WM, EM, Club-WM und Nations League: Die Inflation der Wettbewerbe

Die Einführung des neuen Europacups in der Saison 2021/22 ist nur ein weiterer Schritt der Fußball-Expansion.

WM, EM, Club-WM und Nations League: Die Inflation der Wettbewerbe

 

Dublin (dpa) - Die Einführung des neuen Europacups in der Saison 2021/22 ist nur ein weiterer Schritt der Fußball-Expansion. Seit Jahren etablieren FIFA und UEFA neue Formate und reformieren ihre Wettbewerbe, teilweise gegen den Willen vieler Trainer, Spieler und Fans.

Ein Überblick, was schon verändert wurde und welche Themen noch diskutiert werden:

Die WM:

Bei der Premiere 1930 spielten 13 Teams in Uruguay mit. Im Laufe der Jahrzehnte wurde das Premiumturnier des Weltfußballs immer weiter ausgebaut. Mit der Erhöhung auf 32 Teams bei der WM 1998 in Frankreich schien ein sportlich sinnhaftes Format gefunden. Doch FIFA-Boss Gianni Infantino wollte mehr. 2026 findet das Turnier nicht nur erstmals in drei Ländern, den USA, Kanada und Mexiko, sondern auch mit 48 Teams statt.

Am liebsten würde Infantino schon 2022 in Katar mit so vielen Mannschaften spielen lassen. Eine Entscheidung dazu fällt im März in Miami. Und die Reformideen gehen weiter. Aus Südamerika kam nun der Vorschlag, eine WM alle zwei statt alle vier Jahre stattfinden zu lassen.

Die EM:

2020 feiert die UEFA mit einem Turnier in zwölf Gastgeber-Ländern den 60. Geburtstag ihres Vorzeige-Wettbewerbs. Dann werden wie schon 2016 in Frankreich 24 Mannschaften teilnehmen und damit sechs Mal so viele wie bei der Premiere 1960. Gegen den Widerstand enger Vertrauter setzte der ehemalige UEFA-Chef Michel Platini das krumme Format durch. Für Fans ist das System mit vier besten Dritten, die ins Achtelfinale kommen, schwer zu verstehen.

Die Nations League:

Auch dieser Wettbewerb geht auf eine Idee von Platini zurück. Statt vieler Testpartien spielen die 55 Nationalmannschaften Europas in einem System mit vier Ligen einen Sieger aus. Es gibt Auf- und Abstieg zwischen den jeweiligen Ligen. Bundestrainer Joachim Löw fand den Wettbewerb vor der Premiere in diesem Herbst im Gegensatz zu vielen Club-Vertretern toll, als der deutsche Abstieg in Liga B feststand, wollte er die Liga «nicht mehr so hochhängen». 2020 folgt die nächste Auflage.

Die Champions League:

Das UEFA-Milliarden-Event gibt es schon seit den frühen 1990er Jahren. Es ersetzte den Landesmeister-Cup mit einer mehrfach reformierten Gruppenphase und anschließendem K.o.-System. Die Anzahl der Spiele erhöhte sich für viele Clubs. Mittlerweile gleicht die sogenannte Königsklasse einem Closed Shop, in dem immer wieder die gleichen reichen Teams Richtung Finale streben.

Die Europa League:

Zunächst verschmolz die UEFA den Pokalsieger-Wettbewerb mit dem UEFA-Pokal, dann wurde 2010 die Europa League als Unterbau zur Champions League eingeführt. Ein schiefes Format mit 48 Teams und eine Inflation an Gruppenspielen machten den Wettbewerb nicht sonderlich attraktiv. Mit der Einführung der Europa League 2 spielen nur noch 32 Teams mit.

Die Europa League 2:

Mit der Einführung des neuen Wettbewerbs erhöht sich die Zahl der Teams in den Europacups von 80 auf 96. Gerade aus den mittleren und kleineren Verbänden wurde der Wunsch geäußert, auch an den Geldflüssen beteiligt zu werden. Für die Bundesliga ändert sich nicht viel. Ein deutscher Starter hat in dem Wettbewerb aber realistische Chancen auf einen Pokaltriumph.

Die Club-WM:

Bisher spielen die sechs Sieger der Konföderationspokale und ein Gastgeber im Dezember ein weitgehend belangloses Turnier um den FIFA-Titel. Infantino will das ändern und das Format als Teil seines umstrittenen 25-Milliarden-Dollar-Deals mit einem Konsortium reformieren. 24 Teams sollen dann im Sommer alle zwei oder vier Jahre um den Club-Titel spielen. Der schlecht zu vermarktende Confederations Cup wird dafür abgeschafft.

Die Global Nations League:

Die weltweite Ausdehnung der europäischen Nations League ist das zweite Ziel von Infantino. Dem Schweizer war das gut vermarktete UEFA-Projekt von Anfang an ein Dorn im Auge. Auch für dieses Produkt sollen die ominösen Milliarden-Investoren die Rechte bekommen. Widerstand regt sich aus UEFA-Kreisen.


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