organisationen der Turkmenen Ziel mehrere Angriffe. Einige konkrete Beispiele sind die Angriffe gegen die Irakisch-Turkmenische Front in 1996, 1998 und 2000. Auch in den von den USA und den Koalitionskräften besetzten Gebieten nahmen die Angriffe kein Ende. Es kam zu mehreren Attentaten, die gegen Mitglieder der Irakisch-Turkmenischen Front und turkmenische Funktionäre gerichtet waren. Von 2003 bis in die Gegenwart wurden mehr als zehn turkmenische Funktionäre ermordet.

          Nach der US-Besatzung in 2003 sind die Turkmenen im Irak auch Ziel von Terror, politischer Unterdrückung, politischer Polarisierung und Isolation geworden. Wegen der Vielfältigkeit und Bevölkerungsstruktur in der Geographie, in denen die Turkmenen leben, fanden sie sich in der Mitte von ethnischen, religiösen, politischen Konflikten. Bis 2009 waren die Turkmenen aus dem politischen Prozess ausgeschlossen.  

          Als sich die Terrororganisation DAESH im Juni 2014 in Mossul beginnend rasend ausbreitete, hatten sowohl im Irak als auch in Syrien die Turkmenen den größten Schaden erlitten. Die internationale Koalition unter US-Führung leitete zwar Luftangriffe gegen DAESH ein, aber an dem Einfluss der Terrororganisation änderten diese kaum etwas. Einer Studie der Internationalen Flüchtlingsorganisation zufolge flohen vor dem DAESH-Terror und den Operationen gegen DAESH zwischen Januar und September 2014 etwa 1,8 Millionen Turkmenen, sunnitische Araber, Jesiden, Christen und Kurden aus etwa 1634 Siedlungen in ganz Irak. 

          Das größte Problem der Irak-Turkmenen im politischen Bereich ist die politische Präsenz. Die Turkmenen konnten das Problem der politischen Präsenz immer noch nicht lösen. Im Zuge einer Reduzierung der Ministerien und Vereinigung einiger Ministerien haben im August 2015 die Turkmenen auch ihren einzigen Ministerposten verloren. Das Ministerium für Menschenrechte, das von Muhammed Mehdi Beyati geführt wurde, wurde nach einem Beschluss der irakischen Regierung aufgehoben.

          Die turkmenischen Siedlungen, vor allem in Kirkuk und Mossul sind einerseits dem DAESH-Terror ausgesetzt und andererseits warten sie auf die Lösung ihrer großen politischen Probleme. Neben dem verheerenden Menschheitsdrama im Irak sind die Turkmenen mit einer sehr großen Gefahr konfrontiert. Die Türkei und die Turkenwelt haben diesbezüglich eine große Verantwortung. Im Zusammenhang mit den Irak-Turkmenen muss die Turkenwelt diese Sensibilität berücksichtigen und diesbezüglich Vorstöße einleiten, damit der Irak sowie die internationale Gemeinschaft entsprechende Schritte unternehmen. Um ihre verfassungsmäßigen Rechte und sich selbst schützen zu können, müssen die Turkmenen ihre eigenen bewaffneten Elemente bilden. Unter den ethnisch-religiösen Elementen mit großer Bevölkerungszahl sind die Turkmenen die einzigen, die über keinen Selbstverteidigungsmechanismus verfügen. Diesbezüglich müssen die Türkei und die Turkenwelt unbedingt Initiative übernehmen.



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