Spaniens Parlament billigt Umbettung von Diktator Franco

Umstrittene Umbettung der Leiche des spanischen Diktators Francisco Franco (1892-1975)

Spaniens Parlament billigt Umbettung von Diktator Franco

 

Madrid (dpa) - Der umstrittenen Umbettung der Leiche des spanischen Diktators Francisco Franco (1892-1975) steht juristisch nichts mehr im Wege. Das Parlament in Madrid verabschiedete am Donnerstag mit deutlicher Mehrheit eine Gesetzesverodnung der sozialistischen Regierung zur Verlegung der Gebeine. Die Verfügung wurde mit 172 zu zwei Stimmen angenommen. Es gab 164 Enthaltungen, vor allem von Abgeordneten der oppositionellen konservativen Volkspartei (PP) und der liberalen Ciudadanos (Bürger). Wann und wie die Umbettung erfolgen soll, soll demnächst entschieden werden.

Die Gesetzesverordnung liefert nach Angaben der Regierung von Pedro Sánchez die rechtliche Grundlage für die Exhumierung und Umbettung der Leiche, die seit mehr als vier Jahrzehnten in einem riesigen Mausoleum nordwestlich von Madrid begraben liegt. Schon kurz nach seiner Amtsübernahme Anfang Juni hatte der Ministerpräsident eine baldige Umbettung Francos angekündigt. Viele konservative Politiker und auch die Familie Franco hatten sich aber gegen die Pläne des Sozialisten ausgesprochen. PP-Chef Pablo Casado bezeichnete es als «unverantwortlich, bereits geheilte Wunden wieder aufzureißen».

Drei Tage nach seinem Ableben wurde Franco am 23. November 1975 in der von ihm 1959 eingeweihten Basilika im Valle de Los Caídos (Tal der Gefallenen) rund 60 Kilometer nordwestlich von Madrid bei einem Staatsbegräbnis bestattet. Die Leiche befindet sich seitdem unter der 52 Meter hohen Kathedralen-Kuppel. Der Ort mit dem 155 Meter hohen Kreuz wird jährlich von rund 400 000 Menschen besucht, darunter auch von vielen Franco-Anhängern, die dem «Caudillo», dem «Führer», dort vor allem am Todestag des Diktators huldigen.

Im Mausoleum, das von 1940 bis 1959 von 20 000 Zwangsarbeitern in den Fels getrieben wurde, ruhen neben dem Gewaltherrscher auch Tausende Opfer des von Franco durch einen Militärputsch ausgelösten Bürgerkriegs (1936-1939). Insgesamt liegen hier in der Sierra de Guadarrama die Leichen von rund 40 000 Toten beider Kriegsparteien. Mit der Umbettung des Franco-Leichnams sollen laut Verordnung «antidemokratische Verherrlichungen» verhindert werden. Der Tal der Gefallenen solle zu einem «Ort der Erinnerung» werden, heißt es.



Nachrichten zum Thema